Der "Green Climate Fund" dürfte nicht mehr bleiben als eine leere Hülle - als ein Konto, auf das nichts eingezahlt wird
Ein "Schlechtes-Gewissen-Programm" zerbröselt gerade vor unseren Augen.
Der "Green Climate Fund", auf den sich die Staaten bei früheren
UN-Klimakonferenzen geeinigt hatten, dürfte nicht mehr bleiben als eine
leere Hülle - als ein Konto, auf das nichts eingezahlt wird.
Die Idee für den Klimafonds war von den Industrieländern aus taktischem
Kalkül ins Leben gerufen worden. Er hielt die Entwicklungsländer bei den
vergangenen UN-Klimakonferenzen bei der Stange. Denn die Industrieländer
versprachen, damit Klimaschutzmaßnahmen und den Ausbau regenerativer
Energien in den armen Ländern finanzieren zu wollen - also die Regionen
zu unterstützen, die die Erderwärmung nicht verursacht haben, aber davon
besonders betroffen sind.
Angesichts der Finanzkrise lösen sich diese Versprechen nun im Nichts
auf. Die Industrieländer haben kein Interesse und keine Mittel, Fonds
abseits von staatlichen Rettungsschirmen oder Bankenhilfspaketen zu
dotieren.
Problematisch ist, dass damit eine tragfähige internationale
Klimapolitik in noch weitere Ferne rückt. Schlecht, denn so ein
UN-Klimafonds könnte auch dann recht passabel operieren, wenn es zu
keinem völkerrechtlich bindenden Vertrag kommt, wie es derzeit aussieht.
Die Auswirkungen sind weitreichend. Schwellen- und Entwicklungsländer
werden nun erst recht keinen Grund sehen, sich beim Einsatz fossiler
Energien zurückzuhalten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe; 3./4.12.2011)