Rede von Bischof Laun bei einer Veranstaltung, die der Salzburger Bücherverbrennung durch die Nazis gedachte, sorgt für Aufregung - SPÖ fordert Klarstellung
Salzburg - Die Schrecksekunde hat etwas gedauert: Eine Woche, nachdem der Salzburger Weihbischof Andreas Laun als Vertreter der katholischen Kirche bei der Enthüllung einer Gedenktafel hinsichtlich der von den Nationalsozialisten 1938 am Salzburger Residenzplatz inszenierten Bücherverbrennung seine Ansichten zum Thema ausbreitete, hagelt es Proteste.
"Wir sind natürlich entsetzt darüber, was die Nazis getan haben. Aber stellen Sie sich vor, ein Verlag würde Hitlers Mein Kampf neu auflegen wollen. Wir würden es verbieten, wir verlangen ja auch, dass gewisse Inhalte im Internet gesperrt werden", sagte Laun bei seiner Ansprache, der neben anderen auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Marko Feingold, Bürgermeister Heinz Schaden (SP) und Ex-SP-Landesparteichef Karl Steinocher beiwohnten.
Dann Laun weiter: Man müsse darüber reden, "mit welchen Mitteln man sich wehren darf - auch wenn man keine Verbrennung veranstalten würde".
Im Gespräch mit der Gratiszeitung Bezirksblätter legte Laun im Anschluss an die Gedenkveranstaltung dann noch nach: "Wenn man die Auschwitz-Lüge unter Gefängnisstrafe stelle, müsse man auch darüber reden, wer entscheidet, was gutes und was gefährliches Gedankengut sei", wird Laun in indirekter Rede wiedergegeben.
Für die Salzburger Jungen Sozialdemokraten war damit das Maß voll: Laun habe "die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten mit dem Verbotsgesetz gleichgesetzt und damit indirekt gerechtfertigt", empören sich die Jusos. "Er ist als kirchlicher Würdenträger untragbar. Erzbischof Kothgasser soll sich entschuldigen."
Ähnlich auch der Klubobmann der Bürgerliste im Salzburger Gemeinderat, Helmut Hüttinger. Er spricht von einer "Bagatellisierung der Bücherverbrennung".
Rückendeckung bekommen die Jusos von ihrer Landespartei. Er habe "volles Verständnis für die Empörung", es seien "eindeutig Worte der Klarstellung gefordert", sagt SPÖ-Landesparteigeschäftsführer Uwe Höfferer auf Anfrage des Standard.
Erzbischof Alois Kothgasser war am Freitag nicht erreichbar. Nach Auskunft der Erzdiözese will Kothgasser kommende Woche Stellung nehmen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe 3./4.12.2011)