In der Notfallambulanz wird ein Oberarztdienst gekürzt
Wien - Der Rektor der Medizinischen Universität Wien (MUW), Wolfgang Schütz, hat diese Woche verkündet, sein Sparprogramm am AKH mit 1. Februar umsetzen zu wollen - jetzt kristallisiert sich konkret heraus, was das für Österreichs größtes Krankenhaus bedeutet.
Nach internen Informationen, die dem Standard vorliegen, soll der Oberarztdienst ab 16 Uhr in der Notfallaufnahme gestrichen werden. In Zukunft werden nur mehr drei statt wie bisher vier Ärzte im Einsatz sein. "Möglicherweise sind das drei junge Ärzte in Ausbildung" , so N., Notfallmediziner des AKH, der namentlich nicht genannt werden möchte. Für die Betreuung von Patienten gäbe es keine institutionalisierte Supervision mehr. "Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass Anfänger allein sind" , so N. Befragte Juristen seien unsicher, ob ein Dienst ohne Oberarzt eine Fahrlässigkeit darstelle und ob Versicherungsschutz bestehe.
Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, sieht nur einen Ausweg: "Wir könnten nur mehr als Tagesklinik am Vormittag agieren. Mit dieser Besetzung ist weder eine Aufsicht garantiert, noch eine Ausbildung möglich."
Viele junge Ärzte hätten sich bereits besorgt an die Ärztekammer gewandt, sagt Kammeramtsdirektor Thomas Holzgruber. "Aber wenn das Rektorat Diensträder streicht, übernimmt es auch die Verantwortung für die Konsequenzen - nicht der Arzt."
Fachärzte gestrichen
Derzeit kommen im Schnitt rund 40 Rettungspatienten pro Tag in die Notfallambulanz des AKH, davon sind bis zu sechs Intensivpatienten. Auch der Neuro-Konsiliardienst soll eingespart werden. Bisher wurde nicht kommuniziert, wer die Arbeit übernehmen wird. Die Fachbereiche Dermatologie, Gynäkologie, HNO und Orthopädie haben laut N. angekündigt, den Notfalldienst ebenfalls zu streichen.
Bisher existiere kein Plan, wie die Patientenversorgung ohne Facharzt in der Notaufnahme ablaufen soll. "Wir gehen davon aus, dass die Ärzte der Notfallambulanz jetzt die Gesamtzahl der Patienten versorgen müssen, ohne inhaltlich kompetent zu sein" , so N. Internisten seien spezialisiert auf Intensivmedizin, aber eben nicht auf andere Fachgebiete.
2010 wurden in der Ambulanz rund 88.000 Patienten (rund 250 täglich) behandelt, fast ein Drittel davon in der Notfallambulanz. Die Frage ist, wie dieser Umfang mit weniger Personal bewerkstelligt werden kann. Laut dem Sprecher von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, Johann Baumgartner, habe es in den vergangenen Jahren keine Leistungssteigerung des AKH im Vergleich zu anderen Spitälern gegeben.
"Für die Krankenbehandlung wird das gesamte ärztliche Personal im AKH Wien von der Medizinischen Universität (MUW) bereitgestellt" , heißt es im bis 2015 gültigen Vertrag. Die Verantwortung liege also klar bei der MUW und im Wissenschaftsministerium, sagt Baumgartner. Minister Karlheinz Töchterle versprach am Freitag intensive Bemühungen zur Lösung des Problems.
Ab Februar sollen am AKH abends nur mehr drei statt wie bisher vier Ärzte in der Notfallambulanz arbeiten. Der Oberarztdienst wird gänzlich gestrichen. Nachwuchsmediziner sind verunsichert, der rechtliche Status ist unklar.(Julia Herrnböck, DER STANDARD; Printausgabe, 3./4.12.2011)