Boltz: Ab 2014 könnte rund eine halbe Million Kunden mit gut aufbereiteten Informationen aus "intelligenten" Stromzählern versorgt sein
Die Einführung von sogenannten "intelligenten" Stromzählern (Smart Meter), für die die EU bis 2020 eine 80-prozentige Verbreitung verlangt, kommt in Österreich voran. E-Control-Vorstand Walter Boltz rechnet damit, dass ab 2014, Anfang 2015 rund 400.000 bis 600.000 Kunden die ersten gut aufbereiteten Smart-Meter-Informationen von den Netzbetreibern erhalten werden, allerdings noch nicht österreichweit.
"Smart Metering und Sicherheit"
Bereits jetzt seien rund 150.000 "intelligente" Zähler im Einsatz, sagte Boltz heute, Freitag, am Rande einer E-Control-Veranstaltung zum Thema "Smart Metering und Sicherheit" vor Journalisten. In den kommenden zwei Jahren werde es in weiteren Gebieten zu Installierungen kommen.
Genauer Zeitplan und Ausmaß der flächendeckenden Einführung werden in einer Verordnung von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) festgelegt. Der Begutachtungsentwurf dürfte nach Einschätzung von Boltz noch heuer kommen. Die Regeln könnten dann ab Februar feststehen.
Schlüssel
Informationen seien der Schlüssel, wichtig sei, dass diese auch vergleichbar gemacht werden, betonte Boltz. Das Einsparpotenzial liege bei den Haushalten zwischen 2 und 8 Prozent. Die tatsächliche Höhe hänge davon ab, wie gut der Kunde die Information nutze. Nur die Bekanntgabe von verbrauchten Kilowattstunden werde weniger bringen, wichtig seien beispielsweise Vergleiche mit Vorperioden.
Auch mit Automatisierungen könnte man Einsparpotenzial heben, etwa indem man ein paar Geräte zusammenschalte, die beim Verlassen der Wohnung oder je nach Netzsituation abgeschaltet werden. Vorstellbar sei etwa auch, für das Wäschewaschen einen Zeitraum festzulegen, wann dies dann tatsächlich genau erfolge, könnte an die Netzsituation gekoppelt sein.
Für die technischen Voraussetzungen der Smart Meter hat die E-Control Ende Oktober die entsprechende Verordnung veröffentlicht. Festgelegt worden seien Mindeststandards. Einen Bedarf für eine hohe Standardisierung sieht Boltz nicht, denn anders als etwa ein Handy wandere ein Smart Meter nicht. Ob ein Zähler in Linz mit jenem in Salzburg kompatibel sei, sei nicht wichtig. Erlassen werden muss von der E-Control auch eine Verordnung über Datenformate und -übermittlung - voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres.
Für Boltz sind die zusätzlichen Risiken durch Smart Meter gering und managebar. Zählermanipulationen und -zerstörungen seien auch jetzt schon möglich und mit Smart Meter künftig wohl eher komplizierter. Es gebe aber Missbrauchspotenzial. Einzelmanipulationen werde es weiter geben, aber "das geht heute und wird in Zukunft so sein".
Risiko
Das Risiko, dass halb Österreich ins Finstere versetzt wird, sei durch Smart Meter nicht größer als jetzt. Er gehe davon aus, dass die Netzbetreiber auch jetzt ihre IT ordentlich absicherten. Die Sicherheit des Stromversorgungssystems werde durch Smart Meter weder schlechter noch besser. Smart Meter seien nicht das Einfallstor zum Netzbetreiber, vom Internet gebe es normalerweise keinen Zugang zum Smart-Meter-Kommunikationssystem.
Gesundheitsdaten seien heikler als Stromverbrauchsdaten. Bei professionellen Angreifern stelle sich die Frage, was man mit den Daten mache. Wenn man die Urlaubsliste eines Bezirks in Wien habe, stelle sich die Frage, "wie mache ich das zu Geld?". Dies gehe auch über die Beobachtung von Hausbriefkästen.
Betont wurde bei der heutigen Veranstaltung auch die Notwendigkeit des Zusammenspiels von "intelligenten" Zählern und intelligenten Netzen (Smart Grids). (APA)