Smart-Meter-Einführung kommt in Österreich voran

2. Dezember 2011, 17:14

Boltz: Ab 2014 könnte rund eine halbe Million Kunden mit gut aufbereiteten Informationen aus "intelligenten" Stromzählern versorgt sein

Die Einführung von sogenannten "intelligenten" Stromzählern (Smart Meter), für die die EU bis 2020 eine 80-prozentige Verbreitung verlangt, kommt in Österreich voran. E-Control-Vorstand Walter Boltz rechnet damit, dass ab 2014, Anfang 2015 rund 400.000 bis 600.000 Kunden die ersten gut aufbereiteten Smart-Meter-Informationen von den Netzbetreibern erhalten werden, allerdings noch nicht österreichweit.

"Smart Metering und Sicherheit"

Bereits jetzt seien rund 150.000 "intelligente" Zähler im Einsatz, sagte Boltz heute, Freitag, am Rande einer E-Control-Veranstaltung zum Thema "Smart Metering und Sicherheit" vor Journalisten. In den kommenden zwei Jahren werde es in weiteren Gebieten zu Installierungen kommen.

Genauer Zeitplan und Ausmaß der flächendeckenden Einführung werden in einer Verordnung von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) festgelegt. Der Begutachtungsentwurf dürfte nach Einschätzung von Boltz noch heuer kommen. Die Regeln könnten dann ab Februar feststehen.

Schlüssel

Informationen seien der Schlüssel, wichtig sei, dass diese auch vergleichbar gemacht werden, betonte Boltz. Das Einsparpotenzial liege bei den Haushalten zwischen 2 und 8 Prozent. Die tatsächliche Höhe hänge davon ab, wie gut der Kunde die Information nutze. Nur die Bekanntgabe von verbrauchten Kilowattstunden werde weniger bringen, wichtig seien beispielsweise Vergleiche mit Vorperioden.

Auch mit Automatisierungen könnte man Einsparpotenzial heben, etwa indem man ein paar Geräte zusammenschalte, die beim Verlassen der Wohnung oder je nach Netzsituation abgeschaltet werden. Vorstellbar sei etwa auch, für das Wäschewaschen einen Zeitraum festzulegen, wann dies dann tatsächlich genau erfolge, könnte an die Netzsituation gekoppelt sein.

Für die technischen Voraussetzungen der Smart Meter hat die E-Control Ende Oktober die entsprechende Verordnung veröffentlicht. Festgelegt worden seien Mindeststandards. Einen Bedarf für eine hohe Standardisierung sieht Boltz nicht, denn anders als etwa ein Handy wandere ein Smart Meter nicht. Ob ein Zähler in Linz mit jenem in Salzburg kompatibel sei, sei nicht wichtig. Erlassen werden muss von der E-Control auch eine Verordnung über Datenformate und -übermittlung - voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres.

Für Boltz sind die zusätzlichen Risiken durch Smart Meter gering und managebar. Zählermanipulationen und -zerstörungen seien auch jetzt schon möglich und mit Smart Meter künftig wohl eher komplizierter. Es gebe aber Missbrauchspotenzial. Einzelmanipulationen werde es weiter geben, aber "das geht heute und wird in Zukunft so sein".

Risiko

Das Risiko, dass halb Österreich ins Finstere versetzt wird, sei durch Smart Meter nicht größer als jetzt. Er gehe davon aus, dass die Netzbetreiber auch jetzt ihre IT ordentlich absicherten. Die Sicherheit des Stromversorgungssystems werde durch Smart Meter weder schlechter noch besser. Smart Meter seien nicht das Einfallstor zum Netzbetreiber, vom Internet gebe es normalerweise keinen Zugang zum Smart-Meter-Kommunikationssystem.

Gesundheitsdaten seien heikler als Stromverbrauchsdaten. Bei professionellen Angreifern stelle sich die Frage, was man mit den Daten mache. Wenn man die Urlaubsliste eines Bezirks in Wien habe, stelle sich die Frage, "wie mache ich das zu Geld?". Dies gehe auch über die Beobachtung von Hausbriefkästen.

Betont wurde bei der heutigen Veranstaltung auch die Notwendigkeit des Zusammenspiels von "intelligenten" Zählern und intelligenten Netzen (Smart Grids). (APA)

Wa(h)re (Des-)Information
00
26.12.2011, 01:25
die EU fordert bis 2020 eine 80-prozentige Verbreitung des SmartMeters

...wir wollen dabei nicht ganz vergessen, dass die Hersteller mittels dieser SmartMeters heute schon technologisch in der Lage sind, bei einem installierten SmartMeter über die Stromleitungen, die durch die angebunden Räumlichkeiten führen, ein komplettes Bewegungsprofil erstellen und mitverfolgen können.

D.h. z.B. konkret: Wenn sich George Orwell in seinem geistigen Grab (innerhalb solcher Räumlichkeiten) gerade den Kopf verdreht, weil er dem Maß an Total-Überwachung selbst nicht trauen mag, dann kann das irgendwer entfernt auf seinem möglichen Überwachungsbildschirm mitansehen und als Bewegungsvideo aufgezeichnet ihm zusenden.

Danke, techno-logischer Fort-schritt!
Wir entfernen uns immer mehr vom Wesentlichen.

Elettra
00
5.12.2011, 23:23
Leider wieder nur Schmalspur

Neben dem Schmaspur DVB-T, dem Schmalspur tragbaren DVB-H Fernseher, bekommt Österreich nun den in schmalspur Breitband angebundenen Stromzähler.

DVB-T hätte man gleich in DVB-T2 HDTV starten können, anstatt DVB-H gleich TV-Mediatheken mit Live Funktion,

den Stromzähler könnte man nun gleich in abhörsicherer Glasfaser Technik -verkabeln, im dicht besiedelten Gebiet als Erdkabel, am Land parallel in der Elektro Freileitung

Österreich benötigt endlich mal eine Infrastruktur mit wirklichem Mehrwert.

Beiddenker
01
3.12.2011, 13:13
Naja, ich habe ein Excel-Sheet, in dem ich einfach den aktuellen ...

... Verbrauch eintrage. Im Excel wird automatisch auf Durchschnitts Tages-/Stundenverbrauch und Kosten umgerechnet.

Ich befürchte, die neuen Zähler bringen dem Konsumenten genau nichts, im Gegenteil, wird vermutlich wieder als "Argument" für eine Verteuerung angeführt.

Wirklich für den Konsumenten wäre eine VOLLAUTOMATISCHE Auswahl des aktuell günstigsten Stromanbieter - das würde auch ohne "Smartmeter" funktionieren.

Strg-Alt-Entf
02
3.12.2011, 08:29
"Er gehe davon aus, dass die Netzbetreiber auch jetzt ihre IT ordentlich absicherten."

Realitätscheck: eine solche Absicherung kostet viel Geld. Und es wäre bekanntlich nicht das erste Mal, dass die Systemsicherheit, die für Schlipse nicht als unmittelbar profitmaximierend erkennbar ist, vor allem als Einsparpotenzial herhalten muss.

Tante Jutta hat schon einiges über diese "sichere" Technik recherchiert, und das liest sich gänzlich anders, als es der Herr Boltz darstellt:

http://fm4.orf.at/stories/1686332/
http://fm4.orf.at/stories/1685996/
http://fm4.orf.at/stories/1685726/

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.