Durban

Streit um die Finanzierung von Klimaschutz tobt

Martina Schwikowski, 2. Dezember 2011, 17:09

Eine der fixen Abmachungen früherer UN-Klimakonferenzen droht zu scheitern. Die klammen Industrieländer zahlen nicht

Der grüne Klimafonds ist jetzt bei Verhandlungen auf der Klimakonferenz in Durban erneut in die Diskussion geraten. Eigentlich sollte dieses wichtige Finanzinstrument für eine global umweltfreundlichere Wirtschaft schnellstens verabschiedet werden.

Doch entgegen der Hoffnung vieler Aktivisten hat sich das Blatt gewendet: Der in Cancún in Mexiko vereinbarte Fonds zur Finanzierung von Klimaschutz könnte teilweise neu verhandelt werden, nachdem das gebildete Übergangskomitee für die Einrichtung des Fonds jetzt seinen Bericht vorgelegt hat. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass es am Ende der nächsten Woche keinen Klimafonds gibt, in den Geld fließen kann.

Der "grüne Fonds" war bei der Klimakonferenz 2010 in Cancún auf dem Papier festgelegt worden. Darin sagten Industrieländer zu, 100 Milliarden Dollar (75 Milliarden Euro) bis zum Jahresende 2020 einzahlen zu wollen. Mit diesem Langzeitplan soll Entwicklungsländern finanziell geholfen werden, sich besser an den Klimawandel anzupassen und klimafreundlichere Wirtschaft zu betreiben. Grünere Energieversorgung, erneuerbare Energien, aber auch verbesserte Infrastruktur und neue Projekte in der Landwirtschaft sollen mit den Geldern aus dem Fonds ermöglicht werden.

Noch ist der Topf leer. "Wo das Geld herkommt, steht noch ziemlich in den Sternen", sagt Stefan Krug, politischer Leiter von Greenpeace Deutschland. "Auf der COP17-Konferenz in Durban sollten Leitlinien insbesondere zur Struktur des Fonds festgelegt werden."

Dabei geht es um verschiedene Aspekte, wie Anreize und Ausgleichfinanzierungen geschaffen werden können, um zum Beispiel Wälder nicht abzuholzen. Der Anstieg von Fluten, vermehrte Dürren - die Häufigkeit von Extremwetter sind Auswirkungen des Klimawandels, unter denen besonders der afrikanische Kontinent leidet.

Doch auch in der Frage dieses Fonds dominieren nationale Interessen in Durban. Die USA und Kanada sprachen sich gleich zu Beginn der Konferenz gegen die Dotierung von 100 Milliarden Dollar aus. Ölstaaten wollen daraus Ausgleichsfinanzierungen, wenn ihre Öl-Produktion im Zuge von mehr Alternativenergien schrumpft. Kanada hat sich bereits ganz zurückgezogen.

Die afrikanische Gruppe hat nun ein Plus von 500 Milliarden Dollar für Ausgaben vom Klimafonds gefordert. "Das wären 1,5 Prozent des Einkommens der Entwicklungsländer", sagt Seyni Nafo, Sprecher der Afrika-Gruppe. "Der Fonds muss deutlich mehr Geld besitzen als die anvisierten 100 Milliarden Dollar", meint auch Krug, der allerdings davor warnt, dass die Abmachungen rund um den Green Climate Fonds wieder aufgeschnürt werden. Auch gebe es einen kurzfristigen Finanzplan der Industrieländer, der ganz gut laufe: Demnach sollen 30 Milliarden Dollar in den Jahren von 2010 bis 2013 eingezahlt werden.

Weltbank als Verwalter

Die Weltbank ist als "Verwalter" von Einzahlungen in den Fonds verpflichtet worden. Dagegen haben sich schon viele Entwicklungsländer und Hilfsorganisationen ausgesprochen, die zu viel Macht der Institution fürchten. Venezuela als Vertreter der lateinamerikanischen Staaten hat sich dezidiert gegen eine tragende Rolle der Weltbank beim Green Climate Fund ausgesprochen.

Zwei innovative Finanzquellen - neben staatlichen Geldern - sind im Gespräch: eine internationale Besteuerung des Flugverkehrs und der Schiffstransporte.

In einer Neueröffnung der Verhandlungen zum Klimafonds sieht die Umweltorganisation WWF ein großes Problem, besonders für die Entwicklungsländer. "Der vorliegende Verhandlungstext beinhaltet sorgsam ausbalancierte politische Kompromisse", sagt Tasneem Essop, Leiterin der internationalen Klimastrategie-Gruppe von WWF. (Martina Schwikowski, DER STANDARD, Print-Ausgabe; 3./4.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
Armin Wilhelm Kolprat
21
4.12.2011, 14:29
Beendet endlich

diese LÄCHERLICHE und teure Klima-Wahn-Konferenz!

Es kommt nämlich eine neue Eiszeit und leider keine Klima-Erwärmung!

wer wenn nicht er
00
4.12.2011, 12:41
"Ölstaaten wollen daraus Ausgleichsfinanzierungen, wenn ihre Öl-Produktion im Zuge von mehr Alternativenergien schrumpft."

Liebe Ölstaaten, wie wäre es wenn IHR mit euren Milliarden SELBST an Alternativen forschen würdet?

Dann hättet ihr selbst auch noch Einnahmen wenn ihr KEIN Öl mehr habt.

Gerüchten nach soll es durchaus Alternativen geben, bei denen riesige ungenutze Landflächen mit 365 Sonnentagen pro Jahr große Vorteile bieten...

noldman
16
4.12.2011, 10:52
Liebe Welt: Europa ist Pleite!

Es gibt kein Geld, vor allem nicht, da die größten Umweltverschmutzer außerhalb Europas liegen.

Bevor China, Brasilien und Südafrika nicht mit massiven Einsparungen anfangen, bevor Brasilien die Abholzung des Amazonas nicht stoppt etc. brauchen wir überhaupt nicht an einem Tisch zu sitzen.

Warum sollen wir in Europa Arbeitsplätze vernichten?!?

In Wahrheit geht es doch nur darum, dass die ach so armen Länder Geld von Europa wollen, das wir selbst in Wahrheit nicht mehr haben.
China ist der größte Umweltverschmutzer hat Geld en masse und will Geld von uns. Sorry liebes China aber wie wärs wenn ihr mal anfangen würdet, die Umweltverschmutzung zu stoppen und ihr nachdem ihr die einzigen mit Geld seid, dieses auch hergebt!

uns das noch dazu
00
4.12.2011, 19:00
Wir können den Bewohnern von Schwellen- & Entwicklungsländern billige Energie und Stahl nicht vorenthalten

Die sind wichtig zur Verbesserung von deren Lebensstandards
Es mag wohl verbrecherisch aussehen dass alte Englische&Deutsche Stahlwerke inIndien wieder aufgebaut werden.Obwohl deren Energieverbrauch höher ist als der eines modernen kann derStahl billigst produziert werden.Der billige Stahl ist notwendig für denBau vonInfrastrukturen.Warum sollen jetzt die Inder für den Aufbau ihrer Infrastruktur mehr bezahlen als damals wir? Selbst ein Slumbewohner muss den Stahl für seine Wellblechhütte bezahlen. Eine Verteuerung trifft ihn hart
Es ist aber falsch dass Indien billigst Stahl nach Dubei liefert um dort teure Hochhäuser zu bauen. Das selbe gilt für Zement der mit billigster Energie erzeugt wurde
Die3.Welt braucht eine Zweiklassenwirtschaft

Pullutbay
01
4.12.2011, 18:48

Ja, du hast recht, wir sind Pleite. Aber l" das ist schon alles mit dem du recht hast.
China produziert nicht für ihren Markt, sondern für uns. und damit sind wir für die Emissionen auch mitverantwortlich
Der "Klimaschwindel" ist eigentlich dafuer verantwortlich, dass bei uns zumindest eine Branche wächst! nämlich nachhaltige Energien und Waermedaemmung, und und und. Alles andere stagniert.
Letztlich, geschichtlich sind wir für den Klimawandel verantwortlich. Und nicht die Chinesen und Inder. Die haben erst vor ein paar Jahren angefangen. ausserdem, machen die mehr als wir in nachhaltigen Energien.

greenling
10
4.12.2011, 17:43

jetzt muss ich noch etwas schreiben, so wütend macht mich ihr posting!

WIR vernichten in Europa Arbeitsplätze, indem wir alles nach China auslagern, wo wir billig produzieren können ohne irgendwelche Umweltstandards einhalten zu müssen und die Leute noch mehr ausbeuten können als hierzulande!

WIR verschmutzen durch unseren Konsum dort die Umwelt und haben pro Kopf hierzulande trotzdem immer noch einen um ein vielfaches höheren proKopf Verbrauch an CO2 - obwohl schon so vieles von uns dort produziert wird!

Also wer ist ihrer Meinung nach an der Umweltverschmutzung schuld?!

greenling
11
4.12.2011, 17:23
Halt!

Die größten Umweltverschmutzungen mögen zwar derzeit anderswo passieren, aber in wessen Namen?

Wer lässt in China billigst produzieren und schert sich nicht darum, mit welchen Energiequellen produziert wird? Wer lässt Regenwald abholzen für Soja um seine Massentierhaltung aufrecht zu erhalten und wer baut dort Palmöl an?

Sorry, aber ihr Posting ist mehr als einseitig und uneinsichtig - der meiste Dreck stammt immer noch von uns!

Uniquin
 
00
4.12.2011, 18:46

das mit dem finger zeigen ist ein lustiges spiel, hilft aber niemanden weiter. genau der grund warum auch auf einer klimakonferenz nichts weiter gehen kann.

greenling
00
4.12.2011, 19:01

ich zeig eben nicht mit dem finger!

ich weiß, dass ich teil unseres ausbeuterischen westlichen systems bin!

viele wissen das aber offenbar nicht oder geben es nicht zu und zeigen lieber auf china oder andere länder!

Plato
10
4.12.2011, 04:28
Und nicht einmal wenn ganz Bangla Desh, die Malediven, etc. ...

... ueberflutet sind, wird sich an der Gesinnung der Hauptemittenten was aendern !
Da muesste schon Florida betroffen sein, dann vielleicht ?

Grisu der kleine Drache
00
3.12.2011, 22:32
Einfach nur Kostenwahrheit statt "Klimaschutzfinanzierung"

Die Verursacher des Klimawandels sollten einfach nur den angerichteten Schaden bezahlen. Kohle und Öl dürften bei konsequenter Anwendung des Verursacherprinzips ziehmlich teuer werden. Dann müssten die Verbraucher von Kohle und Öl viel Geld für die Umsiedlung von Holland, Bangladesch und New York zur Seite legen. Seehr viel Geld.

Da würde man sehr schnell sehen, dass fossile Brennstoffe eigentlich sehr teuer sind und rasch einsparen und zu Alternativen wechseln.

nix fir unguad
01
3.12.2011, 22:57
Im Prinzip muss ich Ihnen recht geben

Aber nehmen wir mal denFall eines armen Landes. Zum Beispiel Zimbabwe
Die Bevölkerung ist zum Grossteil arm.Der Durchschnittsbürger braucht billige Elektrizität. Sonst würde noch der letzte Baum als Brennholz für kochen und heizen abgeholzt werden.Die gesundheitlichen Schäden wären wegen der noch höheren Luftverschmutzung in den Siedlungsgebieten weit höher als die die durch Erzeugung derElektrizität durch Kohlekraft anfällt
DieWasserkraft ist mit Kariba fast erschöpft,und eine Überschwemmung der Mana Pools amZambesi ist sicherlich nicht wünschenswert.
Aber dieElektrizität für dieRohstoffindustrie für dieExportwirtschaft könnte erheblich höher versteuert werden.
Die3.Welt braucht imBezug für den Energiebedarf eine 2-Klassen Gesellsellschaft

rowdy
11
3.12.2011, 21:13
'Ölstaaten wollen daraus Ausgleichsfinanzierungen, wenn ihre Öl-Produktion im Zuge von mehr Alternativenergien schrumpft'

Mehr muss man nicht wissen, um das Ganze als Kasperltheater zu erkennen. Kanada und die USA haben recht, hoffentlich zieht Europa nach.

Europa kann alleine nichts bewirken, der Rest der Welt ist nicht interessiert.

Der Kluge
23
3.12.2011, 20:51

USA, China sind sowieso nicht dabei. Aber Europa zerstört sich halt gerne selbst

flotter denker
22
3.12.2011, 20:47
Weg mit diesem Schwachsinn

Da wollen sich die Klimaschutzpfruendner gesundstossen.
Aber wenigstens Kanada und USA haben das durchschaut
und wies ausschaut hat Europa jetzt auch andere Sorgen.
Also Schluss mit dem Schwachsinn

riggo
10
3.12.2011, 17:23
also, ich finde

wir sollten den schulkindern frei geben und mit büchsen in den fussgängerzonen sammeln lassen! Da hamma schnell ein paar millionen zusammen!

2010sdafrika
00
3.12.2011, 11:25
Neuer Klimagipfel, altes Ergebnis

Die südafrikanische Regierung ist kein Vorbild bei der Bekämpfung des Klimawandels, da die Regierung vor allem auf Kohle setzt. Dementsprechend steht der diesjährige Klimagipfel ebenfalls unter nicht so ganz günstigen Vorzeichen: http://wp.me/pNjq9-2F.

nix fir unguad
11
3.12.2011, 19:02
Und wie soll sonst Südafrika all die Energie produzieren?

Südafrika wollte den Kugelhaufenreaktor weiterentwickeln und eine ganze Flotte davon einsetzen. Wurde aber aufgegeben, wahrscheinlich weil die Chinesen Sie in der Entwicklung überhohlt haben. Jetzt werden bald konvebtionelle AKWs ausgeschrieben. Über 20% des Stromes sollen künftig durch Nukleartechnik erzeugt werden. Das ist doch ein guter Fortschritt.
Südafrika hat auch einen Plan für Erneuerbare Energien. Die Implementierung hängt hauptsächlich davon ab ob Europa sich an den Kosten durch den Clean Development Mechanism beteiligt. Wenn Europa den Chinesen ihre Windräder finanziert, dann warum auch nicht Südafrika? Selber können sie die nicht bezahlen.

aleph null
24
3.12.2011, 01:52
100 Milliarden Dollar?

Kein Problem!

Wir sind umweltbewusst und im Ökoschlaraffenland wächst das Geld nachhaltig auf Bäumen.

Die Schwarzmaler, die lächerliche 100 Milliarden als Problem hinstellen, sind doch alle von der Erdöl- und Kohlelobby gekauft.

M21
00
3.12.2011, 22:19
2796 Millarden $

für die Super-Neoliberalen-Welt-mach-dann-doch-für-1-1/2-jahre-mal-auf-sozi-und-dann-wieder-weiter-auf-neoliberal konnten die Regierungen global 2796 Mill.$ aufbringen, davon ~1700 Mill. im Zeitraum 2008-2010.
Anscheint wächst Geld tatsächlich auf Bäumen, zumindest wenns die Wirtschaftsliberalen brauchen.

Global 100 Mill. in 10 jahren ist nicht viel Geld.

noldman
11
4.12.2011, 10:55
@M21:

Sieh es ein Europa ist Pleite. Wir haben das Geld gar nicht.

Dazu kommt, warum sollen wir für die Umweltverschmutzung in Brasilien, Indien oder China bezahlen?!? Das sind die größten Umweltverschmutzer, dann sollen auch die dafür bezahlen.

Erklären sie mir mal, wieso wir bei uns Fabriken schließen sollen und die dann in diesen Ländern weiterproduzieren, nur mit niedrigeren Umweltauflagen?!?
Wer hat was davon wenn die Voest bei uns zusperrt und in Indien wieder aufmacht, sich dort aber dann nicht mehr an Umweltauflagen halten muss?!?

Denn genau darum gehts bei diesen Verhandlungen. Um die Verlagerung des bißchen Industrie die wir noch haben.

greenling
00
4.12.2011, 17:25
Hallo???

Warum verschmutzen Brasilien, Indien und China ihre Umwelt?

Weil wir sie dafür bezahlen!

Wem bringt der abgeholzte Regenwald etwas? Brasilien?
Wer lässt in China alles produzieren, weil er sich dort nicht um Umweltauflagen kümmern muss?

Uniquin
 
00
4.12.2011, 18:49

die beschwerden der chinese bei uns über deren arbeitsplätze habe ich noch nicht gehört.

aleph null
01
4.12.2011, 05:14
Erstens einmal bin ich nicht dafür,

wenn man schon den Einen das Geld hinterher geschmissen hat, dass man das bei den Anderen auch tut.

Und zweitens, was die 2796 Milliarden $ betrifft: die fehlen uns eben jetzt und merken tut man das an einer gesteigerten Inflation, erhöhten Arbeitslosigkeit, sinkender Wirtschaftsleistung und zunehmender Armut.

Apocalypse
00
3.12.2011, 01:38

Weltbankprojekte waren doch bisher immer der große Reibach und da wollen die Industrienationen nicht mitmachen? Solange es Regierungen und Machtkonzentration gibt, wird es wohl keine Lösungen für die Probleme in dieser Welt geben.

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