Von anonymen Kommentatoren von Internetportal - SEEMO verurteilte Drohungen
Slowenische Enthüllungsjournalisten Matej Surc und Blaz Zgaga, die eine Bücher-Trilogie "Im Namen des Staates" ("V imenu drzave") über ungeklärte Waffengeschäfte in Slowenien in den 1990er Jahren geschrieben haben, haben wegen Morddrohungen eine Polizeiuntersuchung verlangt, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA. Die Drohungen wurden von der in Wien ansässigen Südosteuropa-Medienorganisation (SEEMO) verurteilt.
Die Journalisten erhielten Morddrohungen von Lesern, die vor rund zwei Wochen einen Artikel im Nachrichtenportal www.politikis.si kommentiert haben. Die Kommentatoren riefen zur "Liquidation" und zum "Totschießen" der Autoren auf. "Diese Drohungen haben alle Grenzen der Vernunft überschritten", sagte Zgaga zur STA und betonte, dass auch Morddrohungen strafbar seien. Die slowenische Gesellschaft dürfe solches Verhalten nicht tolerieren, warnte der Journalist.
Die SEEMO, eine Partnerorganisation des Internationalen Presseinstituts (IPI), hat unterdessen die slowenische Polizei aufgefordert, die Verantwortliche für diese Drohungen zu finden. "Meinungsfreiheit kann nicht mit Morddrohungen existieren", betonte der SEEMO-Generalsekretär Oliver Vujovic in einer Aussendung. Er rief den Administrator des Webportals zur Einhaltung von internationalen Standards auf.
Kommentare gelöscht
Laut dem Chefredakteur des Nachrichtenportals, Dejan Kaloh, weise ein Disclaimer an der Internetseite darauf hin, dass jeder die Verantwortung dafür trägt, wenn er zu Hass, Gewalt und Intoleranz aufhetzt oder Drohungen macht. Alle beleidigende Kommentare und Drohungen werden beseitigt, wenn man sie zur ihrer Kenntnis bringe, fügte er hinzu. "Wenn Surc oder Zgaga mich kontaktiert hätten, hätte ich die Kommentare beseitigt", sagte Kaloh zur STA. Die Kommentare wurden am Donnerstag gelöscht, nachdem die Geschichte in die Medien gekommen war.
Politikis ist eine rechtsgerichtete Nachrichtenseite, die die Demokratische Partei (SDS) vom Oppositionsführer und wahrscheinlichsten Wahlsieger der Sonntagswahl Janez Jansa stark unterstützt. Kaloh schrieb außerdem ein Buch über die Patria-Korruptionsaffäre, in der Jansa als einer der Angeklagten derzeit im Strafprozess ist. Im Buch kritisiert er die Affäre als eine Hexenjagd, berichtet die STA. In den Büchern von Zgaga und Surc wird Jansa, der in 1990er Jahren Verteidigungsminister war, als einer der Hauptakteure der illegalen Waffengeschäfte genannt.
Der Chefredakteur von Politkis ist überzeugt, dass die beiden Journalisten nur "Publizität für ihre unernste 'Waffen'-Trilogie suchen, die von der Öffentlichkeit komplett übersehen wurde", schrieb das Nachrichtenportal. Die SEEMO und die Zentraleuropäischen Initiative (CEI) hatten im November Surc und Zgaga für ihre Enthüllungsarbeit in ihren Büchern einen Anerkennungspreis verliehen. (APA)