"Gefördert wird, was betrieblich verwertbar ist"

2. Dezember 2011, 17:01

Das neue Kursprogramm des Bfi Wien wurde präsentiert

Die wirtschaftlichen Herausforderungen werfen auch einen Schatten auf den Weiterbildungssektor. "Was nicht unmittelbar betrieblich verwertbar ist, wird von Unternehmen nicht gefördert", sagt Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des Bfi Wien, bei der Präsentation des neuen Kursprogramms. Bei berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten gebe es wenig finanzielle Unterstützung der Unternehmen. "Und wenn Mitarbeiter von ihrer Firma unterstützt werden, so sind das meist die ohnehin höher qualifizierten", ergänzt Valerie Höllinger, kaufmännische Geschäftsführerin des Bfi Wien.

Diese Einschätzung kann Susanna Kober bestätigen. Sie ist Lehrgangsleiterin der 2009 gegründeten Akademie für (angehende) Führungskräfte des Bfi Wien. Zwei Drittel der Teilnehmer würden den Lehrgang selbst finanzieren. "Die Angebote konzentrieren sich auf die Kernbereiche der Unternehmensführung", sagt Höllinger. Vermittelt werden diese durch Fachleute aus der Praxis. Neu im Programm sind der Lehrgang Produkt- und Innovationsmanagement for Professionals sowie der Diplomlehrgang Kommunikationsmanagement. Gemeinsam mit der Fachhochschule des Bfi wird der Masterlehrgang Marketing and Business Management angeboten.

Kurz und kompakt

Die berufsbegleitenden Lehrgänge starten jeweils im Herbst und sind mit Sommerbeginn zu Ende. Derzeit werde an der Konzeption von kurzen, dafür spezielleren Fachseminaren gearbeitet, verrät Kober. Weiters sei auch eine Sommerakademie, bei der Wissensvermittlung mit Sport kombiniert werden soll, in Planung. Nicht zuletzt durch den überschaubaren zeitlichen Rahmen sei das Interesse an der Akademie hoch, sagt Kober. "Die Teilnahme scheitert aber häufig an der Finanzierungsfrage", fügt sie an.

Daher empfiehlt Lackinger auch eine Art Weiterbildungsversicherung. Ähnlich der Arbeitslosenversicherung könne durch regelmäßige Einzahlungen auf ein Weiterbildungskonto Geld angespart werden. Dieses könnte dann für betriebliche und persönliche Bildungsinvestitionen herangenommen werden. "Wobei der gesellschaftliche Mehrwert einer solchen Maßnahme gewährleistet sein muss", fügt Lackinger an. Zwar begrüßen sowohl Lackinger als auch Höllinger die Verlängerung der Bildungskarenz plus, die den Weiterbildungsinteressierten durch die Arbeitslosenversicherung eine gewisse finanzielle Sicherheit ermöglicht. Doch auch hier fehle eine finanzielle Unterstützung für die tatsächliche Bildungsmaßnahme, kritisiert Lackinger.

Positiv sei auch der jüngste Beschluss der Bundesregierung, so Lackinger, wonach das Nachholen von Bildungsabschlüssen ab 2012 kostenlos möglich sein wird. "Das greift vor allem den Minderqualifizierten unter die Arme", so Lackinger.

In der Erwachsenenbildung jedenfalls sei die Nachfrage nach Angeboten im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung gestiegen. "Die Sinnfrage ist stark in den Mittelpunkt gerückt, dahinter steckt auch der Wunsch, den Job zu finden, der am besten zu einem passt", ergänzt Lackinger. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.12.2011)

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