Afghanistan-Experte

"Die ausländischen Truppen sind gescheitert"

Interview | Florian Gossy, 5. Dezember 2011, 06:18

Afghanistan-Experte Philipp Münch von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik erklärt, welche Fehler die internationalen Truppen beim Einsatz in Afghanistan gemacht haben.

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derStandard.at: Welche Fehler sind den internationalen Truppen in Afghanistan passiert?

Philipp Münch: Es war nicht klar, wo man hinwill - das ist das Hauptproblem. Es gibt kein gemeinsames Ziel, welches von allen Akteuren übereinstimmend verfolgt wird. Solange es kein Ziel gibt, kann man keinen Weg und keine Mittel definieren, die aber angebracht wären, um Ziele zu erreichen.

derStandard.at: Warum konnte das passieren?

Münch: Das Problem ist, dass viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen aufeinandertreffen. Die ISAF-Mission wird seit 2003 von der NATO geführt. Jedes Vorgehen muss im Nordatlantikrat abgestimmt werden, wo 28 Mitgliedsstaaten das gleiche Stimmengewicht haben. Entscheidungen müssen einstimmig gefällt werden. Es gibt eine Vielzahl von Interessen, die nur unter einen Hut gebracht werden können, wenn entweder Dinge ausgeklammert werden oder man Kompromisse schließt, wo aber viel verwässert wird. Das gleiche Problem existiert auf den nationalen Ebenen, wo Ministerien unterschiedliche Interessen haben. Ich glaube nicht, dass es realistisch ist, dass sich die involvierten Nationen auf genauere Zielvereinbarungen einigen können.

derStandard.at: Aber der Kommandeur der ISAF, General John R. Allen, sagte kürzlich, dass in Afghanistan endlich eine „Trendwende" geglückt sei. Vor allem in den Gebieten im Norden, wo die deutsche Bundeswehr aktiv ist, habe sich die Sicherheitslage positiv entwickelt.

Münch: Die Statistiken der ISAF muss man mit Vorsicht genießen. Es ist auch unklar, was Sicherheitslage überhaupt heißt - es gibt viele glaubhafte Meldungen, dass die Taliban in den nördlichen Gebieten einfach den Kopf unten halten, weil seit 2010 die Amerikaner dort verstärkt vorgehen. Es ist möglich, dass sie wieder verstärkt operieren werden, wenn die ausländischen Truppen abziehen.

derStandard.at: Ist der Afghanistan-Einsatz also gescheitert?

Münch: Wie kann man sagen, dass etwas gescheitert ist, wenn es von Anfang an kein Ziel gab? Wenn man das aber abstrahiert kann man auf jeden Fall sagen, dass die ausländischen Truppen gescheitert sind. Die hochtrabenden Absichten, zum Beispiel einen Rechtsstaat nach westlichem Vorbild zu errichten, wurden nicht erreicht. Was aber gelungen ist, ist offene Kämpfe großen Ausmaßes wie in den 1990er Jahren zwischen Mujaheddin-Gruppen zu unterbinden.

derStandard.at: Was ist von der Afghanistan-Konferenz in Bonn zu erwarten?

Münch: Das ist schwer zu sagen. Die wesentlichen Entscheidungen wurden - wie das bei großen Konferenzen so üblich ist - bereits vorher getroffen. Alle wichtigen großen Länder haben sich dazu entschieden, den Wiederaufbau des Landes auch nach 2014, wenn die internationalen Truppen abziehen sollen, zu unterstützen. (flog, derStandard.at, 5.12.2011)

Zur Person: Philipp Münch, M.A., M.P.S., arbeitet als Stipendiat in der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zum deutschen Afghanistan-Einsatz. Er hielt sich für Feldforschungen dieses Jahr zweimal in Afghanistan auf. Vor dem Studium war er knapp drei Jahre Offiziersanwärter der Bundeswehr. Für die SWP erstellte er zuletzte die Studie "Strategielos in Afghanistan - Die Operationsführung der Bundeswehr im Rahmen der International Security Assistance Force".

BärBruno2
10
6.12.2011, 20:27
Ich muß mein unteres post berichtigen

Merkel meinte heute frech man müsse die Zusammenarbeit auch nach dem Abzug auf lange Sicht beibehalten und die Streitkräfte ausbilden sowohl als auch bei der FÖRDERUNG der Rohstoffe helfen....da surrte es in meinem Kopf- Rohstoffe in Afghanistan? da war ich nach 1mal googeln schlauer- Dort wird 1 BILLIONkg Lithium vermutet das noch ungefördert ist- jetzt wird mir auch die Aussage des zurückgetreten BP H.Köhler klar was er meinte mit ökonomischen Interessen wahren,,wofür er mit Häme überzogen wurde und zurücktrat.Lithium ist ein seltenes Metall welches für Handy,PC,Auto,Flugzeugbau usw. und in der Elektronik unabdingbar ist.Jetzt ist die Katze ausm Sack-
warum die Deutschen denn so großartig Hilfe auf jahrzehnte versprechen.Ressourcenkrieg.

mml1
00
8.12.2011, 14:27
Das Lithium braucht kein Mensch; in China und den USA

und vielen anderen Ländern gibt es mehr als genug davon. Jedenfalls führt kein Mensch jahrelang einen extrem kostenintensiven Krieg deshalb. Das wäre wohl niemals wirtschaftlich vertretbar. Und dass dort ein Horrorregime herrscht(e) und der Terrorismus eben dort zuhause war und ist steht andererseits fest. Und im Übrigen gibt es in Ländern, in denen der Islam Bedeutung hat immer Gewalt und Brutalität. Wenn alle Stricke reissen bringen eben Schiiten Sunniten oder Wahabiten usw. sich gegenseitig um. Weil Allahu Akbar eben so barmherzig und fiedlich ist....

DieBo
20
6.12.2011, 09:32
Er steht ja nicht alleine da mit seiner Meinung. Mein Bekannter Baraki, selbst anwesend auf der Afghanistan Konferenz, sagte heute Morgen im Deutschlandradio, dass die Konferenz nur eine reine Show war, denn bereits in Lissabon vor einem Jahr

wurden die Verträge unterzeichnet die eben nicht einen Truppenabzug garantieren sondern es der USA ermöglicht sechs große militärische Stützpunkte inklusive Flughäfen, sowie 20 Kleinere im Land auf unbestimmte Zeit zu betreiben....

BärBruno2
00
6.12.2011, 20:48
@ DieBo

http://www.spiegel.de/politik/a... 62,00.html
Es gibt den "Hundezwinger" Bagram und wahrscheinlich noch viele andere. Wer glaubt der CIA liesse das Foltern sein ist ein Traumtänzer. In Zukunft wird auch Lybien im Namen der CIA foltern wenn sie "Verdächtige"
zugeteilt bekommen.Für die richtige Crew die das erledigt hat man schon vorgesorgt. Es ist wirklich schauerlich wie Clinton noch ironisch -dämonisch lachen kann über Ghadaffis Tod.
Man sollte sich auch an den Anfang des Kriegs erinnern als 100e Taliban auf dem Weg nach Bagram in Zügen erstickten.Das hatte Nazicharakter.Aber an Nazitum stört sich keine amerik.Regierung.Die machen dort Aufmärsche in SS-Uniformen und tragen Hakenkreuzfahnen.Alles schön erlaubt inck.KluKLuxClan

BärBruno2
20
5.12.2011, 21:01
Interessant- kein Ziel sagt der gute Mann

Was aber wollen die Deutschen und Amis dann überhaupt dort ?
In ihren Bunkern hocken und im Konvoi im Kreis fahren? Mehr tun sie ja auch nicht.
Der Westen lügt sich doch die Hosen voll, weil die gleichen Sprüche hörte man auch vor 10 Jahren auf einer Konferenz.
Angesichts daß nicht nur der IRAK sondern auch AFGH. mit US-Uranmunition verseucht ist und es mtwl. 1000e Mißgeburten gibt ist das Geheuchel gerade von Clinton und Merkel einfach ätzende Lügnerei.
Die TAP-pipeline wird nie gebaut werden , ansonsten ist in Afgh. ausser Opium und Kupfer nichts zu holen.Die Kupferschürfrechte haben die Chinesen.Scheinbar rechnet sich das Geschäft mit Heroin für die Besatzer. Wer glaubt die Afghanen geben auf dann soll die ISAF halt noch 20 Jahre bluten

Johann Hunger1
11
5.12.2011, 12:36
Wie oft muss ich es noch schreiben? Die usa ist gescheitert! Und zieht überal die Europäer mit der blöden NATO rein! Siehe Lybien, da nur Europäer, und es ist vorbei! Welchen Krieg hat die usa je gewonnen?

Alpendollar
02
5.12.2011, 09:01
Man kann Geisteshaltungen der Männer die massiv von der Unterdrückung der Frauen

profitieren nicht in 5 oder 10 Jahren ändern. Es fehlt der nötige Rückhalt von allen gesellschaftlichen männlichen Schichten in dem Land. Das kann so nicht funktionieren. Pflichtschule und Berufsausbildung bis 20 Jahre für Frauen damit Sie dem männlichen dominierten Denken überlegen werden können. Ansonsten ist das schwer zu knacken.

Erwin Wolfram
20
5.12.2011, 09:51
...

dort wo freiheit herrscht gibt es keine freiheit, denn freiheit herrscht nicht. im uebrigen ist es kriegspropaganda, dass die maenner die frauen unterdruecken, es waere vergleichsweise so wie wenn man sagt, dass die richter die rechtssuchenden ausnehmen und unterdruecken hier.

el Vasco
11
5.12.2011, 08:26

Wer aus der Geschichte nicht lernt ist selber schuld

Invasion Uk..........fail
Invasion RU..........fail
Invasion Merkel und Ihre Freunde ..........FAIL!!!!

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