Brasilien zerstört mit seinem neuen Forstgesetz den Amazonas-Regenwald
Franko Petri, WWF Österreich, 2. Dezember 2011, 13:24
foto: franko petri
"Coaland" Polen hat das "Fossil des Tages" für besonders schlechte Klimapolitik erhalten.
WWF-Klimaexperte Carlos Rittl: "Insgesamt sind 790.000 Quadratkilometer betroffen"
Nachdem Kanada wegen seines Austritts aus dem Kyoto-Protokoll und Polen ("Poland = Coaland") das "Fossil oft the Day" (das "Fossil des Tages" - ein Preis für besonders schlechte Klimapolitik) bekommen hat, ist nun Brasilien an der Reihe. Denn der ganze Tag gestern stand wegen Brasilien unter einem unheilvollen Zeichen.
Was ist passiert? Brasilien war ein Vorzeigestaat, was den Schutz der Regenwälder angeht. Zwischen 2006 und 2010 wurden 60.000 Quadratkilometer Wald neu geschützt. Das entspricht zwei Drittel der Fläche von ganz Österreich. Damit hat das Land verhindert, dass 2,2 Milliarden Tonnen CO2 in die Luft geblasen werden, wenn der Wald abgebrannt oder gerodet wird. Auf der Klimakonferenz in Cancun 2010 beteuerte Brasilien noch, wie wichtig der Waldschutz für das Land und für die Welt ist. Denn immerhin stammen 20 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Abholzung unserer Wälder. Das brasilianische Forstgesetz hat sich sehr bewährt und die Entwaldungsquoten sind zurück gegangen. Das bisherige Forstgesetz schreibt vor, dass auf Land im Amazonaswald nur 20 Prozent gerodet werden darf. 80 Prozent müssen erhalten bleiben.
Leider ging den Großgrundbesitzern - dabei vor allem den reichen Viehbaronen - dieser Schutz zu weit. Sie brauchen Land für ihre gewaltigen Vieherden, für Anbauflächen und vor allem auch für die Holzindustrie. Das sind die Faktoren, die Wälder und damit unser Klima sterben lassen. Die reiche Elite Brasiliens machte heuer einen Vorstoß, das vorbildliche Forstgesetz zu ändern und brachte über ihre parlamentarischen Vertreter einen Gesetzesvorschlag ein, der alle Umweltschützer erschaudern ließ. Nach dem neuen Gesetz soll alles anders werden. Der totalen Entwaldung soll Tür und Tor geöffnet sein.
"Insgesamt sind 790.000 Quadratkilometer betroffen", wie Carlos Rittl, der Klimaexperte von WWF Brasilien, warnt. Das entspricht einer Fläche, die so groß ist wie Frankreich und England zusammen genommen. Wenn das neue Gesetz durchgeht, werden bis zu 29 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen. Illegal gerodete Flächen werden so legalisiert und müssen auch nicht mehr neu aufgeforstet werden. Waldzerstörung wird nicht mehr bestraft, sondern belohnt. Es geht dabei nur um kurzfristige Profite der Konzerne. Denn ohne Amazonasregenwald wird sich das Wetter auch in Brasilien massiv verändern. Nicht nur die Rechte der indigenen Amazonasvölker werden hier mit Füßen getreten, auch die Artenvielfalt geht verloren. Und letztendlich werden auch die Brasilianer darunter leiden, denn den Boden verliert seine Nährstoffe, die Austrocknung führt zu Ernteausfällen, der Ertrag in der Landwirtschaft ist massiv bedroht und der ganze Wasserkreislauf in Südamerika kommt völlig durcheinander. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Weltklima und den Wetterkreislauf.
Das neue Gesetz hat bereits die erste Kammer des brasilianischen Parlaments passiert und wird nun im Senat besprochen. Letztendlich kann nur mehr die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff mit einem Veto die Zerstörung des Amazonaswaldes verhindern. Die Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten haben sich nun auf die Verhinderung dieses Gesetzes eingeschworen. Denn was in Brasilien passiert, betrifft auch die Welt. Es erscheint verrückt, dass ein Land so viel Macht hat, um den ganzen Planeten in Schwierigkeiten zu bringen. Aber das ist die Welt, in der wir leben. Der WWF wird mit seinen Partnern alles tun, um diesen Gesetzesvorschlag zu Fall zu bringen.
Über Verdauung und Afterreinigung darf in D nicht gesprochen werden. Es geht gegen die Kultur.
Kulturelle Gründe: Man sagt „Guten Appetit“ – aber selbst Menschen mit erheblichen Stuhlproblemen wünscht man keinen „Guten Schiss“.
Dass die Rodungen nicht nur den Rinderbaronen sondern auch dem Anbau von Getreide für den Treibstoff E 10 dienen, sollte klar sein.
Auch das der wohlbeleibte Sozialdemokrat Gabriel dafür eintritt, dass zigtausende Menschen verhungern werden, damit er sein Auto mit E 10 betanken kann, ist kulturell wohl unbedenklich.
Der Regenwald ist für die Biodiversität unheimlich wichtig
EineZerstörung desRegenwaldes wird unabschätzbareFolgen auf dasKlima bewirken,selbst wenn man den CO2Ausstoss NICHT berücksichtigt.
DieErnährung der steigendenWeltbevölkerung kann nur durch zusätzliche Landbaugebiete oder/und Ertragserhöhung sichergestellt werden.Zusätzlich ist natürlich dieRate von verdorbenen Nahrungsmittel zu reduzieren.
DieErtragserhöhung ist nur mit besseren Bewässerungsmethoden,Gentechnologie&verbesserterDüngung erzielbar.
Wenn wir aber Analogkäse aus Palmöl, Gentechnologie&Kunstdünger aus eco-religiösen Gründen ablehnen wächst der Druck auf die Brasilianischen Farmer Soya zurFütterung der Milchkühe zu produzieren und dadurch derDruck zur Rodung des Amazonas.
Mit Heumilchkühen alleine lässt sich dieWelt nicht ernähren
"eco-religiös" - das Wort habe ich noch nie gehört, aber es gefällt mir nicht, weil es ein diffamierender Ausdruck für unliebsame Naturschutzanliegen zu sein scheint. Man sollte Argumente für sich sprechen lassen können, anstatt zu solchen sprachlichen Mitteln zu greifen.
Der Artikel gehörte eigentlich auf die Politik-Seite und nicht bloss versteckt irgendwo hinten in den Wissenschaftsseiten. Aber offenbar ist das der nachgeordnete Stellenwert, den man den Umweltschutzthemen in den Medien einräumt. Wirtschaftskrise und Europrobleme ganz vorne, die aktuelle globale Naturzerstörung irgendwo ganz hinten verschämt zwischen den Funden paläontologischer Tiger und Mammutjungen. Dass der Artikel freilich redaktionell etwas verbessert gehörte, stimmt auch, besonders der kämpferische Aufruf am Schluss liest sich eher etwas peinlich und trägt zur Information eigentlich nicht sehr viel bei.
Darf eigentlich jetzt jeder Teenager seinen Schulaufsatz zu "Wie arg die Welt ist" im Standard abdrucken lassen?
Eine ernst gemeinte Frage: Gibt es im Standard noch eine Redaktion? Hat das jemand vom Standard durchgelesen und abgesegnet? Oder ist das eine freie WWF Werbefläche?
"Das sind die Faktoren, die Wälder und damit unser Klima sterben lassen."
Wenn ich das in Southpark höre finde ich den Witz zu derb.
Kann man, wenn über ein Gesetz geschrieben wird neben dem alles-Wahnsinn-Großgrundbesitzer-schnelle-Profite-Klima-sterben auch mal einen Satz zum tatsächlichen Inhalt dieses Gesetzes schreiben.
Wir Menschen werden uns aus Gier noch selbst ausrotten.
So dumm wie wir, unseren eigenen Lebensraum nachhaltig zu zerstören sind sonst nur Krebszellen.
Hoffentlich wird das neue Gesetz verhindert. Diese Superreichen müssen wirklich eine abscheuliche Kaste sein, die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur nur materiellen Gewinn und Machtzuwachs im Auge hat. Nicht genug bekommen können ist auch eine Krankheit.
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