Islamisten räumen in erster Runde über 70 Prozent ab

2. Dezember 2011, 18:08

Kundgebungen für und gegen den Militärrat in Kairo

Kairo - Die Erfolge der islamistischen Parteien bei der ersten Runde der Parlamentswahlen in Ägypten fallen noch höher aus als erwartet. Die Partei der Muslimbruderschaft rechnete nach eigener Darstellung mit etwa 43 Prozent der Stimmen. Die ultrareligiöse Salafisten-Partei Nur (Licht) käme demnach auf 30 Prozent. Der liberale Ägyptische Block kommt nach eigenen Berechnungen auf etwa ein Viertel der Stimmen. Der mehrstufige Wahlprozess ist erst im Jänner abgeschlossen.

Als erste Reaktion hat die Muslimbrüder-Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" (FJP) Anspruch auf die Regierungsbildung erhoben. Später relativierte sie diese Forderung als "verfrüht" . Noch hat Ägypten keine Verfassung, in der vorgesehen ist, dass das Parlament die Regierung bildet.

Trotz der Niederlage der Revolutionsgruppen haben sich in Kairo erneut Jugendliche zum Protest gegen die Herrschaft des Militärs versammelt. Auf dem Tahrir-Platz forderten sie den sofortigen Rücktritt des von Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi angeführten Obersten Militärrats (Scaf). Am Abbassiya-Platz kam es aber auch zu einer Kundgebung von Scaf-Anhängern. Ihr Zorn richtete sich unter anderem gegen Mohamed ElBaradei, der den Militärrat scharf kritisiert.

Revolutionäre Proteste

Trotz mangelnder Unterstützung in der breiten Bevölkerung kündigte die Jugendbewegung "6. April" eine neue Phase von Massenprotesten an. Mit Sitzblockaden im ganzen Land soll der Militärrat gezwungen werden, die Macht an eine zivile Regierung abzugeben. Oppositionsgruppen halten seit eineinhalb Wochen den Tahrir-Platz besetzt. Sie werden immer wieder angegriffen. Laut ägyptischen Medien wurde die Zahl der bei den Auseinandersetzungen Getöteten auf über hundert korrigiert. (Reuters, guha/DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2011)

Kommentar posten
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klaus dona
01
4.12.2011, 16:06
also geht doch

wieso gibt es die wörter Christianist und Jüdist nicht?

Affe&Affe
13
3.12.2011, 20:26
Dass diese ganzen arabischen Frühlinge für die Fische sein werden, hat man spätestens jetzt schwarz auf weiß.

armin delmenhorst
 
13
3.12.2011, 17:54
Entmutigend

dieses Ergebnis. Der religiöse Pöbel, der mehr oder minder nichts zum Sturz beitrug, wird jetzt belohnt.

Toni Gruber
61
3.12.2011, 17:26
Beiträge

Die israelische Besatzungspolitik und die ständigen Drohungen gegen Iran trugen zweifellos das ihrige dazu bei.

Dark Angel
 
00
13.12.2011, 10:37
Nein, definitv nicht

die Dynamik in Ägypten hat nichts mit Israel zu tun, das ist eine interne Geschichte. Es war allen Beobachtern in Ägypten klar, dass eine verfrühte Wahl nur die MB und ihre Ableger bevorzugen würde, da sie die einzige vernünftige Organisation haben. Alle anderen Parteien sind entweder noch zu neu (dennoch 25% der Stimmen, beachtlich) oder zu zerstritten oder im Ruf der Paktierung mit der NDP (El-Wafd z.B.).
Somit ist das Ergebnis nicht alleine Sittenbild der ägyptischen Gesellschaft oder Wahlbetrug, sondern vor allem der Sieg einer etablierten Partei, die über massive Geldmittel verfügt. Ich bin der Meinung, dass es ein Abkommen zwischen Militärjunta und MB gibt.

Timagoras
 
11
4.12.2011, 10:32
"die ständigen Drohungen gegen Iran trugen zweifellos das ihrige dazu bei."

.
stimmt!
die blaunen in Österreich legen auch nur wegen der ständigen drohungen gegen nordkorea von wahl zu wahl zu.
nicht wahr?

Meklon von Andromeda
 
01
3.12.2011, 17:17

Jetzt zu weinen, dass sich so viele Ägypter - und in vielen anderen arabischen Staaten wird das nicht anders sein - zu einer Gesellschaftsform bekennen, in der der Islam eine beherrschende Rolle einnimmt, verwundert kaum.

Welche Alternativen wurden ihnen denn vorgestellt? In den letzten Jahren haben doch die westlichen Demokratieen fast ausschließlich durch Kriege und Krisen "geglänzt". Der Kommunismus ist so gut wie tot und von Königen haben die Leute auch die Nase voll.

Es ist ein schweres Versäumnis des Westens, dass die Demokratie in keinster Weise im positiven Sinn weiterentwickelt wurde. Stattdessen fand ein massiver Degenerationsprozess kapitalistischen Ursprungs statt.

Kein Wunder, dass die Ägypter Zuflucht im Islam suchen.

an kog
11
3.12.2011, 18:53

Ich bin ja wirklich froh erklärt zu bekommen, dass "der Westen" natürlich jetzt auch daran ursächlich schuld ist, wenn in einem muslimischen Land konservative und ultrareaktionäre Muslime gewählt werden...

Meklon von Andromeda
 
00
4.12.2011, 01:37

Von Schuld war nicht die Rede, aber das ist wohl ein natürlicher Reflex des Selbstschutzes, nach Schuldigen zu suchen, wenn etwas in die Hose gegangen ist.
Logischer wäre allerdings, die Realität zu akzeptieren nach Lösungen zu suchen.

Halbmond
01
3.12.2011, 20:36

Was will der Westen überhaupt ?

A ein land ohne Diktatur(Mubarak)
B ein land mit halbwegs Demokratischen strukturen ?

Timagoras
 
11
3.12.2011, 20:49
"Was will der Westen überhaupt ? "

.
wenn's "DEN westen" gibt, dann gibt's auch "DEN islam".
und wenn's (nach Ihrer meinung) "den westen" wirklich gibt, dann will "er" vermutlich genau das, was Sie oben angeführt haben.

und weiter?

Timagoras
 
11
3.12.2011, 17:05

als während des "arabischen frühlings" etliche junge Tahirplatz-demonstranten interviewt wurden, war die einhellige forderung: "mehr demokratie!".
und ebenso einhellig war die auffassung dass demokratie auf keinen fall so weit gehen dürfe, dass laizismus die oberhand gewönne, oder dass gar eine frau staatsoberhaupt oder regierungschef würde. und diese jungen demonstranten wurden überall frohgemut als hoffnungsträger einer zukünftigen aufgeklärten gesellschaft gefeiert.
aber aufgrund der aussagen dieser leute war mir damals schon klar, dass das frommes wunschdenken ist.

Halbmond
00
3.12.2011, 17:57

Ich wünsche mir auch ein Europa ohne Rassismus....ist auch ein wunsch denken!

Timagoras
 
11
3.12.2011, 20:13
"Ich wünsche mir auch ein Europa ohne Rassismus....ist auch ein wunsch denken!"

.
und ich wünsche mir religionen (wenn sie denn anscheinend sein müssen) ohne homophobie, patriarchalismus und sexismus .. ist auch ein wunschdenken.
und hat mit dem thema (islamismus in Ägypten) mehr zu tun, als Ihr einwurf.

Dark Angel
 
00
13.12.2011, 10:41

Die demokratische Entwicklung in Ägypten ist noch immer massiv gestört. Erstens durch die verfrühten Wahlen, die die MB bevorzugen, was auf ein Abkommen zwischen MB und Militärjunta hindeutet. Zweitens durch die Macht, die immer noch bei der Junta zentriert ist und Drittens durch die Einsetzung einer Zwischenregierung, die wieder aus den alten Eliten des Mubarak-Regimes besteht.
Ich glaube fest daran, dass die Ägypter, wie jedes andere Volk auf dieser Welt auch, durch echte demokratische Strukturen auch zu einer Selbsbestimmung und somit zu einer Weiterentwicklung kommen können.
Alles andere wäre doch Rassismus, finden Sie nicht?

Linus Tintifax
30
3.12.2011, 17:00
kleine verschwörungstheorie

rihad hat jahrelang islamistische gruppierung von tunesien bis syrien großzügig gesponsert, damit diese vorort über starkes soziales und klerikales engagement das wohlwollen bzw. vertrauen der bevölkerungen erwerben konnten. gleichzeitig wurde stimmung gegen mit dem westen zum teil eng kooperierende regierungen gemacht bis schließlich die stimmung richtung revolte kippen konnte. die "rebellen" versorgte man anschließend mit reichlich waffen und geheimdienst-infos (GID gehört angeblich zu den besten) um den erfolg sicher zu stellen. warum? damit all diese länder nicht mehr an rihad vorbei geschäfte machen (können). und jetzt das beste: bezahlt wurde alles mit petro-dollars aus dem westen.

Chien de Pique
00
3.12.2011, 19:09
Klingt absolut nicht überzeugend. Die Saudis sind von den meisten dieser Revolten/Revolutionen

schwerstens geschockt und mit Recht in Angst, nicht umsonst bot man Ben Ali Zuflucht, obwohl ein Säkularen (Libyen, ein alter Rivale, und Syrien, Verbündeter des saudischen Erzfeindes Iran, sind ein Sonderfall, aber prinzipiell hält man nichts von den Prinzipien Revolution und Volkssouveränität) - namentlich Bahrain und Jemen waren für die saudischen Strategen eine Katastrophe, das Verhältnis zur Muslimbruderschaft ist auch gar nicht gut und die Vorstellungen kaum vereinbar; die Saudis sind ja auch ein Verbündeter des Westens. Diverse Fundamentalisten unterstützen sie, wie Sie sagen, leider mit westlichen Petro-Dollars, um ihre Legitimation zu erhalten, aus Angst vor dem eigenen Sturz und teilweise sicher auch aus genuiner Überzeugung.

Timagoras
 
00
3.12.2011, 20:15
"Klingt absolut nicht überzeugend"

.
der vorposter hat seine phantasien in der einleitung ganz klar als "verschwörungstheorie" deklariert.

so gesehen ... ;o)

1,3,7-Trimethylxanthin
02
3.12.2011, 16:31
Jaja...

Es lebe die Demokratie, die Menschen- und die Frauenrechte.

Und nicht vergessen:
Also man hier noch vor einigen Wochen gesagt hat, das bringt die Islamisten, wurde als Islamophobiker bezeichnet.
(Bis man dann plötzlich entdeckt hat, dass die Islamismus eigentlich total demokratisch und gut ist. Orwell, schau owa!)

Vera Rschung
 
01
3.12.2011, 16:29
Bislang wurde nur in liberalen Landesteilen gewählt!

"Nach den Wahlen in Kairo, Alexandria und sieben ländlichen, eher liberal geprägten Provinzen..."

Die wirklich konservativen und noch mehr islamistischen Provinzen, sind noch an der Reihe. Über Ägypten legt sich ein schwarzer Schatten.

ChrisP82
15
3.12.2011, 16:19
82% der Ägypter für Steinigen von Ehebrecherinnen

84% für die Todesstrafe bei Abfall von Islam
Pew Research Umfrage im Jahr 2010
http://www.pewglobal.org/2010/12/0... hezbollah/

Ist das nun der moderate Islamismus von dem derStandard gerne im Zusammenhang mit Muslimbrüder und co schreibt?

kasnudl.wordpress.com

klaus dona
00
4.12.2011, 10:13
Eine Wordpress-Umfrage

Wahrheit111
01
3.12.2011, 16:18
Die Ägypter haben das Recht zu mehr als 70% ...

islamistische Parteien zu wählen, ich habe aber auch das Recht mit meinen Gebühren an den ORF nicht länger mit dieser infamen Demokratie-Gefasel-Berichterstattung verars... zu werden!

palmström
10
3.12.2011, 15:14
na was für eine überraschung

bravo arabischer "frühling"

eher eine gegenreformation wies aussieht

Ernst Guevara
32
3.12.2011, 14:22
abseits des belanglosen blablas hier im forum von wegen "ägypten wird jetzt ein neuer iran" gibt es auch informationen, die wirklich an aufklärung über die zustände in ägypten ein interesse haben

zb dieser artikel: http://www.zcommunications.org/elections... ham-sallam
die thesen lauten wie folgt:
* im heutigen ägypten stehen sich im wesentlichen zwei perspektiven gegenüber, die sich ausschliessen: das militär behauptet, die revolution sei abgeschlossen und nur die armee könne für eine neue ordnung sorgen. daher müssten die proteste aufhören und alle zur tagesordnung übergehen. dem steht die sichtweise der protestbewegung entgegen, die es bezweifelt, dass die armee ein interesse an revolutionären veränderungen und demokratie habe. in dieser perspektive ist die revolution unvollendet und muss daher weiter druck auf die militärdiktatur durch proteste ausgeübt werden.
* die revolte anfang des jahres ...

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