Sanktionen

"Keine Firma hat Interesse an Waffengeschäften mit Iran"

Interview | Berthold Eder, 2. Dezember 2011, 14:01

Wirtschaftsdelegierter Michael Friedl über die Auswirkungen der neuen Sanktionen

Am Donnerstag haben EU und USA neue Sanktionen gegen den Iran erlassen. Von einem Öl-Embargo sahen die EU-Außenminister ab. derStandard.at erreichte Michael Friedl, Österreichs Wirtschaftsdelegierten in Teheran, und erkundigte sich, was die neuen Senktionen für Österreich bedeuten.

***

derStandard.at: Was bedeuten die neuen EU-Sanktionen für Österreichs Wirtschaftsbeziehungen zum Iran?

Michael Friedl: Ich habe die heute Morgen veröffentlichte Liste erst kurz überflogen, auf den ersten Blick sink keine österreichischen Firmen betroffen

derStandard.at: Wäre es heutzutage denkbar, dass die Firma Steyr-Mannlicher wie 2005 Scharfschützengewehre in den Iran exportiert? Mehrere österreichische Politiker haben dieses Vorgehen damals verteidigt ...

Friedl:Ich gehe davon aus, dass sich alle österreichischen Firmen an die Sanktionen und das Kriegsmaterialausfuhrgesetz halten, im Jahr 2011 gibt es ganz klare Vorgaben, was exportiert werden darf.

derStandard.at: Damals bewilligte das Innenministerium den Export, weil die Waffen offiziell „zur Bekämpfung der Drogenkriminalität sowie zur Sicherung der Grenzen des Iran“ bestimmt waren …

Friedl: Meines Wissens fallen auch Waffen für die Polizei unter die Sanktionen. Mir ist auch keine Firma bekannt, die Interesse hätte, im Waffenbereich etwas mit dem Iran zu tun.

derStandard.at: Erwarten Sie einen weiteren Anstieg des Ölpreises?

Friedl:Das ist durchaus möglich. Durch den stetigen Preisanstieg haben sich Irans Öleinnahmen bereits beträchtlich erhöht (seit 2009 von 73 auf 96 Milliarden Dollar, Anm.)

derStandard.at: Wie werden sich die Sanktionen Ihrer Meinung nach auf Irans Ölexporte auswirken? In Europa sind Italien, Spanien und Griechenland die größten Abnehmer, der Großteil geht allerdings nach Asien.

Friedl: Wenn es den EU-Staaten durch ein Embargo unmöglich gemacht würde, iranisches Öl zu beziehen, würde wohl einfach mehr Öl in den Osten exportiert.

derStandard.at: Die neuen EU-Sanktionen beziehen sich auch auf Irans Gasexporte. Es dürfen keine Ersatzeile für die Gasförderung mehr geliefert werden. Kann die iranische Industrie diese Komponenten selbst herstellen?

Friedl: Damit rechne ich nicht, solche Hochtechnologie-Bauteile können die Iraner nicht selbst produzieren. Bereits jetzt müssen sie Erdgas importieren, obwohl sie auf dem zweitgrößten Ölfeld der Welt sitzen.

derStandard.at: Zeigen die Sanktionen des Westens Auswirkungen auf Irans Ölexporte?

Friedl: Obwohl die jüngsten Sanktionen nicht direkt auf Irans Ölexporte abzielen, haben in den vergangenen Monaten manche Händler Ölimporte aus dem und Benzinexporte in den Iran eingestellt. Die Regierung in Teheran versucht, mit neuen Raffinerien selbst dringend benötigtes Benzin zu produzieren.

derStandard.at: Hat dieses Raffinerieprogramm den chronischen Benzinmangel, der 2007 zu Ausschreitungen führte, behoben?

Friedl: Eine leichte Entspannung ist festzustellen, Vor einem Jahr wurden ja die Subventionen abgeschafft, was zu einer Vervierfachung des Benzinpreises führte, der Gaspreis hat sich sogar verzehnfacht. Dadurch ist natürlich der Konsum gesunken, man überlegt sich jetzt zweimal, ob man Fahrten wirklich mit dem Auto erledigen muss.

Benzin, Diesel und Kerosin aus den eilig umgerüsteten petrochemischen Anlagen sind allerdings von schlechtester Qualität, was auch an der Luftverschmutzung in Teheran zu bemerken ist. Vor allem junge und sehr alte Menschen sind verstärkt von Lungenkrankheiten betroffen. Iran ist auch weiterhin von Benzinimporten abhängig. (derStandard.at/2.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 98
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psyck
00
5.12.2011, 18:32
das 2tgrößte ...

...ölvorkommen der welt und keine vernünftige technologie es zu fördern ... na nur zu gut, dass der iran ja ein weiterer schurkenstaat ist, den es den usa gilt zu befreien ähnlich afghanistan und dem irak.
das iranische volk soll es ihnen dann halt danken indem man den usa eben die förderung der ölvorkommen überlässt.
einbildung oder vielleicht doch ein funkten realität, das ist nun die frage ...

Jimmy_Ringo
01
4.12.2011, 18:32
die internationale Waffenmesse

bei der letzten, war Österreich mit über 40 Unternehmen dabei. Auch die Wirtschaftskammer war brav vertreten.

Wenn es ums Geld geht, vergessen die Österreicher auch ihre Verfassung :-)

Borg101 (Flip Mode)
00
4.12.2011, 20:07
Ja... 40 OFFIZIELLE ...

aber wie viele INOFFIZIELLE?

a wiener kind
01
3.12.2011, 14:16
...also mich hat keiner gefragt...

...tausche 5mio supersoaker gegen 1 atombombe....

Eckman
00
3.12.2011, 14:07
"Keine Firma hat Interesse an Waffengeschäften mit Iran"

Hier wird der eigene Interviewpartner entweder in der Headline oder im Artikel, je nachdem, falsch zitiert.

Schande über Eure Häupter!

Carlito336
02
3.12.2011, 13:57
Kein Interesse mit Waffengeschäften mit dem Iran

So lange die Geschäft mit den vielfach brutaleren und menschenverachtenderen Herrschaften wie den Saudis blühen, kann man gut und gern auf den Iran verzichten.
Zumindest solange wir von dort Öl kriegen.

peace & love
21
3.12.2011, 12:29
solche Hochtechnologie-Bauteile (für die erdgasförderung ..) können die Iraner nicht selbst produzieren'

ein argument, das die gesamten sanktionen als blanken schwachsinn entlarvt.

nukleartechnologie schaffen sie ja angeblich.

Magic Washroom
00
3.12.2011, 13:58

weil sie da auch viel geldmitteln reinstecken, hilfe aus pakistan und russland bekommen haben.

aber eben nicht bei anderen bereichen wo hochtechnologie notwendig ist. oder glauben sie ernsthaft, dass alles gleich ist?

diamant
00
3.12.2011, 12:46
Schon mal dran gedacht dass eine A-Bombe bauen 'einfacher' sein koennte als Erdgas auf wirtschaftliche Weise zu foerdern?

Die zivile Atomtechnik des Iran kommt ja schliesslich auch aus Russland, schon vergessen?

peace & love
21
3.12.2011, 12:58
dann werden ihnen die russen wohl auch ein paar ventile ...

... für ihr grosses erdgasfeld liefern, oder?

ChrisP82
13
3.12.2011, 11:50
merkwürdig, dass österreichische Medien totschweigen,

dass es gegen den ehemaligen Direktor des Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) Gert-Rene Polli, seit 2009 ein Ermittlungsverfahren der deutschen Bundesstaatsanwaltschaft gibt, aufgrund dringenden Tatverdachts der nachrichtendienstlichen Tätigkeit für den Iran und Geheimnisverrat, wie derSpiegel berichtet:
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 81,00.html

Das BVT empfahl im Übrigen damals auch die Waffenexporte in den Iran.
Einer der größten Skandale und keiner in Österreich -auch nicht derStandard - schreibt darüber.
*strange*
kasnudl.wordpress.com

Magic Washroom
00
3.12.2011, 12:14
und was war sein job nach dem bvt? richtig. sicherheitschef bei siemens! und wer hat beste geschäftskontakte in den iran? richtig. siemens! inzwischen ist er nicht mehr sicherheitschef, sondern verdient seine brötchen als lobbyist für den iran.

und er soll strenggeheime dokumente des bnd, die er als chef des bvt bekommen hat, an den iran weitergeben haben.

http://www.welt.de/politik/a... schad.html
http://www.focus.de/finanzen/... 51957.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaf... 3417/text/

polli hat, als er noch bvt-chef war, auch informationen zu exil-iranern an den iran gelieftert. der iranische geheimdienst ist bekannt nicht sehr ziemperlich mit exil-iraner umzugehen.

eine parlamentarische anfrage dazu: http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/... 65135.html

living reef
00
3.12.2011, 09:17
firmen nicht aber möglicherweise waffenhändler und lobbyisten

ein land kann noch so ein brutales regime haben - an waffen kommen sie oftmals nicht so schwer!

Javert
00
5.12.2011, 13:55

ja, in der schlimmsten zeit nach der revolution ließ khomeini sich von israel mit waffen beliefern

Georg Schütt
00
3.12.2011, 10:55
Es ist aber ein Unterschied, ob ich 20 Kalaschnikows brauche oder eine integrierte Flugabwehr.

Es reicht nicht, irgendwo eine Flak- oder FlaRak-Batterie zu postieren. Es reichen auch nicht, hundert Batterien bei einem Land wie dem Iran.

Es kommt auf viele Komponenten an:
- die möglichst flächendeckende, dabei überlappende Sicherung des Luftraumes (Im Iran nicht gegeben),
- den Schutz gegen Tiefflieger, den Schutz gegen Angriffe aus mittleren und großen Höhen (nur eingeschränkt gegeben)
- boden- und luftgestützte Abwehr (z.T. veraltet)
- zentralisierte, vernetzte Systeme (nur in Ansätzen vorhanden),
- Schutz gegen elektronische Störmaßnahmen (In dem Bereich macht den Israelis niemand etwas vor)

Wer sich informieren will, sollte die Luftkriege gegen den Irak studieren. Der Irak war völlig wehrlos - trotz tausender Fla-Waffen

hcl3
00
3.12.2011, 09:58

mal den globus betrachtet?
iran hat rohstoffe, energieresourccen und schwerindustrie ect.
man liefert knowhow, fertigungsanlagen und steuerungstechnik natürlich für zivile produkte
und stellt das ganze auf-
nach 10 d modifizierung haben sie dann eine feine moderne waffenschmiede vorort

Franz Schwingenschrot
00
3.12.2011, 07:32

Ah geh! Interesse wäre sicher vorhanden, aber auch die Angst vor etwaigen Konsequenzen. Außerdem steht da noch die Frage im Raum: Wie vertuscht man einen solchen Deal erfolgreich?
http://gedaunknsplitta.blog.de

Carlos Clementin
00
3.12.2011, 07:02

Was sind "Senktionen"... will man Österreich dann versenken? Wir sitzen auf einem sinkenden Schiff schon klar, aber schiesst der Iran dann mit Torpedos ??

Markus Miller 2
00
3.12.2011, 08:03
heisst eigentlich "Thanktionen"

Wie in Libyen....

klaus dona
31
3.12.2011, 06:37
die Waffen der US oder ISRAEL

haben einen Sperrcode, damit diese nicht gegen das eigene Land verwendet werden können. Somit unbrauchbar für die Iraner. In der Türkei haben drei junge Ingenieure den Code israelischer Kampfjets geknackt, und starben alle in kürzester Zeit auf ominöse Art und Weise.

http://www.youtube.com/watch?v=M... A9F939F202

Magic Washroom
10
3.12.2011, 14:04

ein türkische3r general gibt sich in verschwörungstheorien wieder... welch überraschung.

Doc Steel
00
3.12.2011, 05:57
papier ist geduldig

M. C. Escher
15
2.12.2011, 21:40
nun, der Mann mag wohl recht haben. Frankreich ist in dem Sinne keine Firma.

höchstens eine Zweigstelle der Hölle.

derrabe
32
2.12.2011, 21:09

westwaffen sind sowieso schei*e

an die russsische luftabwehr kommt sowieso kein westliches pendant an

http://de.wikipedia.org/wiki/S-400_Triumf

diamant
20
3.12.2011, 09:40
Die Flugabwehr hat ja auch schon ueber dem 'Altreich' seine grossartigen Faehigheiten bewiesen.....

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