Wirtschaftsdelegierter Michael Friedl über die Auswirkungen der neuen Sanktionen
Am Donnerstag haben EU und USA neue Sanktionen gegen den Iran erlassen. Von einem Öl-Embargo sahen die EU-Außenminister ab. derStandard.at erreichte Michael Friedl, Österreichs Wirtschaftsdelegierten in Teheran, und erkundigte sich, was die neuen Senktionen für Österreich bedeuten.
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derStandard.at: Was bedeuten die neuen EU-Sanktionen für Österreichs Wirtschaftsbeziehungen zum Iran?
Michael Friedl: Ich habe die heute Morgen veröffentlichte Liste erst kurz überflogen, auf den ersten Blick sink keine österreichischen Firmen betroffen
derStandard.at: Wäre es heutzutage denkbar, dass die Firma Steyr-Mannlicher wie 2005 Scharfschützengewehre in den Iran exportiert? Mehrere österreichische Politiker haben dieses Vorgehen damals verteidigt ...
Friedl:Ich gehe davon aus, dass sich alle österreichischen Firmen an die Sanktionen und das Kriegsmaterialausfuhrgesetz halten, im Jahr 2011 gibt es ganz klare Vorgaben, was exportiert werden darf.
derStandard.at: Damals bewilligte das Innenministerium den Export, weil die Waffen offiziell „zur Bekämpfung der Drogenkriminalität sowie zur Sicherung der Grenzen des Iran“ bestimmt waren …
Friedl: Meines Wissens fallen auch Waffen für die Polizei unter die Sanktionen. Mir ist auch keine Firma bekannt, die Interesse hätte, im Waffenbereich etwas mit dem Iran zu tun.
derStandard.at: Erwarten Sie einen weiteren Anstieg des Ölpreises?
Friedl:Das ist durchaus möglich. Durch den stetigen Preisanstieg haben sich Irans Öleinnahmen bereits beträchtlich erhöht (seit 2009 von 73 auf 96 Milliarden Dollar, Anm.)
derStandard.at: Wie werden sich die Sanktionen Ihrer Meinung nach auf Irans Ölexporte auswirken? In Europa sind Italien, Spanien und Griechenland die größten Abnehmer, der Großteil geht allerdings nach Asien.
Friedl: Wenn es den EU-Staaten durch ein Embargo unmöglich gemacht würde, iranisches Öl zu beziehen, würde wohl einfach mehr Öl in den Osten exportiert.
derStandard.at: Die neuen EU-Sanktionen beziehen sich auch auf Irans Gasexporte. Es dürfen keine Ersatzeile für die Gasförderung mehr geliefert werden. Kann die iranische Industrie diese Komponenten selbst herstellen?
Friedl: Damit rechne ich nicht, solche Hochtechnologie-Bauteile können die Iraner nicht selbst produzieren. Bereits jetzt müssen sie Erdgas importieren, obwohl sie auf dem zweitgrößten Ölfeld der Welt sitzen.
derStandard.at: Zeigen die Sanktionen des Westens Auswirkungen auf Irans Ölexporte?
Friedl: Obwohl die jüngsten Sanktionen nicht direkt auf Irans Ölexporte abzielen, haben in den vergangenen Monaten manche Händler Ölimporte aus dem und Benzinexporte in den Iran eingestellt.
Die Regierung in Teheran versucht, mit neuen Raffinerien selbst dringend benötigtes Benzin zu produzieren.
derStandard.at: Hat dieses Raffinerieprogramm den chronischen Benzinmangel, der 2007 zu Ausschreitungen führte, behoben?
Friedl: Eine leichte Entspannung ist festzustellen, Vor einem Jahr wurden ja die Subventionen abgeschafft, was zu einer Vervierfachung des Benzinpreises führte, der Gaspreis hat sich sogar verzehnfacht. Dadurch ist natürlich der Konsum gesunken, man überlegt sich jetzt zweimal, ob man Fahrten wirklich mit dem Auto erledigen muss.
Benzin, Diesel und Kerosin aus den eilig umgerüsteten petrochemischen Anlagen sind allerdings von schlechtester Qualität, was auch an der Luftverschmutzung in Teheran zu bemerken ist. Vor allem junge und sehr alte Menschen sind verstärkt von Lungenkrankheiten betroffen. Iran ist auch weiterhin von Benzinimporten abhängig. (derStandard.at/2.12.2011)