Wien - Der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV plant bis
2013 zwei Schiefergas-Erkundungsbohrungen bei Poysdorf in Niederösterreich (NÖ),
würde diesen Rohstoff aber nur auf eine ökologisch vertretbare Weise fördern:
"Wir wollen in Österreich den Weg eines clean Shale Gas gehen." Dies bekräftigte
OMV-Chef Gerhard Roiss am Freitag vor Journalisten. Die Investition dafür würde
sich auf 130 Mio. Euro belaufen, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dieses Gas auch
fördern zu können, bei lediglich 20 Prozent liege.
Für die geplante Nabucco-Pipeline, die Erdgas aus dem Kaspischen Raum nach
Europa bringen soll, hält Roiss eine Richtungsentscheidung bis Sommer für
möglich. "Wenn im ersten Halbjahr 2012 eine Entscheidung fällt, in welche
Richtung es geht, dann sind wir weit." Bei dem Mega-Projekt sei "Geduld und
Breite im Denken" nötig, das Thema werde auch in vielen internationalen
Metropolen mitentschieden, bis hin nach Moskau und Washington. Zunächst sei für
den Zeitplan das Konsortium des Aserbaidschan-Gasfeldes Shah Deniz (Schah-Deniz)
ausschlaggebend. Die OMV sei "an jeder Pipeline sehr interessiert, die in
Baumgarten einmündet", beim OMV-Gasknoten, betonte Roiss. Es gehe um die
Einbindung der zweitgrößten Erdgasregion ins europäische Netz. Trotz des
heutigen Überangebots werde Erdgas 2020 short sein.
Libyen
In Libyen hat die OMV-Förderung derzeit wieder ein Volumen von 17.000 Barrel
pro Tag erreicht, 50 Prozent des Vorkriegs-Niveaus, sagte Roiss. Es werde noch
12 bis 15 Monate dauern, bis man wieder bei 100 Prozent stehe. Vieles sei
zerstört, auch andere Produzenten in dem Land stünden vor dem Problem. Die
Sicherheitslage habe sich bereits verbessert, es seien aber noch weitere
Fortschritte nötig.
Zur Ölpreis-Entwicklung in naher Zukunft verwies der OMV-Chef auf ein neues
Szenario von voriger Woche, wonach bei 3 Prozent weltweitem Wirtschaftswachstum
schwarzes Gold 105 bis 110 Dollar pro Fass kosten könnte. Sinkt das Wachstum
aber auf 1,5 Prozent, könnte der Ölpreis bis auf 60 Dollar absacken. Bei
politischen Turbulenzen wäre aber auch ein Preis von bis zu 150 Dollar/Barrel
möglich, so Roiss.
Die Investitionen in Erneuerbare Energien will die OMV auf 50 Mio. Euro pro
Jahr verdoppeln, kündigte Roiss im Klub der Wirtschaftspublizisten an. Das gelte
für die nächsten fünf bis zehn Jahre und beziehe sich lediglich auf die
Forschungs-Investments, also noch ohne allfällige Akquisitionen. Investieren
werde man nur in Renewables der 2. Generation, nur dort gebe es den
Technologie-Content, den die OMV wolle. Zur Diskussion stehen Aktivitäten im
Bereich Wasserstoff-Brennstoffzellen oder auch Geothermie, in beiden Fällen geht
es um bis zu 10 Jahre Vorlaufzeit. Außerdem errichtet die OMV aktuell eine auf
Biomasse basierende Sprit-Pilotanlage in Schwechat, die im ersten Halbjahr 2012
eröffnet werden soll, auch hier dauert es mehrere Jahre bis zur Marktreife. (APA)