Toxoplasmose

Parasit aus dem Katzenklo

4. Dezember 2011, 17:13
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    foto: apa/focke strangmann

    Katzen als Krankheitsüberträger: Über ihren Kot werden die Eier des Toxoplasmose-Erregers übertragen. Sie überleben in feuchter Erde oder Sand 18 Monate.

Die gefürchtete Infektion wird häufiger durch Lebensmittel als durch Katzen übertragen

Schwangere sollen Katzen meiden, lautete Großmutters guter Rat, das Kind könnte sonst krank werden. Gemeint waren nicht schwarze Katzen, die den Weg der werdenden Mutter queren, sondern Miezen ganz allgemein. Hintergrund von Omas Sorge: Tiere können Krankheiten übertragen. Unter Generalverdacht steht die Hauskatze, seit der britische Biologe William M. Hutchison in den 1960er-Jahren die Übertragung des Toxoplasmose-Erregers Toxoplasma gondii durch Katzen nachwies.

Toxoplasmose gehört zu den häufigsten parasitären Erkrankungen weltweit. In der Regel verläuft die Infektion ohne Symptome, manchmal äußert sie sich in grippeartigen Zuständen. Wer mit dem Erreger in Kontakt kommt, entwickelt lebenslange Immunität. Gefährlich kann der Einzeller Menschen mit geschwächtem Immunsystem und ungeborenen Kindern werden. Kommt es zu einer Erstinfektion der Frau während der Schwangerschaft, sind in frühen Phasen Fehlgeburten möglich, in späteren Schwangerschaftsphasen besteht die Gefahr schwerer Augen- oder Hirnerkrankungen des Kindes.

Hauptinfektionsquelle in Österreich sei aber nicht die Katze, beruhigt Andrea-Romana Prusa, Oberärztin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien (Toxoplasmose- labor und Nachsorgeambulanz). Das Haustier müsse während der Schwangerschaft nicht ausquartiert werden. Allerdings sollten werdende Mütter das Katzenkisterl nicht selbst oder nur mit Handschuhen reinigen, weil sich bei zwei Prozent der Katzen Parasiteneier (Oozysten) im Kot befinden. Die Oozysten sind langlebig, in feuchter Erde oder im Sand überleben sie bis zu 18 Monate. Zur Vermehrung brauchen Toxoplasmen einen Wirt, der Mensch eignet sich dazu bestens.

Wesentlich häufiger als durch Katzen wird der Toxoplasmose-Erreger durch Nahrungsmittel übertragen. Rohes, schlampig oder gar nicht gewaschenes Gemüse und Obst sind ebenso häufige Infektionsquellen wie rohes oder schlecht durchgebratenes Fleisch. Einer Infektion beugt man am besten durch Sorgfalt bei der Essenszubereitung, Lebensmittellagerung und penibler Handhygiene vor. 70 Grad Hitze oder minus 20 Grad Abkühlung tötet Toxoplasmen.

Screening obligatorisch

Seit Bestehen des Mutter-Kind-Passes werden Schwangere auf Toxoplasmose-Antikörper getestet. Fällig ist die Untersuchung laut Muki-Pass bis zur 16. Schwangerschaftswoche. Die erste Blutuntersuchung sollte aber vor Beginn der neunten Schwangerschaftswoche erfolgen, sagt Andrea-Romana Prusa. Ist eine Frau nicht gegen Toxoplasmose immun, sollte im Acht-Wochen-Rhythmus nachkontrolliert werden, um früh genug eine Erstinfektion zu erkennen und mit Antibiotikatherapien beginnen zu können. "Leider wird diese Empfehlung nicht von allen Ärzten eingehalten", bedauert Prusa.

In Österreich kommt es jährlich zu 70 bis 90 Erstinfektionen in der Schwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf das Kind steigt mit dem Schwangerschaftsstadium. Gegen Ende liegt sie, sagt Prusa, bei 70 Prozent. Infizierte Kinder - pro Jahr kommen bis zu 15 zur Welt -, sind bei der Geburt unauffällig. Wird das Kind im ersten Lebensjahr nicht behandelt, können sich Spätfolgen wie Augenhintergrundentzündungen entwickeln, auch noch nach Jahren.

Während in Österreich flächendeckende Toxoplasmose-Untersuchungen seit 1974 obligatorisch sind und auch Frankreich Screenings vorschreibt, wird in Deutschland nur bei begründetem Verdacht auf eine Infektion untersucht. Keine Notwendigkeit zu Screenings sieht man auch in der Schweiz.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit ließ 2009 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus Gynäkologen, Infektiologen und Pädiatern Empfehlungen zum Umgang mit der Toxoplasmosegefahr in der Schwangerschaft erarbeiten. Quintessenz der Ärzte: Prävention durch Hygiene ist sinnvoller als Therapie. Peter Helbling vom Bundesamt für Gesundheit: "Die Angst, die man durch Screenings verursacht, steht in keinem Verhältnis zum Gewinn, den man allenfalls hätte." Die Häufigkeit der Infektionen sei in der Schweiz, seit man auf Screenings verzichte, nicht gestiegen. 2010 verzeichnete man mit zwei Fällen gleich viele wie in den Jahren zuvor.

Diskrepanz unter Forschern

Die Schweizer kritisieren die hohe Fehlerhäufigkeit der Tests zum Nachweis von Frischinfektionen und raten auch von einer Therapie während der Schwangerschaft ab. Ihre Begründung: Medikamente könnten weder die Übertragung noch Symptome beim Kind verhindern. Aus Wien kommt Widerspruch, Andrea-Romana Prusa: "Die Tests zu Beginn der Schwangerschaft sind sicher. Was die Therapie betrifft, beruft man sich in der Schweiz auf uralte Studien. Das österreichische Therapieschema hat einen Einfluss auf die Übertragung, und Studien zeigen auch den Einfluss auf die klinische Ausprägung bei Kindern mit angeborener Erkrankung." (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 05.12.2011)

Mit Zoonosen, Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können, befasst sich die Mini-Med-Vortragsreihe "Mini Med Tiere". Am 23. Jänner lautet das Thema: "Wie schütze ich meinen Hund / meine Katze zu Hause und auf Reisen?". 19.00 Uhr, Raiffeisen- forum, 1020 Wien.

Kommentar posten
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Illicit Trafficking Database
00
27.2.2012, 18:11
lautete Großmutters guter Rat...

Leider sind die Großmütter im aussterben begriffen und es kommen nur mehr verwirrte Hypochonder nach.
Eigentlich schade, denn es stirbt nicht nur der gute Rat, sondern auch alles was uns füher so gut schmeckte...Gansln mit Rotkraut und Gummihund....Wuchteln mit Ribislmarmelade....Marmeladen....Strudeln....Zwetschkenfleck....und tausend andere herrliche Gaumenfreuden.
Überlegt euch das mal in Ruhe.

Illicit Trafficking Database
00
27.2.2012, 17:42
DAS dient jetzt wieder dazu, dass einige verwirrte ihre Katze weggeben.

Danke! Solche Texte sind ungemein hilfreich.

tignosa
00
19.1.2012, 12:50
seeehr gefährlich ist auch Gartenarbeit und der Verzehr von rohem Gemüse und Obst

trotzdem wird immer nur vor Katzen "gewarnt"

Schwedenbåmbe
11
5.12.2011, 17:34

Hier in Schweden habe ich die Hebamme fast bedrohen muessen, weil die sich weigern wollten, einen Toxoplasmosetest bei mir zu machen. Nach mehreren Wortgefechten haben sie es dann doch gemacht mit dem Kommentar: und, der sagt eh nix aus.
Ich hab mich trotzdem sicherer gefuehlt, als ich wusste, dass ich positiv war.

ChesneyB
00
21.1.2012, 13:22

Wenn der Test positiv war, würd ich mir aber eher Sorgen machen...
Positiv heißt nämlich, das Sie das Zeugs haben.

Schwedenbåmbe
00
21.1.2012, 18:03

Sie haben echt keine Ahnung, oder?

Wenn Frau positiv ist, dann bedeutet das, dass sie die Infektion einmal durchgemacht hat und damit Antikörper gegen Toxoplasmose entwickelt hat. Das bedeutet wiederum, dass eine neuerliche Infektion vom Körper der Mutter abgewehrt wird und somit keine Auswirkungen auf den Fötus hat. Problematisch wirds, wenn man negativ ist und erstmals Kontakt mit dem Erreger während der Schwangerschaft hat. Das kann fuer den Fötus gefährlich werden.

Also: positiv=gut

Illicit Trafficking Database
00
27.2.2012, 17:40
Pfff....

Die meisten Mütter in der Schwangerschaft schaffen sich ja alle vorher ein Katze an, verstehe.
Die, die schon länger eine Katze haben, sind ja sowieso meistens immun, also was soll das jetzt?

sledgehammer44
00
5.12.2011, 14:58

das kann man testen lassen, lieber den rohschinken weglassen als die katze ärgern...

Der Große von Gegenüber
01
5.12.2011, 13:20

das heißt immer noch "Katzeklo" ...

snake
00
9.12.2011, 15:13

aber nur bei helge schneider.

ratzfatz
03
5.12.2011, 11:52
nachsatz, weils wieder nirgends steht

lt aussage eines tierarztes sind katzen "nur" überträger des erregers. der kommt in der natur vor allem bei ratten und mäuse vor => frißt eine katze keine mäuse (weil stubentieger) kann sie auch gar nix übertragen. außerdem braucht der erreger mind. 12 stunden im kot um aktiv zu werden.

=> hat man schon länger eine reine hauskatze und hat sich bis jetzt nicht mit dem erreger infiziert, braucht man auch keine panik vor der katze bekommen.

=> weitere risikominimierung ist es das klo öfter zu putzen. wobei ordentliches händewaschen nach dem katzenklo putzen ohnehin standard sein sollte auch ohne schwangerschaft - oder?

weitaus "geährlicher" als die eigene hauskatze ist daher die süße besucherkatze im garten. DAS sagt aber kein gyn dazu.

steter Topfen höhlt das Sein
03
5.12.2011, 11:36
das bild...

... soon

steter Topfen höhlt das Sein
00
7.12.2011, 23:39

endlich einer der mich versteht... Sie haben ihren doktor sicher in psychologie gemacht herr ecksau.

dr. ecksau
 
00
8.12.2011, 00:32

Nun, psychologische Mechanismen spielen bei so manchen Fachgebieten eine Rolle... ;-)

Tatsächlich habe ich bei dem Bild auch sofort "soon" gedacht und mich sehr gefreut, dass es auch anderen so geht.

Nerd Nr. 5
10
5.12.2011, 13:07

Serial kitty is comming for you

Geoffrey of Monmouth
14
5.12.2011, 11:26

Ich finde, dass das eine unnötige Panikmache ist und im Grunde nur zu Lasten der Tiere ausschlägt, denn an der "Unzahl" an Fällen wird sich kaum was ändern.

Einziges Ergebnis wird sein, dass wieder ein paar mehr Katzen wegen der bösen Toxoplamose im Tierheim landen.

Neuer Nick neues Glück
32
5.12.2011, 12:10

"Ich finde, dass das eine unnötige Panikmache ist und im Grunde nur zu Lasten der Tiere ausschlägt"

Das ist einfach nur eine Information.
Würdest du die Info unterschlagen, damit nur niemand die armen kleinen Schnurrlis bös anschaut?

Geoffrey of Monmouth
23
5.12.2011, 15:43

Wie sogar im Artikel erwähnt wird, ist die Katze in den wenigsten Fällen die Ursache für die Ansteckung. Aber Hauptsache einen reißerischen Titel (Der Parasit aus dem Katzenklo) geben, der dann bei den meisten Lesern als die einzige Info im Gedächtnis bleibt. Nix böses Schnurri anschaun, sondern schlicht und einfach miserabler Journalismus mit gezielter Lenkung darauf, dass Katzen als Krankheitsüberträger wahrgenommen werden.

Ist ja nicht so, dass die Tierheime im Dezember nicht ohnehin genug Neuzugang hätten.

Neuer Nick neues Glück
41
5.12.2011, 16:12

Öha!
Eine Verschwörung gegen die Katzen also.
Wer steckt dahinter?
Die Freimaurer? Ostküste? Bilderberger?

Geoffrey of Monmouth
02
5.12.2011, 17:16

Achja, was bleibt einem da zu sagen, als: Mit Ihnen zu diskutieren ist verschwendete Zeit.

wotan 1
103
4.12.2011, 21:27
Infizierte Kinder - pro Jahr kommen bis zu 15 zur Welt -, sind bei der Geburt unauffällig.

15.............wow.......IRRE!!

wieviel sind durch ungesundem lebenswandel (rauchen, bewegungsarmut, alk,...) betroffen?

wieviel durch volksverdummenden lebenswandel????

15 (bedauernswerte) menschen, das ist die messungenauigkeit bei tod durch salmonellen und grippe!

tja, es ist schwer sein tägliches zeilenpensum abzuliefern....lieber standard!

Flavius Claudius Iulianus
12
5.12.2011, 16:07
Machen Sie sich ruhig lustig drüber!

Bis Sie dann selbst eine Tochter mit einem lebensgefährlichen Geburtsdefekt haben, der ca. 20 mal im Jahr vorkommt.
Troll!

Neuer Nick neues Glück
19
5.12.2011, 12:11

Dass dir eine Krankheit, die primär das Gehirn angreift, keine Angst macht, ist nicht verwunderlich.

Mägd
03
5.12.2011, 08:38
Und?

Dann sind's halt "nur" 15 Kinder. 15 Kinder, die an Toxoplasmose erkranken, sind immer noch 15 zu viel.

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