Im Gegensatz zu den lästigen Keilern in der Ankunftshalle sind die registrierten Taxler am Wiener Airport gut versteckt
"Taxi. Mit Fixpreis", zischelt es links des Ausgangs. Von rechts raunt ein Mann in schwarzer Lederjacke verstohlen und zugleich aufdringlich: "Brauchst du Taxi? Ich mache Fixpreis." Wer mit dem Flieger nachts in Schwechat ankommt und sich durch verwinkelte Gänge und Zoll gezwängt hat, ist begehrt.
Allerdings nur für mehr oder weniger zwielichtige Gestalten. Denn ist man endlich ganz draußen vor der Tür, entfaltet sich das Mobilitätskonzept des sich notorisch im Umbau befindlichen Airports in voller Schönheit. Gut sichtbar ist vor der Tür nämlich nur noch der Stiegenabgang zum Airport-Zug. Eine umweltpolitisch korrekte Fahrt mit dem Cat bringt den angereisten Fahrgast aber nur zum Wiener Bahnhof Landstraße. Wer von dieser Großbaustelle nicht mit Öffis weiterfahren will (weil er danach seinen Koffer zu Fuß noch einen Kilometer schleppen müsste), sondern bequem per Taxi ab Flughafen zu seiner Wohnung, hat es schwer.
Denn im Gegensatz zu den lästigen Keilern in der Ankunftshalle sind die registrierten Taxler gut versteckt. An einen Seitenausgang hinter eine Schrankenanlage verbannt, drehen sie ihre Runden, bis ihnen vom Disponenten gestattet wird, über dürftig beleuchtete Gehsteige stolpernde Kunden aufzulesen. Kreativen Verkehrs- und Raumplanern geschuldet ist, dass auch in diesem teilstaatlichen Betrieb das geflügelte Wort der Tourismuswirtschaft gilt: jeder Gast eine Last.
Wem das Theater nützt? Garagenbetreibern allenfalls, die Anreise mit eigenem Pkw bietet ja doch den größten Komfort. Vielleicht haben sich die Taxler ihr Versteck ja von Tokioter Kollegen abgeschaut. Die nehmen zahlungskräftige Touristen erst gar nicht mit, weil sie sonst Englisch sprechen müssten. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/02.12.2011)