Erweiterte Vollmachten für Grenzbefehlshaber nach dem Angriff von US-Hubschraubern
Wie das "Wall Street Journal" am Freitag berichtete, sollen pakistanische Armeevertreter grünes Licht für den NATO-Luftangriff
auf pakistanische Armeeposten gegeben haben. Die Pakistaner dürften sich aber nicht darüber im Klaren gewesen sein, dass
eigene Truppen in der Region waren. Die NATO habe am vergangenen
Samstag Taliban-Kämpfer im Grenzgebiet zu Afghanistan verfolgt und
sei dabei angegriffen worden, berichtete die Zeitung unter Berufung
auf US-Vertreter, die über vorläufige Untersuchungsergebnisse
informiert wurden.
Als sie Luftangriffe auf das scheinbare Rebellenversteck
anforderten, sei ein Kommandozentrum von US-Soldaten sowie
afghanischen und pakistanischen Truppen eingeschaltet worden. Die
Pakistaner hätten angegeben, dass keine eigenen Truppen in der Region
seien, und damit den Weg für den Angriff freigemacht. Die
US-Vertreter räumten jedoch Fehler auf allen Seiten ein. "Es wurden
viele Fehler gemacht", sagte eine von ihnen der Zeitung. Den
Beteiligten sei nicht wirklich bewusst gewesen, "wer wo war und wer
was getan hat".
Pakistan droht mit Vergeltung
Die Armeeführung Pakistans hat nach dem Angriff den internationalen
Truppen für den Wiederholungsfall einem Medienbericht zufolge mit
Vergeltungsmaßnahmen gedroht. Armeechef General Ashfaq Parvez Kayani
habe den Kommandanten im Grenzgebiet zu Afghanistan die Erlaubnis
erteilt, im Fall eines erneuten NATO-Angriffs das Feuer zu erwidern,
berichtete die Zeitung "Express Tribune" am Freitag unter Berufung
auf ranghohe Militärkreise. Bei dem NATO-Angriff im Stammesgebiet
Mohmand waren vergangenen Samstag 24 pakistanische Soldaten getötet
worden.
Nach Ansicht eines von der Zeitung zitierten Militärexperten
bedeutet die Direktive, dass die örtlichen Kommandanten selbstständig
auf "feindliche Bewegungen" auf pakistanischem Staatsgebiet reagieren
können, ohne vorher eine höhere Dienststelle konsultieren zu müssen.
Der Angriff von US-Hubschraubern auf den Militärposten hat die
angespannten Beziehungen zwischen Pakistan und den USA weiter massiv
belastet. Aus Protest gegen den Vorfall hat Islamabad seine Teilnahme
an der Afghanistan-Konferenz am kommenden Montag in Bonn abgesagt.
Zudem hat die Regierung die wichtige Nachschubroute für die
NATO-Truppen in Afghanistan durch Pakistan gekappt und die US-Armee
aufgefordert, eine Luftwaffenbasis im Südwesten des Landes zu räumen. (APA/dpa)