Kein Paukenschlag zur Lösung

Merkel stimmt auf langes Euro-Leiden ein

2. Dezember 2011, 16:19

Deutschland und Österreich befürworten Vertragsänderungen, Faymann für Volksabstimmung im Falle des Verlustes der Budgethoheit

Für Montag haben Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel den ultimativen Krisen-Lösungsplan angekündigt. Am Freitag stimmte Merkel den deutschen Bundestag und Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) auf die Zukunft ein.

Mit einer raschen Lösung der Krise sei jedenfalls nicht zu rechnen. "Es gibt keine einfachen und schnellen Lösungen", sagte Merkel am Freitag. Einen Befreiungsschlag oder Paukenschlag werde es nicht geben. Sie rechne mit einem langen Prozess. "Dieser Prozess wird Jahre dauern", ist die deutsche Bundeskanzlerin überzeugt.

Eine Spaltung der EU in Euro-Staaten und Nicht-Euro-Staaten müsse dabei vermieden werden, betonte Merkel. Jedes der zehn EU-Länder, die der Währungsunion nicht angehörten, könne sich den geplanten schärferen Haushaltsregeln ebenfalls anschließen. Die Kanzlerin bemühte sich, Ängste vor einer deutschen Dominanz zerstreuen. Die klaren Vorstellungen Berlins hätten nichts damit zu tun, dass die Bundesrepublik Europa dominieren wolle. "Das ist abwegig."

Faymann: Volksabstimmung bei tiefgreifender Fiskalunion

Deutschland und Österreich suchen mit Blick auf den anstehenden EU-Gipfel in knapp einer Woche den Schulterschluss bei der Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise. Merkel sagte am Freitag nach einem Treffen mit ihrem österreichischen Kollegen Werner Faymann in Berlin: "Deutschland und Österreich werden dabei sehr eng zusammenarbeiten." Es gelte, das Vertrauen in die europäischen Anleihen und in Europa zurückzugewinnen. Merkel plädierte erneut für Vertragsänderungen in Europa, um mehr Haushaltsdisziplin durchzusetzen. Mehrere EU-Partner wie Irland halten das allerdings für den falschen Weg.

Auch Faymann zeigte sich offen für Vertragsänderungen, wenn das nötig sein sollte, um das Regelwerk in Europa zu verbessern. Dafür sei keine Volksabstimmung notwendig. Sollte dabei aber die Budgethoheit angetastet werden, sehe die Lage anders aus: "Wenn die Budgethoheit aufgegeben wird und ein Europa entstehen soll, das den Vereinigten Staaten ähnelt, dann gibt es diese Volksabstimmung. Das wäre aber ein jahrelanger Prozess", sagte Faymann. Merkel sagte: "Es ist ganz klar, die Budgethoheit bleibt erhalten." Daher stelle sich die Frage von Volksentscheidungen nicht.

Das sieht auch Frankreichs Präsident Sarkozy so. Stärkere Haushaltsdisziplin sowie automatische Sanktionen gegen Defizitsünder seien die Zukunft, sagte er Donnerstagabend im französischen Toulon.

Keine Eurobonds

Gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder erteilte Merkel erneut eine Absage. Glaubwürdige Durchgriffsrechte seien von einer gemeinsamen europäischen Kontrolle über nationale Einnahmen und Ausgaben zu unterscheiden. Daher sei auch eine gemeinsame Haftung für die Schulden anderer nicht denkbar. "Damit erledigt sich genau deshalb jetzt auch eine Diskussion über sogenannte Eurobonds." Diese könnten jetzt nicht als Rettungsmaßnahme eingesetzt werden.

Zu seiner Haltung zu Euro-Bonds gefragt, sagte Faymann, man sollte nicht vor dem ersten Schritt - die Festigung des Fundamentes der Euro-Zone durch striktere Regeln und Kontrollen - schon über die Schritte drei oder vier spekulieren.

Gläubigerbeteiligung bei Euro-Staatsanleihen wackelt

Angesichts der Verunsicherung an den Finanzmärkten muss nach den Worten von Merkel auch über den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM diskutiert werden. "Investoren wollen auf der einen Seite Berechenbarkeit, auf der anderen Seite haben wir jetzt doch eine Verunsicherung über die Frage, hält der Euro-Raum zusammen", antwortete die Bundeskanzlerin auf die Frage, ob Deutschland dem Drängen einiger Euro-Partner nachgeben werde, die vereinbarte Beteiligung privater Gläubiger wieder aus dem ESM-Entwurf zu streichen.

Dies fordern etwa Frankreich oder Italien. Deren Regierungen sorgen sich, dass die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen ihrer Länder steigen werden, wenn ab Mitte 2013 nur noch Euro-Staatsanleihen ausgegeben werden, in denen sich die Investoren durch sogenannte Collective Action Clauses (CAC) verpflichten, im Falle einer Insolvenz auf mögliche Forderungen zu verzichten.

Über das Thema müsse in den kommenden Tagen geredet werden, sagte Merkel. "Ich glaube, dass es sehr, sehr gute Gründe gibt, warum man sich damals entscheiden hat, CACs einzuführen für die Zukunft", fügte sie aber hinzu.

EZB wird nicht stärker eingreifen

Auch die Erwartungen an ein stärkeres Eingreifen der EZB im Kampf gegen die Schuldenkrise hat die Kanzlerin gedämpft. "Die Aufgabe der Europäischen Zentralbank ist eine andere als die der Fed der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Bank of England", so Merkel. Sie werde Entscheidungen der EZB nicht kommentieren und ihr auch keine Ratschläge erteilten. Viele Experten fordern eine aktivere Rolle der EZB bei der Lösung der Schuldenkrise - etwa durch verstärkte Ankäufe von Staatsanleihen, wie es die Fed und die Bank of England tun.

Angespannte Lage am Interbankenmarkt bleibt

Das europäische Bankensystem steht nach wie vor unter starker Anspannung. Am Freitag legten sowohl eintägige Einlagen als auch kurzfristige Ausleihungen der Institute bei der EZB noch weiter zu. Die Einlagen stiegen auf zuletzt 313,8 Mrd. Euro, den höchsten Wert seit rund eineinhalb Jahren. Die Mittel, die sich die Geschäftsbanken über Nacht von der EZB leihen, sprangen auf 8,6 Mrd. Euro, den Maximalwert der vergangenen neun Monate. Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen bei der EZB gelten als Misstrauens-Indikator, da die Geschäftsbanken diese Instrumente wegen der ungünstigen EZB-Konditionen normalerweise kaum nutzen. (Reuters, red, derStandard.at, 2.12.2011)

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GRohnePunkte
02
2.12.2011, 19:09
Leider hat nie jemand die Rolle der FED bei der Inszenierung von WW1 genau untersucht ...

... und auch nicht die Rolle der damals recht umtriebigen Bankiers-Familie Warburg, die hüben und drüben (offiziell nur wie Kain und Abel, haha, wers glaubt!) den Krieg inszenierte. Wäre die FED damals nicht gegründet worden, hätte es keinen WW1 gegeben, keine nachfolgenden Wirtschaftskrisen, keine Hyperinflation und keine wirtschaftliche Depression.

Da wir die Rolle der FED bei den Weltkriegsszenarien nicht untersuchen, oder eben nicht untersuchen dürfen, lassen wir uns periodischerweise immer wieder auf die selben Inszenierungen ein und spielen sogar aktiv und blind dabei mit. Bis in Kürze also alles wieder von vorne beginnt.

Tildy
00
24.1.2012, 13:16
Die Grossfinanz hat immer schon beide Seiten der Kriegsparteien finanziert.

Stalin und Hitler hatten die gleichen Geldgeber. Diese Leute sind immer die unerwähnte und unsichtbare dritte Partei. Es ist ihnen egal wer an der macht ist, solange sie die Geldflüsse kontrollieren.

Und zu Volksabstimmungen:
diese werden immer seltener, bis es sie gar nicht mehr geben wird. Das Volk wird nicht mehr ins Geschehen eingreifen können. Diese Zeiten sind vorbei.

John Waters
05
2.12.2011, 19:07
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...

Seit seinem Brief an die Kronen Zeitung hat es mehrere Änderungen der EU-Verträge gegeben, die meisten davon so geringfügig, dass sie es kaum in die Medien geschafft haben. Kein einziges mal hat es - wie beim Vertrag von Lissabon - eine Volksabstimmung gegeben. Wie übrigens bei der Euroeinführung auch nicht.

Ausserdem bedarf es einer halbwegs stabilen Persönlichkeit, um so ein Referendum durchzuziehen; Merkel und Sarközy werden sonst böse wie beim Papandreou, und dann gibt´s beim Treffen der Regierungschefs keinen Pudding zum Nachtisch.

Aber im Ernst, Faymann rutscht die ganze Zeit vor der Merkel am Boden, der traut sich so was wie eine Volksabstimmung nie. Denn sie wissen, dass das Volk schon lange nicht mehr an Bord ist.

Andreas Prucha
01
2.12.2011, 23:22

Ich wäre für *eine* Vertragsänderung, die noch ohne Volksabstimmungen durchgeführt wird:

Der Vertrag zur Abhaltung einer europäischen Volksabstimmung bei Vertragsänderung. Dabei muss die Mehrheit der EU-Bürger zustimmen und eine Mehrheit in der Mehrheit der Mitgliedsländer bestehen. Das Ergebnis ist dann für alle Mitgliedsländer bindend.

Dann erspart man sich diese destruktiven Fleckerteppich-Volksabstimmungen die *nie* gut ausgehen können, weil mit Sicherheit irgendein Land blockiert.

moulin rouge
00
2.12.2011, 19:05
Souveraenitaetsverlust?

Das Ziehkind Merkel boxt den Europawahn weiter. Den Faymann auf "Vertragsaenderungen", aus denen sodann quasi Neuvertraege werden, einzustimmen ist sicherlich ein allzu einfaches Spiel. Die europaeischen Anleihen an den Mann zu bringen, wird sich hingegen schwieriger gestalten. Was fuer die Oesterreicher eine fragwuerdige Zukunft mit Souveraenitaetsverlust bedeutet, bringt den Rothschild's sicher eine neoeuropaeische Finanzstrategie. Wegen der Volksabstimmung frag ich schon jetzt den Pendler ... http://www.youtube.com/user/00derpendler

cannery row
00
2.12.2011, 18:52
ich bin schon gespannt..

wie eine vetragsänderung, die das vetorecht entgegen dem willen einzelner staaten abschafft, völkerrechtlich erklärt wird.

es wird ja vermutlich, anders als bei unserer jasagerclique, länder geben, in denen dazu volksabstimmungen garantiert sind.

Reinhold Loecker
00
2.12.2011, 18:48
Änderung des EU-Vertrags

Artikel 1: Großbritannien wird mit sofortiger Wirkung aus der EU hinausgeworfen und kann nach Westen rudern, um sich dort an die USA anzubiedern
Artikel 2: Wenn die Briten weg sind, kann es mit Europa nur aufwärts gehen.

Dr. Fu Man Chu
00
2.12.2011, 18:41

ich frage mich, wie sanktionen für maastricht-sünder aussehen können, ohne damit einerseits in die budgethoheit einzugreifen und andererseits die konjunktur des betroffenen staates nachhaltig zu beeinträchtigen. eine strafe hat ja den sinn, in irgendeiner form dem sünder weh zu tun. volksabstimmungen für ein vereinigtes europa jetzt oder wir vergessen das ganze wieder. und bitte nicht so oft abstimmen lassen, bis alles passt.

die suppe haben sich unsere regierungschefs bei der gründung des maastricht-molochs selber eingebrockt

zimbo
 
02
2.12.2011, 18:46
Die Battlesgroups der Friedensvereinigung.

Ist doch eine schöne Umschreibung von Krieg.

Dr. Fu Man Chu
00
2.12.2011, 18:59

?

Peter_23
03
2.12.2011, 18:37
Nur ja keine Volksabstimmung

Als dem Failmann sein Wahlonkel noch lebte, da hat Failmann noch vollmundig versprochen: Bei jeder weiteren EU-Vertragsänderung gibt es eine Volksabstimmung.

Failmann bricht sein Wort. Ein echter Failure.

didi111
00
2.12.2011, 18:32
Zwei wichtige Themen beschäftigen heute Österreich..

In Schönbrunn wurde ein Ameisenbär geboren und
Faymann fuhr zum Mittagessen nach Berlin.

http://kurier.at/nachricht... 451699.php

Schön für Schönbrunn und es ist nicht bekannt, was es heute in der Kantine des Bundeskanzleramtes zum Essen gab.

In Berlin wird doch Deutsch gesprochen.....

Grund genug, daß ....

Leo Getz
00
2.12.2011, 18:26
ad zweites Bild:

"haters gonna hate"

www.banken-volksbegehren.at
11
2.12.2011, 18:19
Wer's gern (Euro-) apokalyptisch mag, ...

... dem wird hier geholfen:
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/12302/

Poldi Fesch
11
2.12.2011, 18:31
das sind die

groeszten Knallkoepfe

O5
20
2.12.2011, 18:10

Eine Fiskalunion wäre dringend notwendig. Gerade in Österreich sieht man dass auch angeblich wirtschaftlich gut dastehende Länder ganz einfach nicht aufhören wollen weiter Schulden zu machen.

Peter_23
01
2.12.2011, 18:41
Es wird keine Fiskalunion in der EU geben.

Alleine Irland setzt schon alle Hebel in Bewegung um ja nicht die unfairen Unternehmenssteuern von 12,5% anheben zu müssen.

-> http://www.guardian.co.uk/business/... le/9976329

Salz Burger
00
4.12.2011, 20:48

Dass nationalstaatlich denkende Egoisten alle Hebel in Bewegung setzen, das stimmt schon. Helfen tut es halt nicht. Dazu gibt es ja dann "Krisen", die die EU dann wieder schneller voran bringen.

kurt kren
03
2.12.2011, 18:07
War der Spindi auch mit

und hat gut aufgepasst daß Faymann und Merkel nicht unser Triple A ins Gerede bringen?

Papa Radzy
00
2.12.2011, 18:05

Fayman hat auf iptv gesagt, dass sowas wie die USA in der EU implementiert wird, also eine Europäische Wirtschaftspolitik mit EU Hoheit.
Dann wird endgültig alle Macht abgegeben und zentralisiert.

I believe I Spider!!!

kurt kren
00
2.12.2011, 18:15
Wär

eh besser!
Am besten wäre eine EU Regierung und sonst nur Gemeindeverwaltungen - die Nationalstaaten sind eh zum Kren reiben - kosten nur Geld;
und wer nicht mitspielt wird aus der EU einfach rausghaut!

cannery row
00
2.12.2011, 18:54
sie werden noch erleben..

dass das gegenteil der fall sein wird.

Peter_23
00
2.12.2011, 18:50
EU Regierung?

Sehen Sie da aktuell in der Öffentlichkeit irgendwem von der EU - z.b. den Vorsitz im Rat der Europäischen Union? Nein. Vermutlich wissen Sie wie viele andere auch, ohne nachzuschauen, gar nichtmal welches Land gerade den EU Vorsitz bis zum 31.12. inne hat.

(Tipp: Es ist Polen und nicht Deutschland und auch nicht Frankreich)

Was wir seit Monaten/Wochen sehen, ist nur das Hampelpäärchen aus Frankreich und Deutschland.

Die EU ist ja selbst jetzt in der Endkrise (Endkampf?) nicht im Stande als *eine* EU aufzutreten. Statt dessen präsentieren irgendwelchen "Regionalpolitiker" wie Frau Merkel und Herr Sarkozy "Lösungen".

Das soll eine EU sein? Nein!

Rekari
42
2.12.2011, 18:01
Fehler im System

Wir können bei den Pensionen, den Löhnen und Gehältern, den Ausgaben usw. gar nicht genug sparen.

http://www.nzz.ch/nachricht... 84447.html
Diese Ungleichgewichte sind der Fehler im System

Poldi Fesch
00
2.12.2011, 18:33
das ist dem

NZZ Artikel aber nicht zu entnehmen

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