Heimische Konsumenten können sich über die bisherige Entwicklung des Mobilfunkmarkts nicht beschweren
Österreichs Mobilfunkmarkt steht vor einer "Konsolidierung", wie das die Branche liebevoll nennt, wenn einer aufgeben muss und von einem anderen geschluckt wird. Die derzeit wahrscheinlichste Version: Der kleinste, "3", kauft die Nummer drei, Orange - der WebStandard berichtete.
Trend
Der Trend zu Konsolidierungen ist weltweit im Gang: In den USA will sich T-Mobile an AT&T verkaufen, weil sich der Deutschen Telekom einstige Hoffnung doch als Belastung entpuppte. In der Schweiz wollte sich Orange an Sunrise verkaufen, dann wären's nur noch zwei gewesen, was dem Regulator zu wenig war; jetzt will France Télécom die Tochter andersweitig loswerden.
In Großbritannien haben sich Orange und T-Mobile zu Everything Everywhere verschmolzen. Und die beiden Konzernmütter France Télécom und Deutsche Telekom haben angekündigt, weltweit in verschiedenen Formen kooperieren zu wollen. Eigentlich wäre da logisch, gleich auf Konzernebene zusammenzugehen - aber eine solche transnationale Fusion früherer Staatsbetriebe bleibt selbst in Zeiten des privatisierten, deregulierten Europa ein Tabu.
Zusammengehen zwischen Orange und T-Mobile
Bis "3" hierzulande als möglicher Käufer für Orange auf den Plan trat, galt ein näheres Zusammengehen zwischen Orange und T-Mobile als ausgemachte Sache. Vorerst durch Netzwerk-Sharing, später wären wohl auch andere Optionen möglich gewesen. Aber die auf Mutterebene ausgedealte Vernunfthochzeit kommt durcheinander, seit sich "3"-Eigner Hutchison Whampoa - dem selbst nachgesagt wurde, weltweit aus dem Mobilfunk aussteigen zu wollen - sich offenbar zu bleiben entschieden hat.
Österreichs Konsumenten können sich über die bisherige Entwicklung des Mobilfunkmarkts nicht beschweren. Aus unerfindlichen Gründen ist justament das aufgrund der Alpen nur teuer zu versorgende kleine Land, in dem einst die Gebühren der "Post- und Telegrafenverwaltung" zu den höchsten gehörten, ein Wettbewerbsparadies geworden.
Versteckte Gebührenminen
Wenn man nicht versehentlich auf eine der versteckten Gebührenminen tritt (Datennutzung am Handy ohne passenden Vertrag, Datenroaming im Ausland, unbeabsichtigtes Roaming im Grenzgebiet) kommt man hier um 20 Euro monatlich ziemlich weit, Gratishandys inbegriffen. Halt - inzwischen bereits 16 Euro, weil die Preisschraube weihnachtlich bereits weiter angezogen wurde.
So billig ist Mobilfunk inzwischen geworden, dass mittlerweile selbst die Versorgung mit Breitband- internet, die letzte Bastion von Leitungen, rasend schnell in den Äther wandert - schneller als sonst wo.
Neuerliche Preiswettbewerbe
Ist jetzt dieser Wettbewerb, der Konsumenten klare Vorteile brachte, bei einer Konsolidierung gefährdet? Vorerst eher nicht: Denn die Mobilfunker stehen vor einer weiteren Investitionswelle für den Datenfunk LTE. Das bedeutet einerseits neuerliche Preiswettbewerbe, um Kunden zum Wechseln zu bewegen; andererseits aber würden sich für den Profiteur der Konsolidierung die Kosten senken, weil er mit einem Netz mehr Kunden versorgen kann. Erst wenn nur noch zwei überbleiben: Dann wird es eng, was manche Unternehmen gern mit gemütlich verwechseln. (helmut.spudich@derStandard.at, DER STANDARD Printausgabe 2. Dezember 2011)