Smartphone-Spion

Carrier IQ: Mobilfunker wissen nicht, ob Spionage­software installiert ist

Andreas Proschofsky, 2. Dezember 2011, 10:41
  • Artikelbild
    foto: trevor eckhart

    So manches Smartphone protokolliert per Carrier IQ einen Wust an privaten Daten mit, wie Trevor Eckhart herausgefunden hat.

  • Artikelbild
    vergrößern 544x363
    grafik: xda developers

    Der Logging Checker prüft Android-Smartphones auf das Vorhandensein von Carrier IQ.

Dementieren aber jegliche aktive Nutzung - Carrier IQ auch beim iPhone gefunden

Zu einer gröberen Affäre scheinen sich die Entdeckungen des 25-jährigen Systemadministrators Trevor Eckhart zu entwickeln: Nach dem ursprünglichen Bericht, dass sich auf diversen HTC-Smartphones eine Software namens Carrier IQ befindet, die ausgiebig das Nutzungsverhalten der BesitzerInnen mitprotokolliert und ins Internet verschickt, haben sich die Ereignisse zuletzt geradezu überschlagen. So wurde vor einigen Tagen nicht nur bekannt, dass Carrier IQ auf wesentlich mehr Smartphones als bisher angenommen installiert ist - der dahinter stehende Softwarehersteller spricht selbst von 140 Millionen Stück - sondern auch, dass dabei offenbar äußerst sensible Informationen wie SMS-Inhalte oder Suchanfragen ausspioniert werden.

Spurensuche

Darauf folgt nun die Phase der öffentlichen Empörung - und der Spurensuche: Stellt sich doch heraus, dass Carrier IQ weder ein Android-spezifisches Problem ist, noch auf allen Geräten mit Googles mobilem Betriebssystem installiert ist. So scheint die Entscheidung zur Einrichtung von Carrier IQ ein recht undurchsichtiges Amalgam aus Netzanbieter- und Hardwarehersteller-Entscheidung zu sein. Provider-technisch gibt es hierfür nur Bestätigungen aus den USA, sowohl AT&T als auch Sprint stehen mittlerweile dazu die Software einzusetzen, sehen aber eine falsche öffentliche Wahrnehmung davon, was Carrier IQ eigentlich tut.

Argumentationen

So heißt es etwa von Sprint, dass Carrier IQ dazu gedacht sei, die eigene Netzwerk-Performance zu analysieren und so auf etwaige Probleme reagieren zu können. Zu keiner Weise würde man dabei aber auf private Daten wie Fotos, SMS oder Videos zugreifen - auch könne man dies gar nicht. Schon gar nicht würden solch sensible Informationen an Dritte weitergereicht. Carrier IQ sei ein "integraler Bestandteil" der eigenen Infrastruktur, macht man gleich klar, dass man nicht vorhat, von dieser Strategie abzugehen. Von Seiten des Hardwareherstellers HTC hört man, dass die Versendung von Daten durch Carrier-IQ strikt "Opt-In" und lediglich zur Problemsuche gedacht sei. Bei Samsung bestätigt man zwar, dass auf einigen Geräten Carrier IQ installiert wurde, die Entscheidung darüber treffe aber der jeweilige Provider.

Offizielles Statement

Auch der Hersteller von Carrier IQ selbst versucht sich an Schadensbegrenzung: Es stimme zwar, dass - wie Eckhart gezeigt hat - die Software auf jeden Tastendruck reagiert, dabei würden aber keine Inhalte aufgezeichnet (vor einigen Tagen hatte dies ein Sprecher des Unternehmens übrigens gegenüber Wired noch nicht ausgeschlossen, Anm.). SMS-Inhalte lese man ebenso wenig wie die Inhalte von besuchten Webseiten, allerdings zeichne man die Verbindungsdaten auf, dies aus recht profanen Gründen: Bei etwaigen Problemen würden diese umfangreichen Information dem Provider bei der Fehlersuche helfen, also etwa einen Mobilfunkmasten aufzuspüren, der Anrufe "verliert". Wie lange - und welche - Daten gespeichert werden, hänge von den Providern und deren Datenschutz-Policies ab, versucht man die Problematik weiterzuschieben.

Wir setzen nicht ein, aber...

Auf die Nachfrage bei österreichischen Providern regnet es recht nachdrückliche Dementis, so heißt es von Seiten des Netzbetreibers A1 gegenüber dem WebStandard: "A1 verfügt (..) über keinerlei Daten aus der erwähnten Applikation und will das auch gar nicht. Die Frage, ob und wenn ja wozu dieses Programm auf den Handys der div. Hersteller installiert ist, haben wir bereits den Herstellern gestellt und erwarten entsprechende Antworten." Bei "3" betont man knapp, dass man weder Carrier IQ noch eine ähnliche Software zum Einsatz bringe. Von Orange heißt es: ""Orange Austria lässt die Carrier IQ Software sicher NICHT auf den über Orange erhältlichen Smartphones vorinstallieren."

T-Mobile

Von Seiten T-Mobile Austrias heißt es: "Die Deutsche Telekom und somit auch T-Mobile Austria nutzt die Software Carrier IQ nicht. Ob und in welcher Firmware bei diversen Endgeräte-Hersteller diese Software zum Einsatz kommt, können wir abschließend nicht sagen. Dies obliegt dem Hersteller des Endgeräts. Sollte sie zum Einsatz kommen, werden die dort erfassten Daten nicht von der Deutschen Telekom bzw. von T-Mobile Austria erfasst und ausgewertet. Da die Deutsche Telekom und T-Mobile Austria großen Wert auf die Information ihrer Kunden legt, werden wir mit unseren Geschäftspartner Kontakt aufnehmen und diese bitten, umfänglich über implementierte Anwendungen zu informieren. Von anderen Anbietern wurde auf unsere Anfragen bisher noch nicht reagiert, ändert sich dies, wird der Artikel natürlich umgehend aktualisiert.

 

Dementis

Offensiver als die Eingeständnisse Carrier IQ zu verwenden, kommen - wenig überraschend - die entsprechenden Dementis: So heißt es etwa von Seiten Nokias, dass man entgegen ursprünglichen Berichten die betreffende Software nie auf eigenen Geräten ausgeliefert hat. Auch Google betont, dass alle Geräte bei denen man selbst für die finale Softwarezusammenstellung verantwortlich zeichnet - also etwa Nexus S oder Galaxy Nexus - "clean" sind. Dies gilt natürlich auch für jegliche Form von Community-Firmware, die aus dem Android-Open-Source-Projekt erstellt wurde. Wer also beispielsweise CyanogenMod oder MIUI auf seinem HTC-Smartphone installiert hat, hat damit auch Carrier IQ effektiv entfernt. Zudem hilft die Community im Aufspüren der Software, auf XDA Developers wurde ein entsprechendes Tool veröffentlicht, das allerdings einen Root-Zugang zum Smartphone voraussetzt. In einer Pro-Version bietet man zudem die Entfernung von Carrier IQ für einige Geräte an.

Apple

Unterdessen wurde bekannt, dass Carrier IQ zumindest zum Teil auch bei Apples iOS zum Einsatz gekommen ist - bzw. noch kommt. In einer Stellungnahme des Konzerns betont man, dass die Software zware in früheren iOS-Generationen mitgeliefert wurde, mit iOS5 sei allerdings nur mehr das iPhone 4 mit Carrier IQ ausgestattet. Zudem soll es auch hier mit einem kommenden Update entfernt werden. Darüber hinaus beeilt sich der iPhone-Hersteller klarzustellen, dass hier nie Daten automatisch - sondern nur mit expliziter Zustimmung der NutzerInnen in Support-Fällen - verschickt wurden. Und auch dann wären die Informationen anonymisiert und verschlüsselt übertragen worden, desweiteren habe man nie private Daten wie SMS-Inhalte aufgezeichnet - was allerdings ohnehin dem Statement von Carrier IQ zu anderen Geräten entspricht.

Politik

Parallel zu all diesen Berichten schaltet sich nun auch langsam die US-Politik in diese Affäre mit ein: So fordert der US-Senator Al Franken eine lückenlose Aufklärung diese Vorfalls. Es würden hier ein Fülle von wirklich sensiblen Informationen ohne das Wissen der NutzerInnen gesammelt, mit potentiell für die Privatsphäre verheerenden Auswirkungen. So würde ein solcher Info-Pool wohl nicht zuletzt die Begehrlichkeiten von Geheimdiensten wie des FBI wecken. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 02.12.11)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 203
1 2 3 4 5
horli
10
4.12.2011, 08:27
Können sie ihrem Rechner vertrauen?

https://www.gnu.org/philosoph... st.de.html

arsen hitrach
01
3.12.2011, 13:37

Und wie lässt sich feststellen ob diese fragwürdige Software auch auf meinem Android Xperia Play zu finden ist. Unter > Apps > Alle Anwendungen hab ich gesucht, da ist nichts zu finden, aber könnte doch auch sein, dass sie gut versteckt ist...

AngelusNoctis
00
4.12.2011, 10:14
Market!

Voodoo Carrier IQ Detector im Market ziehen und laufen lassen.

§126c Verfechter K.ing Leissner
00
3.12.2011, 14:49

Das eine hat mim anderen aber ueberhaupt nichts zu tun.. Ausserdem ist Echelon stinkalt, ich bezweifle dass die damit die heutige Kommunikation (Internet?) abhoeren koennen. Wozu auch, die kriegen eh sicher den Datenstream der ISPs im Amiland.

te l
114
3.12.2011, 09:37
Auch ohne CarrierIQ gibt's erstaunliches hinsichtlich Datenweitergabe. Ich sollte für eine MehrwertSMS die ich auf meine Geheimnummer erhielt bezahlen. Der Mobilfunkbetreiber konnte od wollte nicht sagen wer der Absender war, wie er meine Geheimnumme

kannte, od wofür mir "Mehrwert" verrechnet wurde. Eine Nachforschung mithilfe von der RTR ergibt: Ich hatte an dem Tag an dem ich die SMS erhielt recht viel mobil gesurft, dabei muss ein unseriöser Webseiteitenbetreiber meine IP Adresse aufgezeichnet und an die Firma DIMOCO GmbH übermittelt haben, die in der Lage ist die den jeweiligen IP-Adressen zugeordneten Rufnummern von Mobilfunkbetreibern zu bekommen. DIMOCO leitete meine Rufnummer an den Webseiteitenbetreiber, der übermittelte sie dann an die MobilbizzEntertainment GmbH die mir die MehrwertSMS schickte. Der Entgelt wurde mir inzwischen gutgeschrieben - aber jetzt kennen 3 mir bislang völlig unbekannte Firmen meine Geheimnummer.

Unbezahlte Anzeige
00
4.12.2011, 09:45
Ich würde da etwas vorsichtig sein

mit der expliziten Nennung von Namen. Ich hab die Anwälte eines Kärntner Providers am Hals, dem ich ähnliche "unsaubere" Praktiken vorgeworfen habe. Hat mich schon eine Menge gekostet - und hat kein Ende.

Zum anderen: Eine Freundin hatte letzten Sommer Mehrwert-SMS um fast 80,- bekommen (über die T-Mobile-Rechnung abgebucht), mit so sinnvollen Infos wie "Ich bin allein - willst du dich mit mir treffen?" (3€/Stk)
Wie die zu ihrer Nummer gekommen sind - da lässt sich leicht was erfinden und das Gegenteil nicht beweisen.

§126c Verfechter K.ing Leissner
10
3.12.2011, 14:55

Was bitte ist eine Geheimnummer?

Als ich in den USA n T-Mobile Prepaid SIM kaufte hatten einige Leute meiner Nummer - weil meine Nr mal jemand anderen gehoerte.

Ich verstehe Ihr Posting auch nicht ganz, d.h. Ihnen wurde an Ihre Nr eine Mehrwert SMS geschickt? Ergibt nicht wirklich Sinn..

Entweder Ihre "Geheimnummer" hat
a) schonmal jemanden anderen gehoert
b) ist von einem Freund bei Jamba & Co eingetragen worden, das mach ich manchmal ist ziemlich witzig
c) Sie haben die Nr irgendwo angegeben und ist dann 10 mal weitergegeben worden

Soweit ich weiss verwenden per UMTS alle Teilnehmer eine IP, d.h. man kanns nicht reversen auf die verwendete Telnr, nichtmal per Gerichtsbeschluss.

te l
00
4.12.2011, 09:34

Geheimnummer: geheime Rufnummer die seit Vertragsbeginn in kein Telefonbuch steht und sonst nicht veröffentlicht wurde (auch nicht in ein Online-Formular eingegeben). b u c kann ich ausschliessen, auch a ist hinfällig, da ich eine schriftliche Bestätigung habe, dass mein Mobilfunkbetreiber meine Rufnummer an Dritte weitergegeben hat. Durch Cache-Auswertung und Angaben von DIMOCO, steht fest, dass zwischen Ersuchen um Herausgabe der Rufnummer und SMS-Versendung max. 1 Min. verging - was den Schluss zulässt, dass mein Mobilfunkbetreiber Dritten eine Schnittstelle zu den benötigten Daten anbietet. Eine solche Implementierung macht man sicher nicht für Einzelfälle.

Thomas....
00
3.12.2011, 17:39

das speil ist immer das slebe sie bekommen eine sms mit der bitte um rückruf und das ist dann eine nciht eindeutig erkenntbare bezahlt hotline....

ich hatte eine ähnliche erfahrung gemacht... ich habe meine rufnummer mitgenommen und bekam deshalb für den alten vertrag eine neue nummer. Noch bevor ich irgendjemandem die neue nummer gab, erhielt ich schon einen anruf bezüglich einer umfrage, ca 1h nach erhalt der neuen rufnummer... das ganze war übrigens bei TELERING

te l
01
4.12.2011, 09:30
"das speil ist immer das slebe sie bekommen eine sms mit der bitte um rückruf...."

Also ich sollte alleine für den ERHALT einer SMS ca. €3.- zahlen! (bei sog. MehrwertSMS kann eine Gebühr fällig werden auch wenn man überhaupt nicht darauf reagiert.)

whei
00
4.12.2011, 01:25

Das mit den Umfragen könnte auch damit zusammenhängen, dass in manchen Samples Telefonnummern zufallsgeneriert sind.

§126c Verfechter K.ing Leissner
00
3.12.2011, 17:42

Achso.. hmm ja das ist orsch^^

AlliGator
30
3.12.2011, 12:27

Klingt ja, als hätten Sie Ihre Chancen auf soziale Kontakte ein wenig erhöht. Passen Sie bloß auf, daß nicht noch ein Rendezvoutscherl daraus wird. ;-)

Und ich dachte, die Websites mit Schweinkram wären nur aufs Geld aus...

Thomas....
00
3.12.2011, 09:27

Da die Deutsche Telekom und T-Mobile Austria großen Wert auf die Information ihrer Kunden legt, werden wir mit unseren Geschäftspartner Kontakt aufnehmen und diese bitten, umfänglich über implementierte Anwendungen zu informieren.

man kann das auch so interpretieren das sie sich jetzt die daten holen ....

wg 1980
41
3.12.2011, 08:33
Weder Chrome noch Android kommen mir je ins Haus!

Und das nicht aufgrund dieses CIQ.
Google ist mir einfach apriori zu neugierig, ist einfach ne Berufskrankheit bei denen.

Wenn mein 3GS abnippelt, wechsle ich wieder zum einzig verbliebenen europäischen Hersteller. Lumia 800, ich komme.

werwolfi
00
3.12.2011, 19:35

Geh Fanboy, Apple verwendet CIQ auch, und dort gibt es keine garantiert Spyware-freien Custom ROMs die du legal installieren darfst auf deinem IPhone, keine Firewalls, keine Apps die dein Telefon nach unerwünschten Kontaktaufnahmen heimlich installierter Apps zu ihren Herrchen prüfen - kurz: bei Android kann ich mich schützen sobald ich von dem Problem weiß, bei iOS bist du verraten und verkauft.

bonetree
00
4.12.2011, 13:57

Standardmäßig deaktiviert, mit Opt-In, im Gegensatz zu Android.

werwolfi
00
4.12.2011, 14:48

Du wiederholst dich - daher ich auch:

Bei Android vollständiges “opt-out“ im Sinne von garantiert Spyware-freien Community-ROMs - so etwas geht grundsätzlich natürlich nur bei Open Source, viel schöner kann man die Überlegenheit dieses Ansatzes eigentlich nicht demonstrieren.

bonetree
00
4.12.2011, 14:52

Das ist natürlich wahr, aber warum sollten am iPhone keine Custom-ROMs möglich sein? DRM oder Klagen von Seiten Apple's?

Shrike
00
3.12.2011, 09:44

Bei Apple steht doch schon fest, dass sie diese Software verwenden.

bonetree
00
4.12.2011, 13:57

Standardmäßig deaktiviert, mit Opt-In, im Gegensatz zu Android.

Guybrush Threepwood
03
3.12.2011, 09:23
Haha, köstlich!

Tut diese Naivität eigentlich weh?

PepiOnkel
00
3.12.2011, 07:48
die Frage ist nicht nur ob A1 diese Daten

auswertet sondern ob A1 diese Daten weitergibt oder eine Möglichkeit geschaffen hat das diese durch Dritte ausgewertet werden können.
So wie A1 sich in letzter Zeit gegenüber seinen Kunden verhält habe ich kein Vertrauen mehr. Bestehende Kunden sind Abschaum in den Augen des A1 Managements.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 203
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.