Wer Öl sucht, findet Wasser und Wein

Heiße Quellen gibt es in Bad Radkersburg erst seit 40 Jahren. Mineral, Wein und Kernöl schon länger

Man sagt ja, der Flügelschlag eines Schmetterlings könne irgendwo weit weg ein Erdbeben auslösen. Ob das stimmt oder nicht: Es war nicht der Flügelschlag eines Schmetterlings in China, der die Menschen in der südoststeirischen Grenzstadt Bad Radkersburg 1989 für einen Monat in Atem hielt. Es war auch kein Erdbeben in Griechenland, durch das sich unter der Stadt in rund 2000 Metern Tiefe ein paar Platten verschoben hätten - das war eine Ente, die einem Einheimische noch heute bei einem Glas Wein erzählen.

Es war "schlicht und einfach ein Materialbruch", erzählt der Geschäftsführer der Radkersburger Stadtquelle, Franz Gmeindl. Das erste Rohr hätte der hohen Temperatur von 80 Grad und dem hohen Druck, mit dem das Wasser gefördert wird, einfach nicht standgehalten.

Harald Eberhaut, Direktor des vor 41 Jahren gegründeten Hotels im Park, wischt sich jedenfalls über die Stirn, wenn er sich an diese Zeit zurückerinnert: "Das war furchtbar, die Zeitungen haben getitelt: , Quelle in Radkersburg versiegt'." Doch ein neues Rohr wurde gezogen und das hält sich bis heute gut.

Schon in den 1920er-Jahren war man hier auf der Suche nach Erdöl und Erdgas auf Mineralwasser gestoßen und wandelte sich in der Folge mit sogenannten Trinkkuren zum Kurort. Das mit dem Öl hat man sich nicht völlig abgeschminkt. Doch statt Erdöl ist Kernöl als Paradeprodukt der Region omnipräsent. Kürbiskerne werden hier auch äußerlich, etwa als Hautpeeling, genutzt. 1978 suchte man dann gezielt nach Thermalwasser und fand es auch.

Das Radkersburger Wasser sprudelt aus der großen Parktherme, die bis 2012 frisch renoviert sein wird, aber auch in mehreren Hotels mit eigenen kleinen Hausthermen. Es sei gut gegen Rheuma und gegen alle Erkrankungen des Bewegungsapparates, weiß Gmeindl.

Bad Radkersburg, das einen ganz besonders schönen, gut erhaltenen historischen Stadtkern hat, wo sich Vierkanthäuser zu großen sonnigen Innenhöfen öffnen, lebt vom Wasser und vom Wein. Der Sommer dauert hier immer ein paar Wochen länger als im Rest des Landes. Radtouren, die auch über einen gemeinsam mit der slowenischen Zwillingsgemeinde Gornja Radgona geschaffenen Radweg über die Murbrücke ins Nachbarland führen, sind hier auch Ende Oktober noch möglich.

Wer lieber zu Fuß die Gegend erkunden will, findet auf dem "Traminer Wanderweg", den man zum Beispiel in der Vinothek im nahen Klöch beginnen kann, eine abwechslungs- und lehrreiche Route. Das erste Stück führt steil bergauf zur Burgruine Klöch und dann mitten hinein in die Weinberge auf ehemals vulkanischen Boden. Dass die 13,5 Kilometer mit einer Gehzeit von fünf Stunden angegeben werden, findet man nur vor der Wanderung übertrieben. Später weiß man, dass die fünf Stunden gut investiert sind, denn tatsächlich gibt es viele Punkte, an denen man einfach länger bleiben muss, weil die Aussicht durchhasten nicht zulässt.

Kellerstöckl und Klapotetz

Alte Kellerstöckl, Klapotetze, alte Pressen, ein gut beschilderter Reben-Lehrpfad zum Lesen in zweierlei Sinn und ein Pestkreuz - da ist für jeden etwas dabei. Es soll sogar geomantische "Kraftpunkte" geben, an denen man sich auftanken kann. Und damit sind nicht die vielen Buschenschänken gemeint, die den Weg säumen, sondern etwa ein Tümpel oder der sogenannte Petern-Steinbruch mitten im Wald. Wer nicht daran glauben mag, kann immer noch die Ruhe genießen.

Geleitet wird man auf der gesamten Strecke von 13,5 Kilo- metern vom Symbol eines Weinglases, in dem eine Rose blüht. Denn der Traminer ist bekannt als der Wein mit dem Duft der Rose. Ein sanftes Tröpfchen. Anders als die Rabiatperle, die man Neuankömmlingen als Uhudlersekt zu erklären versucht, die hier aber, weil man nicht das Burgenland ist, nur Heckenklescher heißt.

Der Traminer Weg nähert sich teilweise auch der slowenischen Grenze. Dass Steirer in dieser Gegend auch Stajrer sein können, lernt man im Pavelhaus in Laafeld bei Radkersburg, das seit 1998 die Geschichte der steirischen Slowenen dokumentiert und auch ein ernstzunehmender Standort zeitgenössischer Kunst ist. Wenn man in Bad Radkersburg urlaubt, lohnt sich daher auch der kurze Spaziergang nach Laafeld allemal. (Colette Schmidt/DER STANDARD/Printausgabe/03.12.2011)

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