Grüne Savannen

Seenreiches Südarabien half Homo sapiens bei der Eroberung der Welt

1. Dezember 2011, 20:49
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    foto: thomas rosenberg

    Fossile Seeablagerungen aus der Rub' al Khali Wüste im Südwesten Saudi Arabiens. Als es hier noch grünte nutzte der Mensch die Arabische Halbinsel als Landbrücke, glauben Schweizer Forscher.

Die arabische Wüste war während der letzten 130.000 Jahre mehrmals eine blühende Feuchtlandschaft

Ein Schweizer Wissenschafterteam hat entdeckt, dass in der arabischen Wüste in den vergangenen 130.000 Jahren mehrere Phasen feuchten Klimas herrschten. Erst diese Intervalle ermöglichten es vermutlich dem modernen Menschen, sich von aus Afrika über die arabische Halbinsel auszubreiten.

Mit Untersuchungen an fossilen Seesedimenten und Stalagmiten belegen Berner Geologen, dass sich die arabische Wüste während der letzten 130.000 Jahre gleich viermal in eine grüne Savanne mit zahlreichen Seen verwandelt hat. Diese humiden Klimaphasen dauerten zwar nur zwischen 4.000 bis 7.000 Jahre, für die Ausbreitung des Homo sapiens von Afrika nach Europa und Asien waren sie aber von zentraler Bedeutung.

Diese Erkenntnisse beruhen auf den Ergebnissen der Doktorarbeit von Thomas Rosenberg, die er unter der Leitung von Frank Preusser, Dominik Fleitmann und Albert Matter am Institut für Geologie und dem Oeschger Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern verfasste. Die jüngsten Ergebnisse dieser vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Arbeit sind in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "Geology" publiziert.

Arabische Halbinsel als Landbrücke

Auf dem Weg zu einer "globalen Spezies" verliess der moderne Mensch vermutlich vor etwa 150.000 Jahren Ostafrika. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Wissenschafter mit der Frage, welchen Weg der Homo sapiens dabei genommen hat und wann er die lebensfeindlichen Wüsten Nordafrikas und Arabiens durchqueren konnte. Bislang wurde vermutet, dass unsere Vorfahren über das Nil-Tal und den mittleren Osten nach Norden wanderten. "Die arabische Halbinsel wurde als Landbrücke für den modernen Menschen lange Zeit vernachlässigt, die Forschung konzentrierte sich auf Nordafrika und den nahen Osten", erläutert Dominik Fleitmann. "Dies wird sich durch unsere Forschungsergebnisse hoffentlich rasch ändern."

Das Forscherteam untersuchte fossile Seeablagerungen aus der arabischen Wüste und nahm sogenannte Lumineszenzdatierungen vor, mit welchen Mineralien auf gespeichertes Licht untersucht und so datiert werden. Die Forscher konnten in der Zeitspanne zwischen 130.000 und 75.000 Jahren vor unserer Zeit drei Intervalle ausmachen, in denen in Arabien ein sehr feuchtes Klima herrschte. Diese Feuchtphasen ereigneten sich vor rund 125.000, 100.000 und 80.000 Jahren. Datierungen und geochemische Analysen von Stalagmiten unterstützen diese Annahme zusätzlich.

Niederschläge nahmen zu

Durch die Zunahme der Niederschläge verwandelte sich also die arabische Wüste wiederholt in eine grüne Savanne, in der sich hunderte von Seen bildeten, die teilweise bis zu 50 Kilometer gross und 30 Meter tief waren. Noch heute findet man an den alten Ufern dieser Seen Steinwerkzeuge, die bezeugen, dass in der arabischen Wüste vor 130.000 bis 75.000 Jahren Menschen lebten.

Die Untersuchungen der Schweizer Geologen zeigen ausserdem, dass die arabische Wüste vor 80.000 bis 10.500 Jahren keine signifikanten Niederschläge mehr erhielt und sich schliesslich in eine für den modernen Menschen unüberwindbare geographische Barriere verwandelte. Dem Homo sapiens blieben demzufolge nur drei relativ kurze Zeitfenster, um die arabische Halbinsel auf seinem Weg nach Norden zu durchqueren. "Alle Indizien sprechen dafür, dass der Homo sapiens diese Zeitfenster genutzt hat und Arabien für die Ausbreitung unserer Spezies eine zentrale Bedeutung zukommt", so Fleitmann. (red)

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16 Postings
Heinz Anderle
 
09
2.12.2011, 06:04
Lumineszenzdatierung: nicht "gespeichertes Licht",...

... sondern als Kristalldefekte gespeicherte Energie radioaktiver Strahlung wird dafür genützt.

Der Rauchquarz ist ein anschauliches Beispiel für solche Kristalldefekte. Die kurzlebigen Defekte werden durch Sonnelicht wieder ausgebleicht. Wenn aber ein Sandkorn als Sediment abgelagert wird und nicht mehr dem Licht ausgesetzt ist, häufen sich diese Defekte an.

Im Labor kann die so über die Zeit gespeicherte Energie dann als Lichtsignal (angeregt durch Erhitzen, Thermolumineszenz, oder durch Lichteinstrahlung, photostimulierte Lumineszenz) ausgelesen werden.

Die Datierung von Keramik funktioniert ähnlich, aber hier stellt der Brennvorgang die Zeit auf Null.

Dr. rer. nat. Heinz Anderle, Freigeist

Michael Schmied
03
2.12.2011, 00:01
Originalartikel mit hochauflösenden Fotos hier:

http://idw-online.de/pages/de/news454225 .

Wer findet die 10 Pence Münze auf dem ersten Fossilienfoto?

Zhdophanti
00
2.12.2011, 11:53

ich auch .. ungefähr 1/2 Sekunde ;) Gut versteckt war se net.

BK W. Shoyssel
00
2.12.2011, 09:38

ich.

Johannes Benn
31
1.12.2011, 22:50
.

der grund warum ich der humanversursachten klimawandel theorie nicht so recht glauben kann ist dass solche tatsachen wie im artikel beschrieben jetzt erst entdeckt werden. was kann da noch alles kommen?

Cthulluh
03
2.12.2011, 11:09
Das weltweite Klima ist einem permanenten Wandel unterworfen.

Das System reagiert hochsensilbel auf äussere Einflüsse, wodurch die vom Menschen verursachten zusätzlichen Emmisionen einem Spiel mit dem Feuer gleichen. Es stimmt schon, dass wir noch zuwenig über die globelan Klimaregelkreise wissen, aber dass unser künstlicher Beitrag alles verändert, daran besteht kein Zweifel. Sollen wir also einfach weitermachen wie bisher, da wir die Auswirkungen unseres Handelns nicht genau kennen?

August Hoffmann
01
7.12.2011, 18:16

"Es stimmt schon, dass wir noch zuwenig über die globelan Klimaregelkreise wissen, aber dass unser künstlicher Beitrag alles verändert, daran besteht kein Zweifel."

Preisfrage: Wer findet als erster den Widerspruch im obigen Satz?

Searles
 
10
8.12.2011, 00:17

Gibt keinen Widerspruch - im Grossen wissen wir alles (CO2 macht die Erde waermer), im Kleinen wirds aber kompliziert (wie wirkt sich das auf regionale Phaenomene/Meeresstroemungen/Winde etc...) aus?

hlg
00
2.12.2011, 15:01
oder anders ausgedrückt...

hätte es geholfen, wenn baron münchhausen nicht kräftig an seinem haarschopf gezogen hätte?

Cogito Ergo Dumm
01
2.12.2011, 10:28
Es gab Bäume, bevor der Mensch entstand,

und trotzdem sind unsere Wälder in Österreich großteils anthropogen beeinträchtigt. Es gibt da keinen Widerspruch.

kh g
00
2.12.2011, 09:29
Wir sollten den Glauben draußen lassen.

Abgesehen davon sind Menschen genauso Produkte der Evolution, also der Natur, wie der Vulkanausbruch oder der Meteoriteneinschlag, deren Auswirkungen auf das Klima bekannt sind.

Aber schön, dass der Vulkan keine Moral kennt, wenn er Leben auslöscht - wir hingegen schon.

1000undeine8
00
2.12.2011, 07:48

über solche zeiträume verschiebt sich die lage der erdachse und die entfernung der erde zur sonne. es kommt zu verschiebungen von dauer bzw. maximum- u. minimum-temperaturen der jahreszeiten, der lage von kalmenzone und rossbreiten, von monsunen (niederschlägen) und vegetationszonen. es wurden noch lange nicht von allen derzeitigen oder früheren seen sedimente ausgegraben, in scheibchen geschnitten und analysiert, um diese abfolge für jeden fleck der erde zu rekonstruieren. seit beginn der industriellen revolution und massiver treibhausgas-emissionen hat sich die lage der erdachse jedenfalls praktisch nicht geändert.

August Hoffmann
00
7.12.2011, 18:19

"seit beginn der industriellen revolution und massiver treibhausgas-emissionen hat sich die lage der erdachse jedenfalls praktisch nicht geändert."

Was wollen Sie damit sagen? Das die Veränderungen in diesem Zeitraum (haupsächlich) anthropogen sind?

1000undeine8
00
7.12.2011, 19:05

im wesentlichen, ja (dazu kommen sicherlich kleinere schwankungen der sonnen-aktivität, vulkanismus u.dgl.). die erdumlaufbahn fällt jedenfalls als ursache der jüngsten erwärung aus. sie ändert sich über jahrtausende und ist ziemlich exakt berechenbar, und zwar sowohl für die vergangenen als auch kommenden jahrtausende.

August Hoffmann
00
8.12.2011, 11:45

Wie erklären Sie sich dann z.B. die Abkühlungsphase in den 60er/70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts; also in einer Zeit, da noch niemand auch nur an die CO2-Reduktion dachte?

1000undeine8
00
8.12.2011, 12:24

naja, solche "abkühlungen" kommen – im kontext des langfristigen temperaturverlaufs betrachtet – immer wieder vor:

http://www.metoffice.gov.uk/hadobs/ha... rison.html

es ist ziemlich plausibel, dass die "delle" von ~1940-60 in erster linie auf schwefel-emissionen zurückgeht (aus kohle und schwefelhältigem öl). diese bilden aerosole, die sonnenlicht reflektieren und somit kühlend wirken (ähnlich wie vulkane. der ausbruch des tambora 1815 etwa hat der erde ein "jahr ohne sommer" beschert). die tatsächliche aerosol-belastung kann retrospektiv aber nur grob geschätzt werden. gemessen hat sie damals natürlich niemand.

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