Gesamtemissionsvolumen soll auf 27 bis 30 Milliarden Euro klettern
Wien - Um ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können, muss die Republik Österreich im kommenden Jahr um mindestens 30 Prozent mehr Geld aufnehmen als in diesem Jahr. Dies geht aus dem neuen Finanzierungsplan der für das Schuldenmanagement zuständigen Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA hervor. Demnach ist für 2012 die Aufnahme von 27 bis 30 Mrd. Euro geplant, wovon 20 bis 24 Mrd. Euro auf neue Bundesanleihen entfallen sollen.
Aufgrund der günstigen Budgetsituation mussten heuer nur 21 Mrd. Euro aufgenommen werden, davon rund 16 Mrd. Euro über Bundesanleihen. Geplant waren ursprünglich 22 bis 25 Mrd. Euro, davon 16 bis 19 Mrd. Euro an Bundesanleihen. Die restlichen Finanzierungen erfolgen etwa über Schatzscheine (T-Bills) oder European Medium Term Notes (EMTN). Dabei handelt es sich um mittelfristigen Schuldverschreibungen mit Laufzeiten zwischen ein und zehn Jahren.
"Was wir planen, hängt vom Budgetgesetz ab", erläuterte ÖBFA-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer am Freitag gegenüber der APA. 18 Mrd. Euro der geplanten Neuaufnahme sind demnach für Tilgungen fällig werdender Schuldpapiere, 9,2 Mrd. Euro für das geplante Defizit erforderlich. Mit den Tilgungen würde man sich wieder auf dem Niveau von 2005 und 2006 bewegen. In den Jahren 2013 und 2014 wird das bloße Tilgungsvolumen nach derzeitigem Stand 17,6 bzw. 24,4 Mrd. Euro betragen. Nicht dabei berücksichtigt sind Neuverschuldungen und Zinszahlungen. In den vorangegangenen Jahren 2009 und 2010 belief sich das gesamte Refinanzierungsvolumen auf 33 bzw. 27 Mrd. Euro.
Der Anteil Österreichs am gesamten Aufnahmevolumen in Europa bleibe bei 2 Prozent, daran habe sich nichts geändert, so Oberndorfer. "Wir belasten den Markt nicht nennenswert, damit spielen wir unseren Seltenheitswert aus", meinte die ÖBFA-Chefin. Für 2012 plant sie bis zu zwei syndizierte Emissionen bzw. monatliche Auktionen.
Österreich sei auch eines der Länder mit dem niedrigsten Refinanzierungsrisiko. In den kommenden zwölf Monaten würden nur rund 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) fällig. Österreich habe damit international einen der konservativsten Werte. Im Eurozonen-Schnitt beträgt diese sogenannte "roll over ratio" laut ÖBFA-Unterlagen 10,1 Prozent. Für Italien liegt dies zum Beispiel bei 18,3 Prozent. Den höchsten Wert hat Portugal mit 21,2 Prozent.
"Österreich ist sehr vorsichtig aufgestellt, sehr stabilitätsorientiert", so Oberndorfer. Nicht konkret äußern wollte sich die ÖBFA-Chefin, ob sie damit rechnet, dass das Triple-A-Rating auch im kommenden Jahr gehalten werden kann. "Die Kommentare der Ratingagenturen waren bisher durchwegs positiv. Wichtig ist jetzt, das auch die Umsetzungen erfolgen", so Oberndorfer in Richtung Politik. (APA)