Spielwarenfabriken in China

Wo Spielzeug hergestellt wird, hört der Spaß auf

2. Dezember 2011, 06:15

Eine ehemalige chinesische Arbeiterin berichtet von den Zuständen in einer Spielzeugfabrik – Dass dieses Werk vom Spielzeugverband zertifiziert und kontrolliert wurde, verbesserte ihre Situation nicht

Wien - Yang Yu weiß noch nicht, wo sie künftig arbeiten wird. Nur eines weiß die junge Frau ganz genau: "In die Spielzeugfabrik gehe ich sicher nicht zurück."

Fünf Jahre lang arbeitete Yang Yu, die aus Angst vor Repressalien ihren wahren Namen nicht preisgeben will, in einem südchinesischen Werk, das den Spielzeugkonzern Mattel beliefert. Am Donnerstag berichtete sie in Wien erstmals außerhalb ihres Landes über die Verhältnisse, in denen beispielsweise die Weihnachtsgeschenke der hiesigen Kinder unter Hochdruck hergestellt werden.

"Ich arbeitete täglich elf bis zwölf Stunden am Fließband, sechs Tage die Woche", erzählt sie. "Wir produzierten Spielzeugwagen für Mattel." Bezahlt wurden dafür 120 Euro im Monat - in der Hochsaison 250 Euro. Die Überstunden, die dafür zu leisten waren, wurden vom Unternehmen vorgeschrieben. Wollte jemand auf die Toilette, musste erst um Erlaubnis gefragt werden. Sozialversicherung? "Da hieß es, das könnten wir selbst entscheiden. Und wir müssten sie selbst bezahlen."

Rationiertes Warmwasser

Untergebracht war Yang Yu in einem Fabriksquartier, in dem pro Raum acht bis zehn Personen in Stockbetten schliefen. Pro Etage gab es nur eine Toilette. Für die Unterkunft wurden ihr fünf Euro vom Lohn abgezogen; Strom und Wasser mussten sie extra zahlen. Warmwasser war rationiert.

Gelegentlich habe es in dem vom Spielzeugverband zertifizierten Betrieb schon Kontrollen gegeben, erinnert sich Yang Yu. "Aber die waren immer angekündigt. Da gab es vorher immer Betriebsversammlungen, bei denen uns gesagt wurde, was wir auf Fragen antworten sollten."

140 Euro im Monat

Mattel erwartet heuer ein Umsatzplus von neun Prozent. "Die Kosten für diesen Erfolg tragen zum Großteil die chinesischen Arbeiterinnen", kritisiert Debby Chan von der NGO Sacom aus Hongkong. Auch die Recherchen von Sacom zeigten, dass die Arbeiterinnen in Mattel-Zulieferbetrieben im Schnitt nur rund 140 Euro monatlich verdienen und dreimal mehr Überstunden im Monat machen, als gesetzlich erlaubt sind.

Dabei ist Mattel nur ein Fall von vielen: "Mehr als 80 Prozent der in Österreich verkauften Spielsachen werden in China produziert", betont Claudia Bonk, Leiterin der von der NGO Südwind geführten Kampagne "Spielsachen fair machen". Ein Zertifikat für fair produziertes Spielzeug gibt es noch nicht - daher kann Bonk nur heimisches Holzspielzeug empfehlen. Und dass Konsumenten Druck ausüben, sich etwa bei Mail-Aktionen beteiligen. (frei, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2011)

Kommentar posten
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system1
01
7.12.2011, 09:28
fairtrade spielzeug-set für weihnachten:

1 stein plus 1 stück holz. macht dann € 23,50.- zusammen.....

William Archimedes
 
00
5.12.2011, 14:34
Fröhliche überall

Was ist mit den Kaffeebauern und Arbeitern auf der Bananaplantage in Afrika und Südamerika? Wie viel verdienen sie am Kaffepreis? Diese Welt wird von den Mächtigen regiert. Dass diese Scheinheiligen noch die Gutmenschen spielen, ist ekelhaft. Seit Jahren hat die EU Schuhe aus China und Vietnam mit Strafzöllen belegt. Der Lebensstandard hier ist ca. 10mal höher als in China und Vietnam!! Es gebit wenig Hoffnung in dieser Welt.

Truth is a Troll
00
5.12.2011, 10:08

Alle Jahre wieder....

Oldsgone
00
4.12.2011, 23:53
ja finde

ich sehr interessant... ist ja auch kein großes geheimnis (bei büchern ist es genauso wobei es da weniger arbeiter braucht natürlich)
lustig finde ich es ja wenn leute einem sagen das man da was ändern kann (ja stimmt kann man aber auch nur dann wenn man über 3000 euro verdient denn die produkte die dann fair sind wobei ich noch nie von einem fairen lego oder barbie püppchen gehört hätte) kosten ja doch gleich doppelt so viel wenn nicht mehr...
das viel von dem zeug bei uns landet ist schon seit beginn des neuen jahrtausends so also für mich persönlich haben die da einen ganz alten hut rausgeholt ich mein ja nur wer von den bedingungen in china nichts weiß oder kennt bei dem sind eh schon hopfen und malz verloren oder etwa nicht???

meresi
00
13.12.2011, 07:44
hopfen und malz verloren

richtig, aber geiz ist geil und gesundheit nicht von bedeutung...man kann natürlich ganz im reaktionären sinne spielzeug selbst fertigen für seine kleinen...

en ymmärrä
00
5.12.2011, 16:25

Solche Dinge kann man nicht oft genug sagen. Bloß weil bei Ihnen das Thema schon vor langer Zeit angekommen ist, heißt das nicht, dass es für den Rest der Österreicher auch zutrifft.

Mir geht´s aber so ähnlich, wenn jedes Mal zu Beginn der Grippesaison ein Artikel kommt, dass Antibiotika nicht gegen Viren helfen.

Bertel Mann
00
4.12.2011, 10:05
Da ist es doch wirklich von Vorteil, dass wegen solch läppischer Vorwürfe keine Strafzölle verhängt werden dürfen

Schließlich sind WTO-Regeln beständiger als Naturgesetze.

PERLENQWIEN
 
04
4.12.2011, 09:58
Mir soll Einer erzählen...

dass es hier anders wäre. Die Relation ist anders; sonst nix. Oben wird gescheffelt und unten gebuckelt.
Die Menschen sollen noch "dankbar" sein für ihre prekären Arbeitsplätze. Ekelhaft.

vikto1313
06
2.12.2011, 18:30
Ich weiß man kann und soll diese Dinge nicht vergleichen.

Aber wenn man genau hinschaut kann man erkennen wie das System auf der ganzen Welt funktioniert.

Was wir in China oder anderen Ländern sehen (wirklich kein Vergleich zu uns) funktioniert auch bei uns.

"Spanne Handel, Gewinn Aktionäre, Transport, Werbung: € 14.- (77 %) von € 18.- (Barbie)
Lohn: € 0,40.- 2,2%"

Die Reichen werden immer reicher! Genau darum. Man gibt der Masse immer weniger vom Kuchen ab und erzählt ihnen schlechte Konjunktur usw., in Wirklichkeit wird oben immer mehr abgeschöpft.

Noch einmal, man kann diese armen Hunde mit uns nicht vergleichen. Es ist raunzen auf hohem Niveau. Aber der Grundtenor bleibt gleich: Den kleinen wenig Rechte und wenig Geld. Den großen alle Rechte und alles Geld.

tramezzino
00
5.12.2011, 15:02

wenn so eine puppe 20 euro im laden kostet, dann gehen sofort 3,33 euro an den staat (= mwst).

könnte sofort alles billiger sein, wenn unsere handelsangestellten chinesische löhne hätte. aber oh wunder, sie arbeiten nicht für 120 euro.

orkney
 
10
2.12.2011, 17:01
Endlich ein vorweihnachtlicher Artikel bei dem sich meine Gutmenschenseele so richtig aufregen kann bevor ich für das Fest der Liebe kiloweise Konsumschrott heimschleppe

Also auch wenns keiner wahrhaben will, sag ichs trotzdem:
Durch die Produktion unserer geliebten (sofern billigen) Konsumartikel - sei es Spielzeug, Lebensmittel, Kleidung, Computer, Ferseher, etc - werden in anderen Ländern Erwachsene wie auch Kinder ausgebeutet, als Sklaven gehalten oder sogar getötet.
Schuld daran ist aber blöderweise nicht der böse böse Kapitalismus (ach wär das schön wenn wir einem die Schuld geben könnten) sondern leider jeder der sich dem Konsumwahn hingibt und nicht auf die "Annehmlichkeiten" des modernen Lebens verzichten will. DENN: Wenn auf einem Produkt "Made in (hier beliebiges 3.Weltland einsetzen)" UND "Fairtrade" steht ist eines der beiden Etikette gelogen!

gonjasufi
00
2.12.2011, 18:16

Im Artikel steht ja, dass es eben keine Fairtrade Spielsachen gibt ...

artista
00
2.12.2011, 22:29
fairtrade spielsachen gibt es im weltladen

zumindest ein paar wenige. aber ein problem unserer konsumgesellschaft ist es ja gerade die erwartungshaltung, jederzeit aus tausenden artikel wählen zu können.

GTV916
 
00
2.12.2011, 16:34
Barbie in der ...

... Spielzeugfabrik ;-)

Ravenspower
00
2.12.2011, 16:31
Mhhh

eine barbie kostet hierzulande EUR 18,-?
falls das stimmt.. hört sich günstig an im vergleich zu anderen sachen (zB. actionfiguren).
ich wette die barbies gingen auch um EUR 25.- das stück über den ladentisch.

Chris Quast
00
2.12.2011, 16:26

naja als kleinbauer im chinesischen hinterland versauern, und hoffen das nach einem jahr harter arbeit, die ernten einen über den winter bringen, ist ja auch nicht jedermanns sache.

sonja1978
01
2.12.2011, 16:13
axel schweiss
 
00
2.12.2011, 16:29

diverse Teile werden auch bei cuboro in billiglohnländern hergestellt

sonja1978
00
2.12.2011, 17:44

scheixxe. echt.
na, jetzt bin ich enttäuscht. :-(

Igypop83
41
2.12.2011, 15:16
die sollen gefälligst was arbeiten und nicht die ganze Zeit jammern!

wildwolve
00
4.12.2011, 23:03

Sie sollten denken und nicht nur tippen.

gonjasufi
00
2.12.2011, 18:17

Satire?

cout
02
2.12.2011, 16:41
Kannst bitte

Deine Staatsbürgerschaft mit der Dame tauschen. Die ist fleißig und leistet hier sicher mehr als ein Sprücheklopfer wie Du.

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