Zentralbanken öffnen Schleuse

Überflüssige Aktion

Kommentar | Lukas Sustala, 1. Dezember 2011, 18:20

Was immer noch fehlt ist eine langfristige politische Lösung für die Eurozone

Finanzierung zu versorgen. Dass die dringend benötigten Dollar und Euro jetzt etwas billiger und länger fließen, ist nett, löst aber das Problem in der Eurozone nicht.

Banken können bereits jetzt in die großzügigen Liquiditätspools der Europäischen Zentralbank eintauchen. Jedoch trauen sie sich nicht, mit anderen Instituten Geschäfte zu machen. Denn sie fürchten, dass sich andere Banken am europäischen Krisenvirus angesteckt haben, weil diese in der Vergangenheit zu intensiv an den Stränden von Griechenland, Italien und Portugal geplanscht haben.

Weil die Preise von Euro-Staatsanleihen fallen, gelten die Papiere nicht mehr als gute Sicherheiten. Geldinstitute mit hohen Beständen sind also von wichtigen Finanzierungsmöglichkeiten abgeschnitten. Erst wenn die Preise von Anleihen in Italien und Spanien wieder stabilisiert sind, wird sich der Engpass nachhaltig auflösen.

Das Pflänzchen Wirtschaftswachstum braucht kein Wasser der Zentralbanken mehr. Irgendwann versumpft das Geldsystem - so wie es in Japan passierte. Denn das Mehr an Liquidität landet doch wieder bei der Zentralbank, kommt aber nicht als Kredit beim Konsumenten an. Statt Wasser braucht es Sonne. Banken und Unternehmen müssen zu Investitionen angeregt werden. Dazu fehlt aber eine langfristige politische Lösung für die Eurozone. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.12.2011)

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00
2.12.2011, 15:37
Es gibt zu viel Geld, das verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten sucht.

Anstatt Geld in Werte unzusetzen, was die Leistungsträger eíner Gesellschaft tun würden, wird von Banken gesucht Geld in Zinsen umzusetzen - shit happens.
Lasst endlich Luft aus den Banken ab.

Ben Hur1
00
2.12.2011, 15:09

Es wird nicht lange dauern bis das zusaetzliche Geld bei den obersten Schichten angekommen ist. Und da es keine entsprechenden Gesetze gibt wird das zusaetzliche Geld erneut den unteren Schichten zum Konsumieren fehlen und somit die Industrie entsprechend entlassen muessen.

By the way:es ist genug Geld im Umlauf, theoretisch. Praktisch versumpert es eben und ist dem Kreislauf entzogen.

Moralapostel
 
00
2.12.2011, 11:27
überflüssiger Kommentar: EZB hat Recht!

Dass die Liquidititaet nicht ankommt in der Realwirtschaft, weiss die EZB sicher. Nur momentan ist es noch schlimmer: Liqiditaet wird abgezogen. Da muss sie freilich reagieren. Nicht dass damit Europa und die Welt gerettet waere, aber etwas Zeit zum Retten ist immerhin gewonnen. So wie es aber aussieht, wird Merkozy auch diese Zeit ungenutzt verstreichen lassen. Dann kriegen endlich all die Geldsystemuntergangsposter ihre Chance.

berg zum propheten
 
12
2.12.2011, 00:48

Herr Sustala, das System ist nicht so kompliziert, wie Sie vielleicht beigebracht bekommen haben. Ich male mal schwarzweiß für Sie, dann entwirrt sich Ihr Hirn schon. Also:

- Kredite und Zinsen sind schlecht. Niemand möchte einen Kredit haben müssen. Schon garnicht, um alte Zinsen zu zahlen.
- Im jetzigen System der Gelderschaffung durch die Zinsen der Banken ist mittlerweile 97% der Zahlungsverpflichtung der Banken nicht gedeckt, das ist schwerer Betrug; das überschüssige Geld gehört ersatzlos vernichtet.

Banken die auf Kredite von anderen Banken angewiesen sind, um "liquid" zu sein, sind also doppelt schlecht. Also ich bin froh, wenn die weg sind (und die Betrüger im Knast), Sie nicht?

Moralapostel
 
00
2.12.2011, 11:14
Alles Betrüger?

Wenn das stimmt, was sie sagen, spielen wir doch alle mit bei dem Betrug, und leben eigentlich recht gut damit. Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass bei 97% Geldvernichtung die Realwirtschaft unbeschadet davonkommt?

berg zum propheten
 
00
2.12.2011, 15:32

ad: Realwirtschaft unbeschadet.

Wir werden uns darauf einstellen, dass in Zukunft einfach nur mit realen Werten gehandelt wird. Das erzeugt dann keinerlei Zinsen/Wachstumszwang, ist also eine große Befreiung. Die Realwirtschaft bzw. die Verbraucher nehmen im derzeitigen System den Schaden, da sie die ganze Zinsvermehrung zu zahlen haben. Genau deshalb ist das gesamte Schuldgeldsystem ja bankrott.

Es bedeutet ja nicht, dass man sich dann kein Geld mehr leihen könnte. Im Gegenteil, es gäbe dann immer noch eine Steuer auf Geldbesitz (derzeit USt genannt). Also werden alle, die Geld haben, das sie nicht ausgeben können, versuchen es möglichst schnell zu verleihen. Nur kann sich das Geld halt nicht von selbst vermehren.

berg zum propheten
 
00
2.12.2011, 20:01

Sorry, da hab ich einen Denkfehler drin. Kredite in der produktiven Wirtschaft sollten ja durch reale Sicherheiten gedeckt sein, und somit müssten diese Kredite in die neue Währung getauscht werden. Die Kredite würden also bleiben, und damit auch die Kaufkraft, nur die Zinsen würden der Geldsteuer weichen.
Aus der Geldsteuer kommt ein Teil des BGE, und so fließt diese Steuer wieder zum Unternehmer zurück. Das könnte einen Investitionsboom anstoßen.

berg zum propheten
 
00
2.12.2011, 15:14

Sie wissen wohl nicht, wie (Schuld-)Geld funktioniert. Wird eine Schuld eingelöst, dann muss das Geld vernichtet werden. Wir können es uns aussuchen: entweder 97% Teuerung (Inflation ist bereits geschehen, nur ist das Geld nicht im Umlauf), wenn die bankrotten Banken ihe ungedeckten Schecks auf den Markt werfen, oder Schuldausgleich. Zweiteres heißt einfach, die Schulden werden den Guthaben gegengerechnet. Damit ist die Realwirtschaft mit einam Schlag schuldenfrei, es bleibt die Konkursmasse der Bank, mit der möglichst gerecht die Spareinlagen bedient werden (Auszahlung in neuer Währung). Es geht dabei ja nix verloren, weil es sich nur um Zahlen handelt, nicht um reale Werte.

Epikouros
00
2.12.2011, 00:15
"Irgendwann versumpft das Geldsystem"

Jedes mal wenn die Zentralbanken für Liquidität sorgen steigen Aktienkurse und Rohstoffe - ein Zeichen dafür, dass das Geld nicht dort ankommt wo es benötigt wird, sondern zur Spekulation verwendet wird.

Steigende Rohstoffe sind jedoch keinesfalls im Sinne Europas. Dadurch verschlechtert sich die Leistungsbilanz. Europa gerät noch tiefer in die Schuldenkrise.

Solange die Liquidität nicht gezielt für Kredite, sondern per Gießkanne auch den Investmentbanken zukommt, ist die Geldschwemme mehr schädlich als nützlich.

sutpen
00
1.12.2011, 21:07

und wie sollen die preise von europäischen staatsanleihen stabilisiert werden? mit sparpaketen wie in griechenland? hat dort wirklich super funktioniert...

und je mehr staaten gleichzeitig sparen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die sparmaßnahmen greifen. ein einzelner staat kann so unter umständen seine wettbewerbsfähigkeit erhöhen und aus der krise kommen (es gibt aber nur sehr wenige beispiele für eine erfolgreiche austeritätspolitik). spart eine große wirtschaftsmacht wie europa, kann das nicht funktionieren - in china und indien bringen wir unsere waren sicher nicht an.

ino
01
1.12.2011, 20:39
wie wärs statt schlamiger metaphern mit ordentlicher analyse?

das versumpfte geldsystem, das an zu viel liquidität zugrunde geht, müssen sie uns beizeiten mal näher erklären. zur erinnerung: japan hatte deflation, dort die liquidität der banken durch geldpolitische kontraktion zu verringern wäre absolut tödlich.

die ezb flutet den markt weil sie großen liquiditätsmangel befürchtet. wie damals, nach lehman, sie erinnern sich vielleicht.

dass diese liquiditätshilfe nicht automatisch die kreditvergabe erhöht, geschenkt. aber ohne diese liquidität gehen die banken sehr schnell pleite, und dann steigt die kreditvergabe bestimmt nicht. und zwar für sehr, sehr lange.

QUANTUM
00
2.12.2011, 07:01

die steigt jetzt auch nicht, da schlechte wirtschaftsaussichten bestehen. die presse formuliert noch ihr übriges dazu.

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