Besuch bei Einsatz-Team

Justizwache: Die schnelle Eingreiftruppe hinter Gittern

Reportage | 1. Dezember 2011, 18:10
  • Artikelbild
    foto: andy urban

    Die Einsatzgruppe der Justizwache beim Training in Österreichs größtem Gefängnis, der Justizanstalt Josefstadt in Wien. Die Kommandos gibt Maria Wagner (links).

Einsatzgruppe ist bewaffnet bis an die Zähne – Doch ihre stärksten Waffen hinter Gittern sind Worte

Wien - Als Maria Wagner 1995 zur Justizwache kam, waren Frauen außerhalb der Frauenvollzugsanstalt Schwarzau in diesem Beruf praktisch nicht vorhanden. Heute trainiert die Niederösterreicherin die spezielle Einsatzgruppe für brenzlige Situationen in Österreichs größtem Gefängnis, der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Am Donnerstag gewährte das Justizministerium Journalisten einen seltenen Blick hinter die sonst verschlossenen Kulissen.

132-mal kam es heuer im Grauen Haus zu einer Alarmauslösung hinter Gittern, alle Einsätze verliefen ohne Verletzungen. "Blaue Flecken ausgenommen", meint Peter Hofkirchner, der Leiter der Einsatzgruppe.

In voller Montur sehen die Männer und Frauen aus, wie die Kollegen von der Wega, der schnellen Eingreiftruppe der Wiener Polizei. Auch sportlich gelten ähnlich hohe Anforderungen. Zum wöchentlichen Training direkt im Gefängnis gehören Läufe im Stiegenhaus: acht Stockwerke, vier Mal rauf und runter, dazwischen wird die Kenntnis von relevanten Gesetzen abgefragt.

Psychische Belastung

In jeder heimischen Justizanstalt haben 15 bis 20 Prozent des Justizwachepersonals die Spezialausbildung. Der Zulauf ist enorm, doch viele Bewerber scheitern am Eignungstest. Vor allem die psychische Belastbarkeit muss hoch sein. "Es ist nicht lustig, beispielsweise Menschen in psychischen Ausnahmesituationen davon abzuhalten, Suizid zu begehen. Du weißt nie, wie jemand reagiert, der vielleicht schon die halbe Zelle demoliert hat", sagt Maria Wagner, die Worte als ihre stärkste Waffe bezeichnet.

Abgesehen davon stehen der Justizwache-Einsatzgruppe folgend Waffen zu Verfügung: der Mehrzweckstock, in dessen abschraubbarer Kappe sich ein kleines Messer befindet, Pfefferspray, eine Pistole (Glock 17) mit dreifach gesichertem Holster, ein Sturmgewehr und ein Taser.

Gefürchteter Anblick

Schusswaffengebrauch im Gesperre, wie der innere Bereich einer Haftanstalt genannt wird, ist selten. Zu den meisten Einsätzen rücken die Spezialisten auch in der normalen Justizwache-Uniform aus. Oft reiche allein der Anblick des Tasers, um etwa Streit unter Insassen zu beenden.

Vor vier Jahren kam es in der Josefstädter Justizanstalt zu einer Geiselnahme, die ohne Verletzte aufgelöst werden konnte. Im Vorjahr wurde ein ähnlicher Vorfall bereits im Keim erstickt. Als direkte Konsequenz ließ die Justizwache eine Einsatzmöglichkeit testen, die erst vor kurzem, also eineinhalb Jahre später, für negative Schlagzeilen sorgte.

Reizgas-Versuch ging schief

Bei einem Versuch mit Reizgas war anscheinend die Dosis zu hoch und raubte einem Justizwachebeamten, der freiwillig als Versuchskaninchen fungierte, schneller und länger den Atem, als geplant. Bei einer zu Hilfe gerufenen Krankenschwester zeigten sich einige Tage danach Symptome einer Vergiftung. Die Frau ist bis heute nicht arbeitsfähig. Da ein Verfahren anhängig ist, ist Generalleutnant Peter Prechtl von der Vollzugsdirektion zurückhaltend mit Auskünften.

Den Vorwurf, dass die Sache vertuscht worden sei, weist Prechtl aber zurück. Der Versuch sei auf Video festgehalten worden, das später zu einem Schulungsvideo verarbeitet worden sei. Es seien keine relevanten Szenen herausgeschnitten worden. Der Reizgas-Deal mit einer oberösterreichischen Firma fiel jedenfalls ins Wasser. (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2011)

Wissen

In Österreich gibt es 27 Justizanstalten. Am Stichtag 1. November befanden sich 8815 Personen hinter Gittern, davon 6006 in Strafhaft (sechs Prozent sind Frauen). 153 verurteilte Straftäter dürfen derzeit im elektronisch überwachten Hausarrest den Rest ihrer Strafe absitzen. Der Strafvollzug ist Arbeitgeber für 3950 Bedienstete, 2140 davon gehören der Justizwache an (Frauenanteil: 13 Prozent). Die Einsatzgruppen-Spezialausbildung haben 671 Beamte.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2
tassen im schrank
01
5.12.2011, 16:58
Ich finds super, dass es jetzt auch bei der Justiz eine schnelle Eingreiftruppe gibt!

Potential gäbe es meiner Meinung noch bei den Parksherrifs und der Müllabfuhr.

HeartbreakOne
00
12.12.2011, 04:58

Bei der MA48 gibt es sie doch schon, die Elitetruppe "Kehrforce".

steppenking
20
3.12.2011, 20:04
8815 Insassen : 3950 Bediensteten

Sehe bei diesem Verhältnis bei letzterer Truppe gewaltiges Einsparungspotential. Und gut, dass die auch hinter Gittern sind. Größtenteils jedenfalls, aber das sind die Straftäter ja auch.

yotix
 
00
5.12.2011, 13:34

Ein Häftling ist 24 Stunden am Tag anwesend, ein Beamter (außerhalb seines Urlaubs) vermutlich acht. Man braucht also drei pro Tag, macht 8815:1316.

Wenn wir 4 Wochen Urlaub im Jahr rechnen, bleibt dann 8815:1206.

Beim Militär geht man meist von einer Rate von 1 Kampfsoldat : 10 Schreibtischpiloten (Versorgung usw) aus. Justizwache keine Ahnung, 1:5? Dannhätten die 200 Prügelknaben pardon Experten für Zugriff und Sicherung; Rest Verwaltung Offiziere Hausmeister Ausbilder Papierkram.

(Wie nahe an die Realität das rankommt, keine Ahnung. Es klang aber unfair, 8815:3950 zu behaupten, ohne genauer hin zu schauen)

steppenking
20
5.12.2011, 21:20

Ich habe genau hingesehen und deswegen klingtvdas für mich mehr nach Sanatorioum als Gefängnis.
Aber mein Verständnis von Gefängnis ist halt dem der Amis viel näher.

Thomas Höbelt
 
01
2.12.2011, 16:12
Also es gibt sicher Situationen,

die auch diese Eingreiftruppe mit Worten löst, in der Regel kommen selbige aber erst zur Anwendung, wenn alle Insassen der fraglichen Zelle, sagen wir's mal euphemistisch, "fixiert" worden sind.

spitzenkandidat.2.0.
107
2.12.2011, 13:11
Wenn Propaganda ...

... als Reportage verkauft wird ...

Inconnu
02
2.12.2011, 17:38

ein bissi paranoid sind Sie aber schon, oder?

derPolizist
32
2.12.2011, 17:09

sie sollten eine eigene Zeitung gründen, wo nur das drinnen steht, was in ihr Weltbild passt...

yotix
 
02
2.12.2011, 14:34

Naja, irgendwie muss man ja (so als Staat oder Gesellschaft) Gewalt im Häfen schon bekämpfen (und vermeiden) können.

Nun hast die Wahl: Eine Spezialtruppe, die auf solche Einsätze spezialisiert ist und die häufigsten Situationen direkt vor Ort immer wieder trainiert ... oder holst bei Problemen im Bau normale Beamte, die dann weder die Räumlichkeiten noch die Eigenheiten der Insassen kennen? Letzteres klingt nach einem Rezept für schwerste Probleme einschließlich Toter.

fram
54
2.12.2011, 13:18
Sie haben recht....

...diese Truppe sollte man abschaffen,...genau so wie alle Gefängniswerter. Lass ma unsere Knakis lieber frei in der Gegend herumlaufen....! Bin gespannt, ob sie dann noch immer Propagandavorwürfe gegen diesen Beruf hägen.......!

Ramsay Bolton
03
2.12.2011, 16:21

"Werter" "Knakis" "hägen" ... Sie sollten echt mal nen Rechtschreibkurs besuchen, bevor Sie hier Ihre Obrigkeitstreue öffentlich zur Schau stellen.

spitzenkandidat.2.0.
45
2.12.2011, 13:40
Am Donnerstag gewährte das Justizministerium Journalisten einen seltenen

Alleine schon diese Wörter verraten, dass für diesen Artikel (bzw. Reportage) weder seriös und kritisch, noch in irgendeiner anderen Art und Weise recherchiert wurde.

Der Staat würde mich als kritischen Journalisten ja bestimmt an einem vorgegebenen und im Voraus geplanten Termin ins Häfn einladen, damit ich sehe, wie vor mir jemand niedergetasert wird ... und die Justizbeamten werden natürlich alle sicherlich nicht bereits vorher einstudierte Geschichten erzählen, bzw. Antworten auf bestimmte Fragen geben,...

Das war nichts weiter als ein kurzer Pressetermin, mit ein paar Promofotos, und einem nett geschriebenen Artikel. Und das wird dann in einer Qualitätszeitung als Reportage verkauft.

Truth is a Troll
43
2.12.2011, 13:59

geh in häfen, mach nen aufstand dort dann kannst du nen life bericht schreiben.

Was hast du erwartet? das sie warten bis ein aufstand ist und schreien "hey kommts gschwind und machts fotos"?

dann wärst du auch der erste der schreien würde.

fram
23
2.12.2011, 13:50
Ähm...ja....und?

Das entspricht einer klassischen Firmenpräsentation oder einer Hauptversammlung. Die Steuerzahler (bei einem Unternehmen wäre das zB der Aktionär oder der Käufer des Produktes) wird nie die ganze Wahrheit erfahren und immer nur ein geschöntes Bild der Realität bekommen. Tragen sie zB Markenkleidung? Na dann hinterfragen sie mal die dortige Lage. Oder haben sie schon mal eine Werbeeinschaltung eines x-beliebigen Herstellers gesehen, wo Ihnen das Arbeitsumfeld der Arbeiters gezeigt wird?
Oder haben sie die letzte große Story bzgl der Ersten Bank mitbekommen (Off-Balance CDS Portfolio).

Staat verhält sich wie Unternehmen auch.

Zu der Auswahl Ihres bevorzugten Qualitätsmediums: Wenns Ihnen ned passt, dann lesens halt was anderes!

nihil obstat
02
2.12.2011, 16:19

DER STAAT IST KEINE FIRMA.

Wie laut muss man das hier noch wiederholen, um endlich solch struntzdumme Vergleiche zu unterbinden?

Für staatliches Handeln gilt der Art 18(1) B-VG, für privates nicht.

fram
23
2.12.2011, 13:18
Sie haben recht....

...diese Truppe sollte man abschaffen,...genau so wie alle Gefängniswerter. Lass ma unsere Knakis lieber frei in der Gegend herumlaufen....! Bin gespannt, ob sie dann noch immer Propagandavorwürfe gegen diesen Beruf hägen.......!

WilWil
711
2.12.2011, 12:34
die ganzen oberschlauen autoritätsproblematiker sollten mal ine woche dienst in stein leisten.

unfassbar, wie eine berufgruppe, ohne der es definitiv nicht geht, angeprangert wird.
oder eine woche als kiberer im einsatz würd vielen auch nicht schlecht tun, würd sicher helfen, die sicht der dinge ein bisserl gerade zu rücken.

Matjis
55
2.12.2011, 11:48

Bei einem Versuch mit Reizgas war anscheinend die Dosis zu hoch und raubte einem Justizwachebeamten, der freiwillig als Versuchskaninchen fungierte, schneller und länger den Atem, als geplant. Bei einer zu Hilfe gerufenen Krankenschwester zeigten sich einige Tage danach Symptome einer Vergiftung. Die Frau ist bis heute nicht arbeitsfähig.

Aber aufs eigene Volk wird bei Demos munter losgesprayt!!

Truth is a Troll
13
2.12.2011, 14:20

Bei welcher Demo gabs sowas in Ö?

meinrad
01
2.12.2011, 18:55

http://polilog.wordpress.com/2009/05/0... nstration/

da sieht ma am schluss vom video sogar die polizisten weinend herumsitzen, die selber was abgekriegt haben

WLG
02
2.12.2011, 15:48

unter anderem bei der vorletzten Anti-WKR-Demo, also 2010. Da gibt es ein Youtube-Video, in dem deutlich zu hören ist:" Pfefferspray ausse und eine do amoi!", ohne dass es gerade eine unmittelbare Gefahr für irgendetwas oder -jemanden gegeben hätte.

zB hier:
http://www.youtube.com/watch?v=vOqQrod-5Rw bei 4:40

yotix
 
00
2.12.2011, 13:51

In Österreich hab ich erst sehr selten von missbräuchlichem CS-Einsatz gehört.

Das ist in der Schweiz oder Deutschland anders.

Der Unkurze
00
2.12.2011, 14:16

meines wissens nach ist es pfefferspray, und nicht cs

yotix
 
00
3.12.2011, 15:34

Ooops, ich dachte CS steht für Capsaicin. Hab's gegoogelt, Danke für den Hinweis.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.