Lokal im 4. Bezirk

Eisern in die neue Zeit

3. Dezember 2011, 11:00
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    foto: gerhard wasserbauer
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    Alles wie immer, außer dass plötzlich Harald Riedl aus der Küchentüre lugt: Gasthaus zur Eisernen Zeit, Naschmarkt.

Die Eiserne Zeit am Naschmarkt wurde verkauft - Jetzt ändert sich manches - damit alles beim Alten bleibt

Dass das Gasthaus zur Eisernen Zeit, diese vielleicht letzte, noch aus der Entstehungszeit herübergerettete Ikone des Naschmarkts, schon seit dem Frühling neue Besitzer hat, war selbst Stammgästen kaum aufgefallen. Unverändert der mit kaltem Rauch durchsetzte Gulaschduft, der das Lokal und jeden Gast seit Generationen imprägniert. Unverändert wie der prächtig patinierte Gastraum auch die Preise, die nur sehr träge auf Indexsteigerungen reagiert zu haben scheinen. Nur dass hier seit vergangener Woche einer der besten Köche der Stadt am Herd steht, ist neu.

Harald Riedl, der zwischen Schwarzem Kameel, Vincent und dem (seit dieser Woche an einen neuen, italienischen Betreiber vergebenen) Riegi schon vielerorts aufgekocht hat, justiert hier in den kommenden Wochen die Küchenleistung neu. Die Eiserne Zeit wurde nämlich von denselben, auf Diskretion bedachten Investoren übernommen, die auch das Dombeisl in der Schulerstraße gekauft haben und gerade einem aufwändigen Totalumbau unterziehen - auf dass eben Riedl da ab Ende Jänner in einer offenen Küche so entspannt wie hochklassig aufkochen möge.

Innereien und Desserts

In der Eisernen Zeit hingegen soll sich möglichst gar nichts ändern. Okay, Küche und Klo werden nach Neujahr etwas adaptiert. Auch Liljana Wampula, die seit bald 15 Jahren für die gleichbleibend urwüchsige Qualität des Gulaschs, der Fleischknödel wie auch des routiniert Gebackenen verantwortlich ist, soll in Hinkunft von einem Koch aus der Riedl-Schule unterstützt werden, um das Repertoire um zeitgemäß variierte Innereien und Desserts zu erweitern. Bis das Dombeisl fertig ist, wird sich hier aber Riedl selbst die Zeit vertreiben - konkret in der Frühschicht, täglich bis 16 Uhr.

Dementsprechend wird nun ein Beuschel samt flaumigem Semmelknödel serviert, das zwar ganz wirtshausklassisch mit Gulaschsaft umkränzt ist, in seiner rieslingsauren Eleganz aber deutlich über das hinausweist, was man sich hier erwarten würde. Nur der Preis, sieben Euro fünfzig, bleibt davon unbeleckt.

Auch sonst will sich Riedl dem widmen, was in der Wirtshausküche unter "fertige Speisen" firmiert: langsam geschmorten Schweinsbackerln etwa, Gesottenem oder kräftig abgeschmeckten Linsengerichten, mit denen auch die zweite Schicht die Kundschaft verwöhnen kann. Die Eiserne Zeit ist schon so etwas wie eine Weihestätte der Wiener Wirtshausseele. Dass sie nun in so verständige Hände kommt, stimmt froh. (Severin Corti/Der Standard/rondo/02/12/2011)

Zur Eisernen Zeit
Naschmarkt 316-320
1040 Wien
Tel.: 01/587 03 31
Mo-Sa 10-23, Küche bis 21.30 Uhr
VS € 2,40-7,50 HS € 7,50-14,50

Fotos: Gerhrad Wasserbauer

Kommentar posten
10 Postings
su shi
00
ich dachte mir schon

irgendwas ist falsch.- aber gut vielleicht nur anders - und anders muss nicht schlechter sein - kann aber- desshalb mist. es war so das es besser nicht sein könnte - desshalb - mist.

Emil Sacklinger
 
00
5.12.2011, 15:28

danke für den blick auf den teller.

(an diesem lokal geh' ich eisern vorbei)

El Lute
00
5.12.2011, 13:35
Wissen über Ortskenntnis

dürfte bei Herrn Severin Corti, dem Verfasser der Reportage, nicht ausgeprägt sein. Das gesamte Naschmarktgebiet liegt im Sechsten und nicht im Vierten Bezirk.

legal eagle
 
00
9.12.2011, 11:19

aber erst seit heuer...

torch
 
00
3.12.2011, 13:48
"Unverändert der mit kaltem Rauch durchsetzte Gulaschduft, der das Lokal und jeden Gast seit Generationen imprägniert."

Na gut, deshalb bin ich da nie mehr hineingegangen, denn "kalter Rauch" vertreibt jede Lust am Essen und Genießen und das wird dann auch so bleiben.

Mycroft Holmes
03
3.12.2011, 12:48

Was bitte? Es sei den "Stammgästen nicht aufgefallen"?? Bledsinn. Die bewährte Belegschaft plus Stammgäste sind vom neuen Wirt (der mittlerweile zum Glück schon wieder ersetzt wurde) systematisch vergrault worden, und finden nur zizerlweis und spärlich zurück. Und jetzt wirds wohl endgültig ein Touristen-Edelbeisl, na super. Passt wenigstens 1A zu den schicken neuen Naschmarkt-Andenkenstandln.
(Wann macht dort eigentlich der erste Svarowski-Store auf?)

Der Manner
01
3.12.2011, 15:08

Zustimmung. Aber der Georg wird sich freuen und beim Landsknecht is das Bier auch gut. Die Stammgäste finden sich dort auch überall immer wieder wieder zusammen.

Mycroft Holmes
00
3.12.2011, 15:18

Landsknecht find ich aber von der Atmosphäre her ganz, ganz übel.

Der Manner
00
3.12.2011, 15:25

Wahrscheinlich sind wir uns auch schon begegnet.

Der Manner
00
3.12.2011, 15:24

Für mich machen die Leute, die ich dort treff, die Atmosphäre...

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