Von Barem, Tiger Lily und Weihnachtsmärkten

1. Dezember 2011, 18:27
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Auch die Münze Österreich soll die Briefkastenfirma Venkoy in Anspruch genommen haben, etwa als der Münze beim Auftrag für die Aseris Schaden drohte

Wien - Der Rechnungshof prüft nun die Nationalbanktochter Münze Österreich AG, die Entscheidung dazu ist freilich vor Aufkommen des Schmiergeldverdachts in der Banknotendruckerei (OeBS; Schwester der Münze) gefallen. Interessant könnte die Durchleuchtung schon werden; ermittelt doch die Staatsanwaltschaft auch gegen Ex-Manager der Münze. Sie werden durch Aussagen von Beschuldigten belastet.

So sagte der vormalige OeBS-Chef Michael Wolf (pensionierter Leiter des Rechnungswesens der Nationalbank, OeNB) aus, das "gesamte Konzept, wie man zu Aufträgen kommt" sei von zwei Ex-Münze-Managern "in die OeBS gebracht" worden. Die zwei und "ihr Know-how" seien auf Basis eines Kooperationsvertrags Münze- OeBS ins Haus gekommen.

Ex-Münze-Manager Kurt M. (war kurz auch Chef der OeBS und bis 2010 im Aufsichtsrat) wurde im Herbst 2010 in die Pension verabschiedet; nach Problemen mit seiner Gesundheit und Firmenkreditkarten-Abrechungen. der Standard betont, dass die Beschuldigten die Vorwürfe zurückweisen und für alle die Unschuldsvermutung gilt.

Schlechte Münzen

Aus Akten ergibt sich, dass die panamesische Briefkastenfirma Venkoy auch für die Münze tätig war. An Venkoy floss das Geld für die Provisionen, mit denen auch Probleme bei Auftraggebern gelöst wurden. Nach außen hin trat die heute 72-jährige Erika R. (E-Mail-Adresse: "Tiger Lily") als Venkoy-Vertreterin auf; sie soll aber nie aktiv geworden sein. Der große Aserbaidschan-Auftrag etwa umfasste die Lieferung von Banknoten und, via Sub-Auftrag, auch jene von Münzen - angeblich 400 Millionen Stück. Allerdings fanden die Aseris die Münzen schlecht, sie hätten den falschen Metallgehalt.

Die Folge: Den Österreichern drohte die Nachproduktion und eine Preisreduktion, "der Schaden wäre in den Millionenbereich" gegangen, sagte ein Beschuldigter jüngst aus. Die Angelegenheit genoss offenbar höchste Priorität. Sie habe zu Gesprächen zwischen den Notenbankgouverneuren Österreichs und Aserbaidschans geführt. Und: "Letztlich konnte das Problem gelöst werden". Wie? Venkoy wurde eingeschaltet - mit dem Erfolg, dass "nur ein geringer Teil (Münzen, Anm.) nachproduziert werden musste und es zu keiner Preisreduktion kam".

Besuche von Aseris in Wien spielen auch bei den umstrittenen Spesenabrechnungen der ehemaligen OeBS-Vertriebsmanagerin eine Rolle. Von der OeNB beauftragte Sonderprüfer analysierten 2350 Einzelbelege sowie Abrechnungen für 200 Reisen (an 257 Destinationen). Allein die 342 Ersatzbelege (mangels Originalbeleg von der Managerin nachträglich handschriftlich erstellt) machten 61.000 Euro aus; genehmigt wurden sie laut Prüfbericht "beinah ausschließlich durch Wolf".

Die Managerin argumentierte, dass "in vielen Fällen Belege nicht leicht erhältlich waren, etwa im Ausland oder auf Weihnachtsmärkten" (wo sie Gastgeschenke erstanden habe). Die Prüfer fanden freilich auch Ersatzbelege für Ausgaben in Österreich, "Bewirtungen bei Heurigen oder in namhaften Restaurants" oder eben auf Weihnachtsmärkten. Dafür "besteht keinerlei Veranlassung".

7900 Euro bar im Sacher

Beleg Nr. 41001384 beschäftigte die Prüfer besonders. Die OeBS-Managerin hatte 7900 Euro in bar bezahlt - für eine Rechnung im Hotel Sacher. Solche Beträge "in bar zu bezahlen, entspricht nicht dem gewöhnlichen Geschäftsverkehr", kritisieren die Prüfer.

Die Rechtfertigung der dermaßen Gescholtenen lautete so: Zwar habe die OeBS die Rechnung der beiden aserbaidschanischen Herren (Notenbanker) bezahlt, die Rechnung sei aber auf die Aseris ausgestellt worden. Sie selbst habe aus organisatorischen Gründen "an Ort und Stelle" zahlen müssen, Barzahlung habe sie als "für mich unproblematischste Zahlungsform gewählt. "Bargeld habe ich sehr oft - in diesen Betrag auch weit übersteigender Höhe - mit mir geführt." Denn: Ihre Reisen hätten sie oft in Länder geführt, wo Kreditkarten nicht funktionieren, "und man ohne Bargeld hängenbleibt". (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.12.2011)

  • Die Gelddrucker aus der Garnisongasse waren großzügige Gastgeber und Geschenkemacher.
    foto: standard/pfarrhofer

    Die Gelddrucker aus der Garnisongasse waren großzügige Gastgeber und Geschenkemacher.

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