An der schönen seichten Donau

  • Die Donau im Raum Greifenstein: Aufgrund des niedrigen Pegelstands ragt 
der Schotter aus dem Wasser. Die Feuerwehr in Greifenstein kann mit 
ihren Booten derzeit keinen Einsatz fahren, da die Schiffsanlage 
trockenliegt.
    foto: apa/pfarrhofer

    Die Donau im Raum Greifenstein: Aufgrund des niedrigen Pegelstands ragt der Schotter aus dem Wasser. Die Feuerwehr in Greifenstein kann mit ihren Booten derzeit keinen Einsatz fahren, da die Schiffsanlage trockenliegt.

Der sinkende Donau-Pegel schränkt den Frachtschiffverkehr, die Stromerzeugung und Feuerwehren ein

Wien/Krems - Österreich wartet seit Ende Oktober vergeblich auf Regen. Entsprechend niedrig sind die Pegelstände der Flüsse und Seen. Auf der Donau sorgt dies für mehrere Probleme. Während die Personenschifffahrt derzeit - noch - keine Beeinträchtigung spürt, dürfen Frachter nur mit 25 Prozent der normalen Beladung über die Donau schippern. Die Auswirkung: "Es werden andere Verkehrswege gewählt", sagt Bettina Pepek von der Via Donau, zuständig für die Wasserstraße in Österreich.

Teilweise Sperren der Donau wie sie Ende November in Serbien verhängt wurden, gelten dennoch nicht in Österreich. Schiffe würden einfach in andere Fahrrinnen gelotst. Die zwei Schiffsunglücke von November seien auch nicht auf den niederen Wasserstand zurückzuführen, sagt Pepek.

In der Wachau lag der Pegel am Donnerstag bei 1,47 Meter, an Stellen östlich von Wien gar bei 1,25 Meter. Zum Vergleich: In Kienstock in der Wachau war das Wasser am Donnerstag 1,54 Meter tief, der Tiefststand im Dezember des Vorjahres betrug rund einen halben Meter mehr. Ungewöhnlich niedrig seien die Pegelstände zu dieser Jahreszeit nicht, sagt Pepek. Ungewöhnlich sei aber sehr wohl, wie lange dieser Zustand bereits andauert. "Das verschärft die Situation." Normalerweise sei nach ein paar Tagen alles wieder normal.

Anlegestellen auf dem Trockenen

Dass dies derzeit nicht der Fall ist, wirkt sich auch auf die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren im Bezirk Krems aus. Ihre Bootsanlegestellen liegen im Gebiet zwischen der Stadt Krems und Spitz auf dem Trockenen - etwa in Greifenstein und Weißenkirchen. Sollte dort auf der Donau also ein Bootsunglück passieren, bräuchte die Feuerwehr etwa 30 Minuten für die Anfahrt, wie Bezirksfeuerwehrkommandant Martin Boyer schildert. Er vermutet, dass seine Kollegen in anderen Bezirken ähnliche Probleme quälen.

Auch Stromerzeuger bekommen den Wassermangel zu spüren. Am Donnerstag konnte ein Viertel weniger Strom durch Wasserkraft produziert werden als an normalen Tagen. Vor allem in Salzburg, Tirol und Bayern brauche es Niederschlag, damit die Donau mehr Wasser trägt.

Doch starker Regen ist nach Informationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik nicht in Sicht. "Bis Sonntag gibt es höchstens leichte regionale Regenschauer", prognostiziert Meteorologe Thomas Turecek. "Ein Tropfen auf den heißen Stein." Ein "großes Niederschlagsereignis", dass den Zustand auf der Donau entschärfen würde, sieht der Experte auch in den nächsten ein bis zwei Wochen nicht eintreten.

Flussbauprojekt genehmigt

Neben Wassermangel hat die Donau noch ein anderes Problem: ihre Eintiefung, weil Fließwasser Geröll abtransportiert. Am Donnerstag gab das Land Niederösterreich grünes Licht für das Flussbauprojekt Bad Deutsch-Altenburg der Via Donau, bei dem Maßnahmen gegen die Austrockung der Auen durch die Eintiefung östlich von Wien getestet werden sollen. Ursprünglich hatte das Land das Projekt gestoppt. "Mit verschärften Auflagen" wurde es nun genehmigt. Der WWF begrüßte den Schritt, der Umweltdachverband fürchtet dagegen "massive Eingriffe in das Flussökosystem". (Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2011)

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