Die Revolution, wie sie Steve Jobs sah

11. April 2012, 18:03
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Über Apple als "seelenlosen" Konzern und die Errungenschaften des Visionärs

Wired-Autor Steven Levy streicht in einer Reminiszenz an den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs die Höhepunkte seiner Errungenschaften hervor. Er erinnert sich an das erste Interview im Jahr 1983, das er in einem Restaurant in Cupertino führte. Hauptthema war der MacIntosh, dessen Marktstart Apple gerade vorbereitete. Ob er sich vor einem potenziellen "Fail" des mega-gehypten Mac fürchte. "Ja", räumte er ein, "Gott, aber wenn du nicht bereit bist, da hinaus zu gehen und es nochmal zu versuchen, wo liegt dann der Sinn?" 

"Ich habe keine Karriere"

Auf die Frage, wie der Macintosh in seine Karriere passte, unterbrach Jobs den Journalisten: "Ich habe keine Karriere", sagte er mit einem Hinweis, dass er wohl über solch trügerischen Konzepten stünde. Als Kind der 60-er hegte er vom 28. Lebensjahr an die idealistische Vision, eine Firma zu gründen, die einen Wert von zehn Milliarden US-Dollar hat und dennoch nicht auf ihre Seele verzichtet. "Es ist besser, ein Pirat zu sein als sich der Navy anzuschließen", soll er einst gesagt haben. 

Apple rein ins Fitnessstudio

Steve Jobs war ein Mensch, der sich daran erfreute, nie zu wissen, was im nächsten Moment geschehen würde. Was schließlich geschah, war, dass trotz Lobgesängen in Testberichten und fanatischer Anhänger, bewegten sich die Verkaufszahlen unter Apples Erwartungen. 1985 war Steve Jobs verschwunden. Im Jahr 1997 wurde er als Apples vorläufig als CEO wieder ins Boot geholt. In einem Interview mit Levy betonte Jobs, dass er die Funktion auf Zeit übernommen habe. Mit Pixar Animation Studios, das er in den Jahren zuvor übernommen hatte, hatte er alle Hände voll zu tun.
Apple müsste, wie Jobs es ausdrückte, viel Zeit im Fitnessstudio verbringen und wieder in Form kommen. Levy sprach ihn auf seine einstige Aussage mit dem Ziel, Apple solle als 10-Milliarden-Dollar-Firma seine Seele nicht verlieren. Jobs bezeichnete dies als traurigsten Teil der Geschichte: Apple war entgegen seiner Hoffnungen zum Paradebeispiel eines seelenlosen Unternehmens herangewachsen. Wachstum und Erfolg seien wohl zwangsläufig an Kompromisse geknüpft. 

"Vorläufig"

Bald entfernte Steve Jobs das "vorläufige" im CEO-Titel und machte sich daran, Apple zum weltweit wertvollsten Unternehmen zu etablieren. Und sich selbst zu einem viel gepriesenen Geschäftsführer. Im Juli 1999 wurde auf der Macworld Conference & Expo in New York mit dem iBook der erste Laptop nach Jobs' innovativen und ästhetischen Design-Vorstellungen vorgestellt. Das kurvige Design, in den Farben Orange/Weiß und Türkisblau/Weiß, orientierten sich die Geräte am Desktop-PC iMac, das Apple in die Gewinnzone brachte. 

Obskure Technologie WLAN

Jobs war Feuer und Flamme für das iBook, da Apple damit als erste Firma sich an die neuartige "obskure" Technologie namens WLAN heranpirschte. "Ja, er war ein Showman, er tanzte wortwörtlich vor Freude, als er die kabellose Internetverbindung demonstrierte. Und: er war der ultimative Apple Fanboy", erinnert sich Levy.

iPod gestartet

Im Oktober 2001 wurde die erste iPod Generation vorgestellt, mit 5 GB Festplatte und nur mit Mac-Computern kompatibel und Scrollrad. Der iPod mini kam 2004 und der iPod nano und shuffle folgten 2005. Der erste iPod touch wurde 2007 vorgestellt und das iPhone 3G, das die Smartphone-Generation im Consumer-Bereich einläutete, wurde im November 2007 eingeführt.

Selbst ein zerkratzter iPod

Im Jänner 2004, kurz nachdem Jobs die Music-Software GarageBand vorgestellt hatte, sprach der Wired-Autor mit dem Apple-Chef über die 20 Jahre, die der Mac inzwischen auf dem Buckel hatte. Ein Jahr zuvor hatte Steve Jobs Krebs diagnostiziert bekommen. Als Levy seinen iPod, den er als Aufnahmegerät nutzte, aus der Tasche zog, war Steve Jobs entsetzt, eine Plastikhülle auf dem Gerät zu sehen. Er solle sie entfernen, denn sie wäre eine Abscheulichkeit. "Ich denke, es ist wie bei uns. Ich meine, ich werde nächstes Jahr 50, also bin ich selbst wie ein zerkratzter iPod." (ez, derStandard.at, 1.12.2011)

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Wired

  • "Es ist besser, ein Pirat zu sein als sich der Navy anzuschließen", soll Steve Jobs einst gesagt haben.

    "Es ist besser, ein Pirat zu sein als sich der Navy anzuschließen", soll Steve Jobs einst gesagt haben.

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