Geldschwemme

Wie die Dollars wieder in die Banken kommen

Daniela Rom, 1. Dezember 2011, 13:48

Sechs Notenbanken und ihre Swaps kämpfen gegen die Empfangsstörungen am Kreditkanal, die Dollars sollen wieder fließen

Mit ihrer überraschenden, konzertierten Aktion sorgten die Währungshüter der Eurozone, der USA, Kanadas, Großbritanniens, Japans und der Schweiz am Mittwoch für einen Freudensprung an den Börsen. Was den Finanzmärkten gut bekommt, muss aber nicht immer allen anderen auch schmecken. Volkswirte sind sich jedenfalls nicht einig, ob der Eingriff der Notenbanker in den Geldmarkt ausreicht, um die Krise wenigstens ein bisschen in den Griff zu kriegen.

Worum geht es eigentlich bei der koordinierten Aktion der Notenbanken? Das Quantitative Easing, also der Schritt von Notenbanken auf den Sekundärmarkt für Staatsanleihen, ist hinlänglich bekannt. Die mit dem Kollaps von Lehman Brothers 2008 eingeläutete Finanzkrise drängte zahlreiche Notenbanken zu diesem Schritt. Die nunmehrige Schuldenkrise in Euroland ruft erneut die EZB auf den Plan, die Zentralbank kaufte bis zuletzt massiv Anleihen von strauchelnden Euro-Ländern wie Spanien oder Italien auf. Wie gesagt, bisher nur am Sekundärmarkt, die EZB kauft also keine Anleihen direkt von den Staaten, sondern nur solche, die sich schon am Markt befinden, zum Beispiel im Besitz von Banken oder Fonds.

Das am Mittwoch angekündigte Programm der Notenbanken spielt nun eine weitere Trumpfkarte der Geldpolitik aus: Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) spricht man von „Liquidity Easing", Liquiditätslockerung. Liquidität ist am Bankenmarkt nämlich zu einem Problem geworden. Der Interbankenmarkt funktioniert so gut wie gar nicht mehr, das Vertrauen unter den Banken ist futsch, sie wollen einander nur noch sehr ungern Geld leihen. Bleibt die Zentralbank als Liquiditätshorter und -bereitsteller.

Euro

Braucht eine Bank aber Geld in einer anderen Währung, als der eigenen - Dollar zum Beispiel und nicht Euro, dann bekommt sie das nicht einfach so von der Notenbank. Eigentlich bräuchte eine Bank die Zentralbank auch gar nicht. Will sie Dollar, leiht sie sich die bei einer US-Bank. Wie schon erwähnt, das funktioniert momentan nur mittelprächtig. US-Banken haben weiters in Euro laufende Wertpapiere nicht mehr gerne als Sicherheiten akzeptieren wollen. Zudem ziehen seit geraumer Zeit auch US-Geldmarktfonds großflächig Geld aus Europa ab, weil sie nicht in den Strudel der Euro-Schuldenkrise gelangen wollen. Damit entziehen sie den europäischen Banken wichtige Gelder zur Refinanzierung des US-Geschäfts, erklärt Josef Christl, Ökonom und Ex-Nationalbank-Direktoriumsmitglied gegenüber derStandard.at.

Genau da sprangen nun die sechs großen Notenbanken mit ihrer konzertierten Aktion ein. Sie öffnen Währungstauschverträge (Swaps) auf bilateraler Ebene und senken auch noch den Zinssatz für diese Geschäfte. Mit diesen Swaps können Europas Banken also wieder auf Dollar zugreifen, und zwar über die EZB, so Christl.

Die Tauschgeschäfte sind vorerst zeitlich begrenzt bis Februar 2013 und dienen der Dollarversorgung Europas. Die Beteiligung der insgesamt sechs Notenbanken lässt aber auch offen, dass zum Beispiel kanadische Banken mit Yen versorgt werden könnten, sollte dies notwendig werden.

Christl glaubt nicht, dass mit der koordinierten Aktion längerfristig das Misstrauen in der Finanzbranche behoben werden kann. "Kurzfristig wird sich der Geldmarkt schon entspannen", aber letztlich würden die Banken die Euros wieder bei der EZB deponieren.

Reparatur des Kreditkanals

Bei vielen Ökonomen lässt die Geldschwemme der Notenbanken auch die Angst vor Inflation aufkeimen. So meint Wim Kösters, Vorstand beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, im Deutschlandfunk: "Wenn so viel Liquidität zusätzlich in Umlauf gesetzt wird, dann wird zwar nicht in den nächsten ein, zwei Jahren Inflation ausbrechen, aber danach muss man deutlich damit rechnen." Das Geld der Zentralbanken sei eine weitere Eskalation der Krise.

Und auch der Ruf nach dem direkten Eingreifen der Notenbanken auf den Staatsanleihenmarkt verstummt nicht. Am Markt wird die Gemeinschafts-Aktion der Zentralbanken durchaus auch als Signal gewertet, dass die Notenbanken zwar die letzte Zuflucht für die Bankenwelt seien, aber sicher nicht für Staaten. Ökonom Heiner Flassbeck erstaunt die euphorische Reaktion der Märkte, die Aktion sei ein "absolute Notmaßnahme", die Verzweiflung an den Märkten entsprechend groß.

Am Donnerstag meldet sich dann auch EZB-Chef Mario Draghi zum Thema Staatsanleihenkauf zu Wort. Die EZB könne Schuldenländern nur begrenzt unter die Arme greifen. "Die Regierungen müssen - einzeln und gemeinschaftlich - ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Finanzmärkten wiederherstellen", sagt Draghi . Auf die gemeinsame Aktion seiner eigenen und der übrigen fünf Notenbanken geht Draghi nicht im Detail ein. "Das Wichtigste für die EZB ist die Reparatur des Kreditkanals, so dass die Realwirtschaft finanziert werden kann", so der Zentralbankchef. (rom, derStandard.at, 1.12.2011)

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Post-vom-Poster
 
00
2.12.2011, 12:15
"Die Regierungen müssen - einzeln und gemeinschaftlich - ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Finanzmärkten wiederherstellen"

aha, soso,

vielleicht geloben nun alle Reue und Besserung, aber sie ziehen dennoch in verschidene Richtungen ...

und, so bald es wieder etwas besser geht, werden wieder nationale Populisten zur Stelle sein, die der dummen Masse ihre allheilbringende Grossmannssucht vorgaukeln und jegliche Gemeinsamkeit in der europäischen Politik torpedieren ... ?

Generation Internet
07
1.12.2011, 20:44
Wie das Geld zu den Banken kommt...

.. seh ich jeden Monat recht schön, wenn ich mir am Gehaltszettel den Abzug für Steuern anseh.

Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich zahl gern für Infrastruktur und für soziale Gerechtigkeit. Nur nicht für Millionenboni, Briefkästen in Übersee und simple Unfähigkeit.

Der keynesianische Endpunkt ist erreicht.
00
2.12.2011, 18:49

Also ich zahl nicht so ohne weiters gerne für Infrastruktur und "soziale Gerechtigkeit. :)

„Wir verdanken den Amerikanern eine große Bereicherung der Sprache durch den bezeichnenden Ausdruck weasel-word. [...] Ich glaube, das Wiesel-Wort par excellence ist das Wort sozial. Was es eigentlich heißt, weiß niemand. Wahr ist nur, daß eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit – und ich fürchte auch, soziale Demokratie keine Demokratie ist.“ – Friedrich August von Hayek: Wissenschaft und Sozialismus.

Settembrini
00
2.12.2011, 10:31
Generation 60+

Stimme zu. Danke, besser hätte ich es nicht formulieren können.

Yanumáka-kumã
00
1.12.2011, 20:26

Wie das Geld wieder in die Wirtschaft kommt. „ The Secret of Oz“

http://www.youtube.com/watch?v=7qIhDdST27g

Sogenet
00
1.12.2011, 19:44

Und wia da Schimmel tot is gwest,
haums eam an Schiebel Hei hinglegt,
net das d Leut' sogn:
"zwengs da not
war der schimmel tot!"

Hauptsache lustig is!

QUANTUM
01
1.12.2011, 19:06

die $ gehören nicht zu den banken, sondern zu den leuten, banken haben schon genug geschenke erhalten.
geld muß billiger werden, wettbewerb unter geld gehört her, damit sich banken nicht ewig wie die made im speck benehmen.

Hermine Berg
 
00
1.12.2011, 23:23
"geld muß billiger werden"

keine sorge, das wird es von tag zu tag.

edurkheim
01
1.12.2011, 19:53
Und wie sollen sie zu den Leuten kommen?

Sollen wir sie uns per DPD in New York bestellen?

QUANTUM
00
2.12.2011, 15:47

per GLS von der EZB

QUANTUM
11
1.12.2011, 19:01

nett, wie die eu den amis geld gibt damit die uns kredit, unser geld, geben für unseren eigenen zusammenbruch.
hmm, draghi war bei GS, legarde auch, GS hat GR verarxcht, GS gehört den amis, ...

irgendwie beschleicht mich das ungute gefühl, das die amis mittels GS finanzkrieg führen. nachdem GS schon einer der auslöser des 1ten ww war. GS die SS der amis.

Utrilitn
00
2.12.2011, 01:07

Da haben Sie eine echte Verschwörung aufgedeckt !
Gradulire

Valjevac
00
1.12.2011, 18:43
Die Gelddruckmaschinen arbeiten jetzt in 3 schichten !

Tarkan Coban
 
01
1.12.2011, 17:56
alles nur taktik .....

um die maroden banken die ramsch papiere halten zu stützen ! kein cent wird das volk sehen ! die banken bekommen das geld fast geschenkt ! die EZB gibt den banken das geld für 1% zinsen ! und im ersten jahr sogar zinsfrei ! und was kommt unten an nix im gegenteil mit BASEL 5 werden immer größere hürden aufgestellt ! VERGESST NICHT DAS IST UNSER GELD ALLER GELDER VOLKES GELDER !

franz der freie
 
01
1.12.2011, 17:00
die spekulantenhunde riechen schon den angstschweiss

ist nur eine frage der zeit, bis sie zuschnappen. das wird ein fressen.

Zinseszins
00
1.12.2011, 16:52
Geldschweine...

Jetzt hab ich glatt statt Geldschwemme Geldschweine gelesen :-).

Kahuna
23
1.12.2011, 15:58
Die FEDkredite werden von den amerik. Grossbanken wahrscheinlich

nicht zu Krediten an Unternehmen verwendet. Die nehmen das Geld und spekulieren gegen Europa.

roundabout
02
1.12.2011, 16:36
Nocheinmal

Wie schon erwähnt, das funktioniert momentan nur mittelprächtig. US-Banken haben weiters in Euro laufende Wertpapiere nicht mehr gerne als Sicherheiten akzeptieren wollen. Zudem ziehen seit geraumer Zeit auch US-Geldmarktfonds großflächig Geld aus Europa ab, weil sie nicht in den Strudel der Euro-Schuldenkrise gelangen wollen.
Hauptsache Sie sondern was ab.

Heefcleeve
09
1.12.2011, 15:08
Draghi in der Tradition der Zentralbank-Märchenerzähler

Warum sollte es für Geschäftsbanken nun interessant sein, Kredite an den Leistungssektor zu vergeben?
Lohnt sich doch nicht, wo diese doch mit viel EK (in Zukunft noch mehr) besichert sein müssen (zum Vergleich: Staatsanleihen innerhalb der Eurozone können unabhängig vom Rating mit einem Risikogewicht von 0 versehen werden). Viel lukrativer ist es da, in Preissteigerungen zu investieren, mit dem billigen Geld sämtliche gerade noch gewinnbringenden Assetklassen spekulativ aufzukaufen (Rohstoffe, Aktien, Immobilien, etc.) und das Risiko auszulagern. Selbstredend wird das im Preis gestiegene Eigentum dann wiederum für weitere Kredite verpfändet und die Blase noch weiter hochgejubelt...

Josef Moholi
00
2.12.2011, 09:28
das dürfte - leider - so stimmen...

kam
03
1.12.2011, 15:06
Misstrauen bekämpfen - aber welches?

Mein Misstrauen IN DIE Finanzmärkte ist mindestens gleich groß, wie das Misstrauen DER Finanzmärkte (in was eigentlich?)

Warum bekämpft niemand mein Misstrauen? Bin ich allein damit?

Die andere Meinung
 
02
1.12.2011, 16:56
Warum bekämpft niemand mein Misstrauen? Bin ich allein damit?

agree...

mir relativ egal, ob man mir mein misstrauen mit yen, euro oder dollar bekämpft..

nur her mit den scheinen!

öl - ölölö
15
1.12.2011, 14:50
habe mir soeben unterlagen

für kündigung der lebensversicherung bestellt. meine zukunftsvorsorge (was für ein irreführender name!) ist ich schon seit längerem prämienfrei gestellt. was ich die letzten jahre dort eingezahlt habe, hat zwar die tolle "kapitalgarantie", aber um die euros die ich irgendwann garantiert zurückbekommen, werden ich mir dann garantiert nichts mehr kaufen können. das ersparte is weg...

roundabout
01
1.12.2011, 16:38
Eben

versaufen sie es lieber.

Staatssekretär
00
1.12.2011, 15:36

Also eine "Zukunftsvorsorge" die ausschließlich aus soliden Aktienpaketen besteht, wär beim zweiten Dip sicher eine Überlegung werd...

Ist halt ein bisschen spekulativ, aber definitiv nicht so sehr, wie Staaten vor einer Rezession am Schuldenplafont 10jährige Anleihen zu 2% Verzinsung abzunehmen - und diese dann in einen Pensionsvorsorge-Topf zu legen.

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