Die Intervention der Notenbanken ist eine Themenverfehlung, doch die Märkte jubeln artig über die Liquiditätsspritze.
Mit Pauken und Trompeten ist die Kavallerie der wichtigsten Zentralbanken zur
Stützung der Märkte herbei geeilt (Standard). Die
Notenbanker, angeführt von Fed-Chef Ben Bernanke und EZB-Neuling Mario Draghi,
versprechen billige Dollar-Finanzierung für alle Banken, die sie brauchen. Ein
halbes Prozent billiger als bisher, mit geringeren Abschlägen für die eingebrachten
Sicherheiten, und das Programm läuft auch noch bis Februar 2013 (EZB).
Das wirkt auf den ersten Blick nicht nach viel. Ist es wohl auch nicht. Kein
"Meilenstein" jedenfalls, wie in der ZIB versprochen wurde. Vielmehr
geht es eher um einen psychologischen Effekt. Die konzertierte Aktion soll
beweisen, dass die Zentralbanken den Ernst der Lage erkannt haben.
Zwar treffen die Notenbanker zunächst einmal einen wunden Punkt. Denn
Dollars bleiben gefragt bei europäischen Banken (siehe Chart). Der Abschlag der
Euro-Dollar-Swap-Rate gibt an, dass die Dollar-Nachfrage europäischer Banken
sehr viel größer ist als die Euro-Nachfrage ihrer US-Konkurrenten. Der Grund,
warum Europas Banken so nach Dollars dürsten, ist etwa, weil US-Geldmarktfonds,
die sonst Finanzierungen zur Verfügung stellen, wegen der Eurokrise ihre
Mandate zurückgefahren haben und nur noch für kurze Zeiträume Geld leihen.
Die Analysten von Capital Economics in London warnen aber vor einer
Verwechslung: Die Aufschläge zur Dollarfinanzierung seien Symptom einer
Finanzierungskrise und nicht Ursache. Denn im Kern geht es um eine Knappheit an
Sicherheiten. Und Sicherheit bleibt begehrt. Anders lässt sich ja nicht
erklären, wieso Anleger dem deutschen Finanzminister Geld dafür zahlen, dass
sie ihm für ein Jahr Geld leihen dürfen (FT). Für Capital
Economics müsste eine Lösung die Preise von Staatsanleihen in der Peripherie
stabilisieren, damit die Geldinstitute dort sich weiter finanzieren können.
"Das Problem heute ist ein Solvenzproblem," so John Higgins, von
Capital Economics.
In einem Gespräch hat Jürgen Michels, Ökonom bei Citigroup, auf den Punkt
gebracht, was das Problem der Zentralbankinterventionen ist. "Sie
versorgen eine Wunde mit einem Liquiditätspflaster, doch darunter rottet es
weiter." Die Solvenzprobleme, eine gefährliche Mixtur von
Außenhandelsbilanzdefiziten und hohen Schulden bei vielen Staaten Europas,
seien nicht gelöst. Liquidität wäre ja nicht unbedingt knapp. Europas Banken
etwa horten nach aktuellen Daten 297 Milliarden Euro bei der Europäischen
Zentralbank. Die bereits verfügbare Dollar-Swap-Line nutzen sie kaum.
Die Zentralbanken versuchen die Märkte mit einem Bluff zu beeindrucken. Noch
glauben viele Investoren, dass die Währungshüter, etwa in Frankfurt, "Pocket Rockets" in der Hand
haben. Doch die politische Opposition, diese Karten wirklich auszuspielen, und
unorthodoxe Maßnahmen wie massive Anleihenkäufe von italienischen
Staatsanleihen (mit der Garantie, einen gegebenen Zinssatz nicht mehr zu
überschreiten) zu starten, ist groß.
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