Nachlese zur Piratenpartei Russland

"Die Unzufriedenheit der Russen ist vor den Wahlen besonders stark"

Interview | Manuela Honsig-Erlenburg, 1. Dezember 2011, 15:18
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    Stanislav Shakirov ist Vorsitzender der "Piratenpartei Russlands", die diesen Namen allerdings nicht führen darf.

Die "Piratenpartei Russland" darf am Sonntag nicht zu den Parlamentswahlen antreten - Der Vorsitzende Stanislav Shakirov erklärt warum

In Brüssel sitzt sie im Parlament, in Berlin feiert sie Erfolge, in Russland wird sie nicht zugelassen: Die Piratenpartei. Piraterie bezeichne einen kriminellen Raubüberfall auf See. Eine Gruppe Krimineller könne keine Partei gründen, so arumentierte das russische Justizministerium. Stanislav Shakirov, Vorsitzender der Partei spricht im derStandard.at-Interview über die Steine, die ihm in den Weg gelegt wurden und ist überzeugt davon, dass Russland früher oder später auf Druck der Bevölkerung seine restriktive Politik lockern muss.

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derStandard.at: Die "Piratenpartei Russland" wurde nicht als Partei zugelassen. Auch die Klage gegen das Justizministerium wurde abgewiesen. Wie wurde diese Entscheidung begründet?

Shakirov: Das Justizministerium begründete die Entscheidung damit, dass Piraterie einen kriminellen Raubüberfall auf See bezeichnet, der mit Gefängnis geahndet wird. Und "inhaftierte Personen" könnten keine Partei gründen. Natürlich sagten sie dann, dass sie uns nicht prinzipiell die Genehmigung verweigern wollten, sondern uns nur vor der Verwendung eines ungeeigneten Namens warnen wollten. Aber nichtsdestotrotz haben wir dadurch wertvolle Zeit verloren, weil wir neu ansuchen mussten.

derStandard.at: Hat die Partei den Namen gewechselt?

Shakirov: Ja, wir haben unseren neuen Antrag für zwei Parteien eingebracht. Einen unter dem Namen "Ohne Namen" und eine unter "Piratstskaya" (Russisches Slangwort, Anm.). Natürlich wollen wir uns später wieder Piratenpartei nennen. Auch jetzt wird die Partei in der Community weiterhin Piratenpartei genannt. Und auch unsere Positionen haben sich nicht verändert.

derStandard.at: Russland hat eines der restriktivsten Parteiengesetze Europas.

Shakirov: Ja, seit Beginn des Jahrtausends ist die generelle Politik der Machteliten darauf ausgerichtet, das politische Leben im Land zu zerstören. Zahlreiche Gesetze wurden verabschiedet, die die Registrierung von Parteien massiv erschweren. Als Reaktion darauf wurden viele Parteien aufgelöst. Und die, die noch existierten, erhielten plötzlich neue, dem Kreml gegenüber loyale Parteichefs. "Die Rechte Sache" war die letzte Partei, die sich 2008 registrieren konnte (liberale Ausrichtung, Anm.).

Es ist auch erwähnenswert, dass das Parteiengesetz so formuliert ist, dass, obwohl die Regeln für die Registrierung einer Partei geltendem Recht unterliegen, das Justizministerium die Registrierung jeder unbequemen Partei aus rein formalen Gründen verwehren kann. Meiner Meinung nach war die die Zurückweisung unserer Registrierung ganz einfach eine Folge dieses politischen Monopols, das es seit den frühen 2000ern gibt.

derStandard.at: Denken Sie, dass ihre Partei je an Wahlen teilnehmen wird?

Shakirov: Natürlich. Im Internet gibt es eine Plattform, auf der man für alle Parteien, auch die nicht zugelassenen, stimmen kann. Dort haben wir 15 Prozent der Stimmen. Zugegeben, es handelt sich nicht um reale Wahlen, außerdem stimmen nur Internetuser ab, aber deren Zahl steigt von Jahr zu Jahr. In Russland steigt die Unzufriedenheit mit dem existierenden Regierung und dem politischen System. Diese Unzufriedenheit ist besonders am Vorabend der Wahlen sehr stark. Früher oder später muss Russland darauf reagieren, sein Parteiengesetz lockern und mehr Parteien zulassen. Diese neue Registrierungswelle planen wir zu nutzen.

derStandard.at: Wie schaut das Programm ihrer Partei aus?

Shakirov: Unsere Ziele und Anliegen gleichen natürlich anderen europäischen Piratenparteien. Kurz gesagt sind unsere Forderungen: direkte Demokratie, eine offene und transparente Regierung, garantierte Privatsphäre und eine Reform des Urheber- und Patentrechts. Wir sind Gründungsmitglieder der Dachorganisation "Pirate Parties International" (PPI) und stehen in regem internationalen Kontakt. Lola Voronina, eines unserer Mitglieder ist CAO bei PPI. Ein anderes unserer Mitglieder, Gregory Engels, war letztes Jahr der Vorsitzende. In den nächsten Tagen entscheidet sich, ob die nächste PPI-Generalversammlung in Russland stattfindet. Dann laden wir alle Interessierten ein, dabeizusein. (mhe, derStandard.at, 1.12.2011)

Kommentar posten
20 Postings
Mathias Steinlaus
 
00
2.12.2011, 08:32
Stanislav Shakirov ist Vorsitzender der "Piratenpartei Russlands", die diesen Namen allerdings nicht führen darf.

Klar ... offiziell und inoffiziel ist dieser Parteiname schon durch "Vereintes Russland" blockiert ... da sitzen doch schon echte Piraten in der Duma und im Kreml ...

Herzerzog Johann
11
1.12.2011, 22:34
Interessanter Effekt

Die dortigen Piraten wissen zwar auch nicht genau was sie wollen, aber das sogar auf russisch.

The Fantastic Faymen
00
1.12.2011, 22:20
und was

bedeutet das Slangwort "Piratstskaya" denn bitte?

Andrei Tchoubrikov
02
2.12.2011, 08:32

"PiraTSkaja" wurde in "PiraZZkaja" ("Z" wie in Zentrum) veraendert. Das ist kein "Slangwort", sondern eine Art "Deppensprache des Internet" ("jazyk padonkaff" - ueberzogene Mundart im Quadrat)

Jürgen Rembremerding
20
2.12.2011, 01:06
"Putinuakhbar"

Valjevac
43
1.12.2011, 18:48
Bla Bla Bla Bla , PUTIN ist zu Zeit das beste was Russland zu bieten hat !

Lang Lebe Putin

Mathias Steinlaus
 
00
2.12.2011, 08:31
.. wenn es nach einigen gehen würde...

... dann wäre das wohl eher Lenin oder Stalin ...

Jürgen Rembremerding
02
2.12.2011, 08:48
Miroslave
00
2.12.2011, 13:57
Ein grandioses Auto!!!!

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
10
2.12.2011, 00:31
...

Bla Bla Bla Bla ... PUTIN ist zu Zeit das beste was Russland zu bieten hat ... Bla Bla Bla Bla

notorischerzweifler
 
20
2.12.2011, 00:00

Wenn das so ist, dann mein aufrichtiges Beileid fuer dieses gebeutelte Land.

Goran Markovic
01
2.12.2011, 03:04

Wenn es mit dem Euro so weitergeht, werden die Russen es bald sein, die uns bemitleiden...

ru
00
1.12.2011, 21:37

das gehört halt zum täglichen brainwashing so wie der tägliche antiiranartikel.

Jürgen Rembremerding
40
1.12.2011, 17:17
Auf Russland ist Verlass!

Wider die Piraterie!

MBR
03
1.12.2011, 15:44

piraten lassen sich nicht kleinkriegen
weiter so

Pjotr Ratschkovskij
14
1.12.2011, 15:42
Oida..! Was für ein brisantes Interview!

Aber Hauptsache die Headline stimmt...

Wieso bringts Ihr nicht mal ein Interview mit G. Syuganov, dem Führer der Kommunisten? Seine Partei hat zur Zeit sehr hohe Umfragewerte und ist in Zentralrussland eine echte Konkurrenz für "Einiges Rußland".
Oder G. Javlinsky, dem Führer von "Jabloko". Jabloko ist, glaube ich, wieder zur Wahl zugelassen und tritt an.

consul
81
1.12.2011, 15:34

wo sind die poster ? schon müde ? oder kann man gerade den usa keine schuld geben ?

Dr.Winter - Institut für angewandte Psychatrie
19
1.12.2011, 15:50

Na ja, wenn Sie Wert darauf legen:
In den USA sind in den Parlamenten 2 Parteien, in Rußland sind in der Duma 4 Parteien, vertreten.

Zufrieden?

pipi pipifax
11
1.12.2011, 18:10

ach ja, na dann ... dann braucht man natuerlich auch nicht unbedingt neue parteien zuzulassen ... noch dazu, wenn man so kluge argumente auf lager hat.

Jürgen Rembremerding
31
1.12.2011, 17:18
Duma geht's numa!

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