Sicherheitspolitik

"Die Armee aufstellen, die wir benötigen..."

Leser-Kommentar | 5. Dezember 2011, 11:31

Eine Stellungnahme zum Artikel "In der Welt der Offiziere", erschienen auf derStandard.at am 28.11.2011

Als Berufsoffizier und sicherheitspolitisch sensibilisierter Staatsbürger kann und will ich nicht zu dem in der Reportage "In der Welt der Offiziere" gezeichneten Bild des Bundesheeres und vor allem des Offiziers schweigen, denn Schweigen hieße Zustimmung.

Im feinen Gestühl eines Wiener Offizierskasinos schwillt einem Milizoffizier vor dem Mikrophon anscheinend schnell die Brust und man lässt sich zu Aussagen wie "das Bundesheer ist marode, die Soldaten verplempern die Zeit, die Panzer fahren nicht mehr und die Truppe ist verunsichert" hinreißen.

Zum Thema Wehrpflicht werden Polemiken aufgefahren die ein Schlag ins Gesicht jedes Berufssoldaten sind. Nach Meinung jener weltfremden Herren sind Berufssoldaten grundsätzlich "Putschisten", die jüngeren davon der "Bodensatz der Gesellschaft" und Wehrpflichtige die einzig geeignete Personengruppe um Cyberabwehr und Terrorismusbekämpfung sicherzustellen.

Sicherheitspolitische Veränderungen der letzten Jahre verschlafen?

Meine Herren, als langjähriger Berufssoldat der zahlreiche Einsätze im In- und Ausland für die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung geleistet hat und auch weiterhin leisten wird, muss ich ihnen vorwerfen, dass sie die sicherheitspolitischen Veränderungen der letzten Jahre anscheinend verschlafen haben. Sie haben auch den historischen Ursprung der Wehrpflicht, nämlich möglichst rasch, möglichst viele Soldaten und das möglichst billig für die damals recht untechnisierte aber verlustreiche Kriegsführung mobilisieren zu können, nicht verstanden.

Nun, die Zeiten haben sich geändert, Soldatenhandwerk bedeutet heutzutage hochtechnisierte Ausrüstung beherrschen zu können und zu müssen und ist nichts für Soldatenlehrlinge. Die gegenwärtigen Krisenherde haben sich an die Peripherie der Europäischen Union verlagert und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU nimmt zwar langsam, aber doch Formen und Strukturen an. Als Beispiele seinen die ständige strukturierte Zusammenarbeit ausgewählter EU-Staaten oder multinationale Sicherheitsvorsorgen wie z.B. die EU-Battlegroups angeführt. Aus diesem Grund hat die Mehrzahl der europäischen Staaten ihr Wehrsystem mit mehr oder minder großen Anlaufschwierigkeiten auf Freiwilligenheere umgestellt. Ein Berufsheer erfordert aber nicht nur eine Professionalisierung der präsenten Soldaten, sondern auch eine Professionalisierung der Miliz, wie sie auch im Konzept des BM Darabos vorgesehen ist. Haben sie vielleicht vor dieser Professionalisierung Angst, weil sie gar so vehement für die Beibehaltung der Wehrpflicht polemisieren?

Charles de Gaulle erkannte die geänderten sicherheitspolitischen Anforderungen schon 1934, als er sagte "Wir sollten nicht die Armee erhalten, an die wir gewöhnt sind, sondern die Armee aufstellen, die wir benötigen." (Franz Langthaler, derStandard.at, 5.11.2011)

Autor

Oberst Franz Langthaler, MSc, Mautern/Donau

Kommentar posten
15 Postings
Observer 20
01
5.12.2011, 19:04
gut gebrüllt Löwe (Herr Oberst)

Wer alles muss davon überzeugt werden? Viel zu viele - und das ist das eigentliche Problem.

Titus Petronius
11
5.12.2011, 18:03
DeGaulles Armee war binnen weniger Wochen in alle Winde verstreut...

nicht, dass das Bundesheer die geringste Chance hätte solange durchzuhalten, egal wer wo an der Donau mautert.

Das Heer, das wir brauchen - alleine die Formulierung ist ein Anachronismus - in Zeiten in denen Kriege so aussehen, dass sich Atommächte mutigerweise dazu verbünden, untertechnisierte Bananenrepubliken mit konventionellen Mitteln in die Steinzeit zu bomben.

Wären wir nicht in der EU, wäre eine Verstärkung des diplomatischen Diensts anzudenken aber wie die Dinge liegen brauchen wir effektiv vielleicht 5000 Mann Katastrophendienst und das ist schon hoch gegriffen.

Ein Mitmachen bei diversen EU Battle Groups macht uns nur zur Zielscheibe von Terroristen. Eine EU-Armee wäre ein anderes Thema.

Politisch unkorrekt
00
5.12.2011, 17:25
Ob Wehrpflicht oder Berufsheer ist doch egal. Letztlich wird keines der beiden Modelle so finanziert sein dass es (gut) funktionieren kann.

Kritischer Zeitgenosse
00
6.12.2011, 01:04
Auch Ihre Gedanken scheinen in alle Winde verstreut

Sie meinen wir brauchen überhaupt keine Armee, sondern 5000 Mann Katastrophendienst - dann fordern sie im nächsten Absatz eine EU-Armee.
Sie vergleichen das jetztige Bundesheer mit De Gaulles Armee (Erster Weltkrieg oder Zweiter Weltkrieg ?). Glauben Sie nicht, dass das sicherheitspolitische Umfeld inzwischen ein wenig geeändert hat?

Ihren Gedanken ist schwer zu folgen und sie verfehlen eigentlich das Thema des Kommentars.

Politisch unkorrekt
00
6.12.2011, 08:33
Sind Sie sicher dass Sie auf das richtige Posting geantwortet haben?

Ich bezog mich in meinem Posting nur auf die prinzipielle Unfähigkeit der Republik, Aufgaben und Finanzierung der Aufgaben gleichartig zu gestalten.

Ratzman
00
5.12.2011, 13:58
und wie gedenkt

der Herr Oberst ohne Wehrpflicht eine Miliz aufzustellen?

Lord Chaos
01
5.12.2011, 14:59

So wie früher auch mittels ehemaliger Berufssoldaten bzw Freiwilliger?

Freund der Sanktionen
00
5.12.2011, 13:53
Naja, auch wenn ich in der Sache weitgehend zustimme.

tu' ich mir trotzdem schwer mit Absätzen, die mit "Meine Herren" anfangen. Und das hat mit political Correctness überhaupt nichts zu tun...

ChristianderGuru
00
5.12.2011, 16:04
Schei... auf Political Correctnes - sie verhindert nur das Denken und macht es einfacher, wenn man nichts zu sagen hat.

Wunderbare Welt
 
06
5.12.2011, 12:51
bravo herr oberst....

endlich einer der mir bei diesem thema aus dem verstand spricht. zuerst muß man auswerten was eine österr. armee in der zukunft machen soll, dann muß man sich anschauen was für qualifikationen dafür notwendig sind und was das kostet und dann weiß man sowieso ob das mit gwd´s, miliz und/oder berufsheer geht...........

wurm83
 
11
5.12.2011, 12:29
oho...ich bin überrascht...

100% zustimmung...

bis auf den "jüngeren bodensatz" ich finde, zumindest bei der ausbildung, stehen die alten den jungen in nichts nach...von ehemaligen sonderschülern, bis 17 jähriger hilfsausbildner war alles dabei...

die wahl ist bescheiden..entweder es komandiert einen ein (mitlerweile alter) sonderschüler herum oder jemand der in der "echten" welt nichtmal einen vertrag unterschreiben darf...

aber zum sachlichen: ich war selber in der fliegerabwehr beim radar, und obwohl ich telekommunikationstechniker bin ändert sich die technik so schnell und das benötigte wissen war so umfangreich, dass ich schon nach wenigen jahren keinen plan mehr habe...
ich könnte auf keinen fall im ernstfall ein radar bedienen...

russenbaer -
 
00
5.12.2011, 17:05

jetzt fallt mir gar nix goschertes ein schade...
dabei wollt ich mich mokieren über die fast schon eingebürgerte falsche übersetzung aus dem englischen für nachrichtentechniker.
aber den jungen telekommunisten fallt das ja gar nicht auf, die wurden in neusprech schon erzogen.
lg
rb

wurm83
 
00
6.12.2011, 12:04

1. ist das meine offizielle berufsbezeichnung die auch in meinem lehrabschlusszeugnis steht...also das hat nichts mit auffallen oder nicht zu tun...das ist einfach mein beruf..sry...

2. hätten sie sich mit einer "goscherten" bemerkung ohnehin ins eigene fleich geschnitten denn auch der nachrichtentechniker ist eine neumodische bezeichnung...korrekt wäre !fernmeldemonteur!

lg :)

sennowise
91
5.12.2011, 12:05
Bitte, bitte Herr Darabosch

erlösen sie uns endlich von diesem unsäglichen Gesindel, ob es sich nun Milizsoldat oder Berufsoffizier nennt.
Aus jeder der Wortmeldungen dieser sauberen Herren lässt sich ablesen wie vollkommen verquer deren Sicht auf sich selbst im speziellen und die "Welt" im allgemeinen ist.
Gemeisam ist ihnen nur der unerschütterliche Glaube daran, dass sie unersetzlich wichtig sind, und dass wir sie deswegen bis ans Ende aller Tage durchfüttern müssen.
Weg mit diesem Krebsgeschwür ÖBH. Jetzt.

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