Abgaben auf Bildung - Nein Danke!

Leser-Kommentar | 7. Dezember 2011, 19:38

Wir alle kennen die Diskussion. Studierende sollen doch einen Beitrag zur Finanzierung der Universitäten leisten. Immerhin profitieren sie ja auch persönlich von einem Studium. Und alle anderen Länder verlangen doch ebenfalls Studiengebühren.

Falsch. Es gibt zwar durchaus Länder, die - teilweise auch sehr hohe - Studiengebühren verlangen, aber es erkennen auch immer mehr Länder die Nachteile. In Europa besteht momentan ein Trend zur Abschaffung anstatt zur Einführung von Studiengebühren.

Dass in Ländern mit Studiengebühren alles besser ist, ist auch ein Irrglaube. Als Paradebeispiel sei hier die USA genannt. Die ausständigen Studierenden-Kredite betragen schon knapp eine Billion US-Dollar. Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen und übersteigt somit sogar schon die amerikanischen Kreditkarten-Schulden. De facto werden also Staatsschulden einfach auf private Haushaltsschulden umgelagert. An das Haus bauen oder Familie gründen brauchen die fertigen Studierenden also noch nicht so bald zu denken.

Beispiel Dänemark

Im krassen Gegenzug dazu: Dänemark. Es gibt keine Studiengebühren, sondern sogar eine starke finanzielle Unterstützung. Jede/r Studierende bekommt eine staatliche Förderung von 607 Euro pro Monat, oder 330 Euro, falls man noch Zuhause wohnt. Diese Förderung erhält man während der gesamten Studiendauer, inklusive eines Toleranz-Jahres.

Wie viel Wert legt der Staat also auf Universitäten und auf Bildung? Bleiben wir noch kurz bei den skandinavischen Ländern. Dänemark ist hoch technologisiert, der Staat macht keine Schulden, sondern erwirtschaftet jährlich einen Überschuss und hat dabei auch die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Europa.

Vorsicht bei Vergleichen

Natürlich muss man mit solchen Vergleichen vorsichtig sein, nicht alles ist vergleichbar und Zahlen sind selten unverfälscht. Aber auch in Österreich zahlen sich die Studierenden in Form von hohen Renditen aus: jede/r Studierende bringt rund das Dreifache der Kosten des Studiums durch das höhere Steueraufkommen wieder herein. Bildung ist somit die denkbar beste Investition überhaupt.

"Müssen sich Menschen wirklich rentieren?"

Bildung ist jedoch nicht nur eine volkswirtschaftliche Frage. Damit verknüpft ist auch ein Gesellschaftsbild, welches humanistische Wertvorstellungen in den Mittelpunkt stellt. Heutzutage wird gerne das wirtschaftliche Argument herangezogen und argumentiert, alles müsse sich rentieren. Aber müssen sich Menschen wirklich rentieren? Wenn wir all unsere Anstrengungen darauf ausrichten, als Staat eine große Leistung, ein hohes Bruttoinlandsprodukt zu liefern, müssen wir uns dann nicht die Frage stellen, worauf wir damit eigentlich abzielen?

Das Ziel eines leistungsstarken Staates kann doch nur sein, mit dieser Leistung seiner Bevölkerung etwas zurückzugeben. Denn wozu Leistung erbringen, wenn diese nur einem abstrakten Ziel dient? Die Wirtschaft soll den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Aber in welcher Form wird zurück gegeben? In Form eines Sozialsystems, in Form von Pensionen, von Förderungen in allen Farben und Formen. Warum also nicht auch in Form eines freien Hochschulzugangs?

Lassen wir uns nicht einreden, Studiengebühren wären gerecht oder notwendig. Die Finanzierung von ForscherInnen und Lehrenden sollte so selbstverständlich sein, wie die Finanzierung der Kriminalbeamtin.

Denn wie auch schon unser Wissenschaftsminister Töchterle sagt: "Studiengebühren sind bildungsfeindlich und bevorzugen finanzielle Eliten. Sie führen zur Reduktion der ohnehin schon geringen AkademikerInnenquote in Österreich und dienen nur der Budgetkonsolidierung, machen aber junge Leute zu SchuldnerInnen." (Florian Kraushofer, Thomas Danecker, derStandard.at, 7.12.2011)

Autoren

Florian Kraushofer, Thomas Danecker, studieren an der TU Wien Physik bzw. Informatik und arbeiten seit Juli ehrenamtlich im Referat für Bildung und Politik der HochschülerInnenschaft an der TU Wien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
1 2 3 4
Rosa Grün
 
40
8.12.2011, 18:48
ich bin jetzt nicht klüger

ok, DK hat keine studiengebühren, das besagt noch gar nichts. ich kenne das system nicht, es handelt sich um einen hingeworfenen vergleich.

so bitte nicht!

Reich sein muss sich lohnen!
13
8.12.2011, 20:52

Keine Angst, Sie sind nicht allein, in Österreich haben viele Probleme mit dem sinnerfassenden Lesen...

Rosa Grün
 
10
9.12.2011, 15:21

sie geben sich aber mit wenig information zufrieden. ihre sache ...

notanickname
02
8.12.2011, 18:08

bei der steuerlast und aus öffentlichen mitteln finanzierte unis kanns ganz klar nur ein NEIN zu studiengebühren geben.
eine strukturreform der verwaltung, die seit mitte der 80er jahre aufgeschoben wird, könnte wahrscheinlich mehr einsparungen bringen, als das gesamte bildungsbudget umfasst.

Irma la Douce
01
8.12.2011, 17:18
Sagen sie das dem Vizeknazler, bitte.

spiehsbürger
00
8.12.2011, 17:04

beispiel dänemark: das heißt aber noch lange nicht, dass jeder dort studieren darf. hier wird halt selektiert.

bei uns wird weder ausgewählt, noch studiengebühren verlangt (mit ausnahmen ich weiß).

her wig
50
8.12.2011, 15:58
Studiengebühren PLUS Studienbeihilfe

Was genau spricht da dagegen? Die sozial-selektiven Argumente nicht, denn wer sich's nicht leisten kann bekommt eh die Studienbeihilfe.

Andreas W
25
8.12.2011, 16:49
Einfach mal ausprobieren!

Anders ist mit Einsicht sowieso nicht zu rechnen.
1. Studienbeihilfe verlangt in aller Regel ganz normale Familienverhaeltnisse, wenn du einen Erzueger hast, mit dem du keinen Umgang hast und seine Vermoegensverhaeltnisse nicht vorlegen kannst, gibts keinen Cent
2. damit du volle Beihilfe bekommst, muessen beide Eltern de facto armutsgefaehrdet sein. aber selbst dann reicht die Beihilfe nicht fuer wohnen, leben und schon gar nicht, wenn auch noch die Gebuehren zu zahlen sind
3. wenn alles nur noch die normalen treffen soll, dann Wegegebuehren fuer alle Unvermoegenden, Gebuehren fuers Atmen am besten auch glich noch dazu etc etc
4. ab sofort kein Gehalt mehr fuer die Lehrlinge sondern die sollen gefaelligst dafuer zahlen, dass sie ausgebild

Reich sein muss sich lohnen!
04
8.12.2011, 16:19
Gegenfrage: Was spricht dafür?

Und um mal ein Gegenargument zu bringen:

Die Akademiker bringen dem Staat bereits jetzt um 60% mehr ein als ihm das Studium gekostet hat. (Im Vergleich mit den Nicht-Akademikern)

Also:
Der durchschnittliche Akademiker bezahlt mehr Abgaben an den Staat als der durchschnittliche Nichtakademiker.
Zieht man von diesen Mehreinnahmen die Kosten für die Universitäten (und FHs) ab, dann bleiben noch immer ~25.000€ pro Akademiker übrig.

Dorri
20
9.12.2011, 03:17
Akademiker mehr Abgaben

Wer kommt auf die Idee, dass Akademiker mehr Abgaben zahlen, Weder mein Mann noch ich sind Akademiker und bezahlen beide seit über 30 Jahren die ASVG Höchstbemessung. Oder der Lehrling, der nachher seinen Meister macht und eine Firma gründet bezahlt sicher auch mehr und schafft sogar noch Arbeitsplätze.

Gendo
00
13.12.2011, 11:14

Schönes Beispiel, nur: Wieviel % aller Lehrlinge Gründen später eine Firma und wieviele Akademiker?
Die schaffen auch Arbeitsplätze, also ein ziemlich werloses Argument.
Nebenbei der Lehrling bekommt ab dem 1. Tag für seine Ausbildung Geld.
Das war in den guten alten Zeiten nicht so (da hat man dafür auch zahlen müssen), wenn es nach ÖVP Träumen gibt soll das wohl auch bald kommen.
Ist ja schwarze Taktik, ein Schaf nach dem anderem zur Schlachtbank, die anderen Schafe sind entweder schon geschlachtet (und desshalb sauer) oder sind zu blöd um zu merken dass auch ihr Blut mal darn ist!

spiehsbürger
00
8.12.2011, 17:05

die zeiten sind vorbei. wenn sie glück haben findens als akademiker an job wo sie 2000 euro am anfang bekommen und wenns glück haben kriegens nach 20 jahren 4000. von 4000 brutto bleiben ihnen gerade mal 2300 netto im monat. so viel wie eine billa-kassiererin mit 2-3 kinder bekommt.

her wig
20
8.12.2011, 16:47

Dafür spricht dass es eine zweckgebundene Finanzierung für Universitäten wäre.

Was genau ist eigentlich Ihr Gegenargument? Sie gehen überhaupt nicht auf die Studiengebühren ein.

Reich sein muss sich lohnen!
01
8.12.2011, 17:23
Natürlich bin ich darauf eingegangen:

Die Studenten bezahlen bereits jetzt weit mehr als das Studium kostet (+60%), aber eben erst dann, wenn sie auch ein Einkommen haben.

Es wäre eine Frechheit sondergleichen den Studenten hier nochmal in die Tasche zu greifen.

Und wenn Sie eine zweckgebundene Einnahme für die Unis haben wollen:
Dann binde wir eben die Mehreinnahmen des Staates durch Akademiker an die Universitäten.
Das Budget würde (wenn man nur diese Gelder verwendet) mit einem Schlag um etwa 60% anwachsen.

Damit wäre den Universitäten auch tatsächlich geholfen, die Studiengebühren wären ja doch bloß ein Tropfen auf den heißen Stein.

her wig
10
8.12.2011, 19:41
Die Akademiker wollen also möglichst wenig zahlen.

Verständlich, alle wollen möglichst wenig zahlen. Aber was nützt es dem Staat? Diese Frage ist zu beantworten. Alles andere ist nur das ganz gewöhnliche egoistische Geschrei, diesmal halt in akademischer Schwülstigkeit.

Reich sein muss sich lohnen!
00
8.12.2011, 20:47

Das hat nichts damit zu tun wie viel die Akademiker zahlen wollen sondern damit, dass die Akademiker bereits jetzt weitaus mehr zahlen als die Ausbildung kostet.

Und es ist einfach ein Unding, die Akademiker ausgerechnet in der Zeit in der sie noch kein Geld haben, nämlich als Studenten, nochmal zur Kassa zu bitten.

her wig
10
9.12.2011, 08:02

Auch Reiche zahlen mehr, alle Nettozahler zahlen mehr. Daraus kann man aber nicht ableiten dass jede weitere Belastung von Nettozahlern schlecht ist für den Staat insgesamt. Darum geht es.

manto bamminger
00
8.12.2011, 16:44
eine klarstellung

ich bin nicht für studien Gebühren und nicht gegen Akademiker.
Jedoch stimme ich ihrer Steuerrechnung nicht zu.
Denn was der Nichtakademiker leistet, ist sehr oft, echte produktion.
Was heißt da war vorher nix, und jetzt gibts ein produkt. Und ein Staat braucht nunmal diese Produktion.
Ja manchmal ärgere ich mich darüber, daß ich um 6 uhr aufstehe bei wind und wetter draussen schufte, friere schwitze, blute,....und einen scheißdreck dafür bezahlt bekomme, und der herr studierte im büro dem seine wampe wird immer fetter und sein ego auch.
Aber ich machs gerne, ich schaffe gerne etwas denn ohne uns würde niemand mehr studieren können, gebs nix zu fressen und keine häuser.
In sofern fand ich da die ddr bezahlungpolitik nicht schlecht,...

mans zelmerlöw
23
8.12.2011, 14:28

ich hab selbst in skandinavien (schweden) studiert und kann es nicht mehr hören, wenn hier ständig nur halbwahrheiten verbreitet werden. in skandinavien gibt es im gegensatz zu österreich keinen freien unizugang. maturanten mit vierern oder oft schon dreiern im zeugnis haben null chancen irgendwo einen studienplatz in den begehrten fächern zu bekommen. zusätzlich zahlen nicht eu bürger über 10000 euro pro jahr an studiengebühren.

und wer weiß wie hoch die lebenserhaltungskosten in dänemark sind, weiß auch, dass die 330 euro nicht allzuviel wert sind. das ist vergleichbar mit den 200 euro der familienbeihilfe in österreich.

Plus Lucis
00
13.12.2011, 18:02

Darf ich fragen, was die begehrten Fächer sind?

saunaecho
00
8.12.2011, 18:10
Die Wikinger haben eben mehr Verstand !

Man muss "Erwartungen" vernünftig unter einen Hut bringen:Studenten und Eltern erwarten einen später höheren Lebensstandard. Und der Staat erwartet später prudukivere Arbeitskräfte, um Importe und Transfers zahlen zu können.
Der Staat wird also nur "gute" Studenten subventionieren und Studienplätze für Techniker höher bewerten als für Psychologen.

spiehsbürger
01
8.12.2011, 17:06

@danke für die info mans.

aja, ich hatte im maturazeugnis auch ein paar vierer.
heute mach ich meinen zweiten uni-abschluss.
noten sind kein auswahlkriterium. die meisten hören eh ziemlich am anfang auf. hier muss man halt ein gute prüfungseingangs-phase machen.

mans zelmerlöw
00
8.12.2011, 22:59

im schwedischen system zählen nicht die maturanoten, sondern die gesamten noten in der gymansiumzeit! außerdem muss man auch gewisse fächer absolviert haben um in gewisse studien reinzukommen. aber das weiß man halt schon von anfang an.

velvetways
02
8.12.2011, 14:22
Lohnsteuer aller arbeitenden Studenten

Die Lohnsteuer aller arbeitenden Studenten direkt an die Universitäten überweisen. Wer kennt die Grössenordnung des Betrages,würde mich sehr interessieren.

Reich sein muss sich lohnen!
01
8.12.2011, 14:29
Anders:

Die Differenz des Steueraufkommens der durchschnittlichen Akademiker zu den der durchschnittlichen Nichtakademiker den Universitäten zukommen lassen.

Die Budgets der Universitäten würden mit einem Schlag um etwa 60% steigen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.