Hyperaktivitätssyndrom

ADHS wächst sich nicht immer aus

1. Dezember 2011, 13:37
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    foto: apa/martin schutt

    ADHS-Patienten schlafen wenig und fühlen sich morgens müde.

Erwachsene mit ADHS scheinen einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus zu besitzen - Experten hoffen auf Entwicklung neuer Therapieansätze

„Ob Menschen Frühaufsteher oder Nachtschwärmer sind, ist zumindest teilweise genetisch vorprogrammiert; und dieses „genetische Programm des Tag-Nacht-Rhythmus" scheint bei Menschen mit ADHS fundamental gestört zu sein", sagt Johannes Thome. Er ist seit über einem halben Jahr Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Rostock. Zuvor war der 44-jährige Arzt Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie an der Universität Swansea in Wales/ Großbritannien. Von dort hat er den Forschungsschwerpunkt ADHS bei Erwachsenen („Zappelphilipp-Syndrom") nach Rostock mitgebracht und etabliert ihn neben der Demenzforschung an der Rostocker Psychiatrischen Universitätsklinik.

Die Erwachsenenpsychiatrie beschäftigt sich weltweit mit diesem Thema erst seit wenigen Jahren", sagt Thome, der auch als Secretary General im Vorstand der World Federation of ADHD (Weltgesellschaft für ADHD) ist. „Es ist Anliegen unserer Klinik, für erwachsene ADHS-Patienten eine optimale Diagnostik und Therapie anzubieten, die zu einer verbesserten Lebensqualität führt", gibt  Thome das Ziel seiner vor.

Probleme im Beruf und Privatleben

Erste Erkenntnisse veröffentlichte der Wissenschaftler zusammen mit  Andrew Coogan von der National University of Ireland,  Alison Baird und weiteren Wissenschaftlern aus Swansea jüngst in der international anerkannten Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry". „Bei Kindern ist AHDS sehr gut erforscht", sagt Thome. „Viele Patienten verlieren diese psychische Störung aber nicht, wenn sie 18 sind". Bei etwa einem Drittel der Patienten wächst sich ADHS nicht aus. Für sie gibt es kaum fachärztliche Betreuung in Deutschland.

Die Betroffenen haben erhebliche Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme im Beruf und Privatleben, verpassen Termine. Sie leiden unter Schlafdefizit und Stimmungsschwankungen, sind überaktiv und impulsiv, haben ihr Leben nicht im Griff. Wenn diese Patienten dann zum Alkohol greifen, gesellt sich ein Suchtproblem dazu. Etwa drei bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind schätzungsweise von ADHS betroffen.

Verkürzter Rhythmus

„Wir haben beobachtet, dass der 24-Stunden-Rhythmus bei psychisch Kranken häufig gestört ist", so der Thoms. „Es gibt Hinweise, dass der Rhythmus bei ADHS-Patienten verkürzt ist". Sie schlafen wenig und fühlen sich morgens müde. Auch finden sich in dieser Patientengruppe sehr viel häufiger „Nachtschwärmer" als in der Normalbevölkerung.

Am Uni-Klinikum Rostock wird jetzt der Lebens-Rhythmus von erwachsenen ADHS-Patienten untersucht. Im Klartext: Die Medizin-Forscher suchen nach den genetischen, zellulären und molekularen Veränderungen, die für den gestörten Zeitrhythmus bei ADHS im Erwachsenenalter verantwortlich sind.

Den Aktivitätszustand von Patienten verfolgen die Rostocker Forscher über eine Acti-Watch, einen Miniaturcomputer, der aussieht wie eine Quarzuhr und am Handgelenk getragen werden kann. So wird der Tag-Nacht-Rhythmus aufgezeichnet.

Gestörte Genproduktion

Die Forscher untersuchen zusätzlich nach einer eigenständig entwickelten Methode, die weltweit nur wenige Labors beherrschen, die sogenannten Clock-Gene. „Das ist kein Gentest", stellt Thome klar. Vielmehr wird die Menge des Genproduktes gemessen, das für die innere Uhr des Menschen verantwortlich ist. „Erhalten wir den Nachweis, dass die Genproduktion für den 24-Stunden-Rhythmus gestört ist, haben wir die wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Erwachsene mit ADHS häufig Probleme mit ihrem Tages- und Nachtrhythmus haben", beschreibt Thome das Procedere. Diese Erkenntnisse könnten auch zur Entwicklung neuer Therapieansätze beitragen. Erst seit diesem Jahr gibt es auch für Erwachsene ein zugelassenes ADHS-Medikament.

Bereits zu Beginn des nächsten Jahres will der Rostocker Mediziner die Untersuchungsmethode auf andere psychische Erkrankungen mit schweren Störungen des Lebensrhythmus übertragen. „An erster Stelle auf Demenzpatienten, bei denen nächtliche Unruhe und Erregungszustände beschrieben sind", so Thome. In einer weiteren Studie will seine Klinik herausfinden, wie Medikamente die gestörte Genproduktion beeinflussen und möglicherweise verbessern können. Dabei soll die erfolgreiche Kooperation mit Dr. Coogan fortgesetzt und intensiviert werden. (red)

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12 Postings
eze eze
 
00
4.12.2011, 12:51

Schade dass wieder einmal ausschließlich von der hyperaktiven Form die Rede ist. Gerade von dem im Artikel behandelten Problem mit dem Schlafrhythmus sind nämlich Menschen mit der hypoaktiven Form nicht minder betroffen.

Pintinho
00
2.12.2011, 11:03
"Vererbung"

Die sich v.a. aufdrängende Frage ist, wie es sich auf die Entwicklung der Kinder auswirkt, wenn ehemals Betroffene selber Nachkommen haben.

Dann müsste die Psychiatrie jedoch endlich damit aufhören, Eltern als Verursacher psychischer Störungen ihrer Kinder von vornherein auszuschließen.

ENRICO PALAZZO! ENRICO PALAZZO!
00
1.12.2011, 18:59
Ich hab son einen hibbeligen Typen sogar in der Familie. Albtraum! Ist total irre der Typ.

astemp79
22
1.12.2011, 14:59
Medikamente sind Symptombekämpfer -

sie heilen nicht.

Daher ist klar, dass der Ansatz nicht an Symptomen erfolgen darf: denn es sollte ja nicht, wie es die Pharmaindustrie anstrebt, ein chronischer Zustand, sondern eine Heilung angestrebt werden.
Heilung geschieht über den ganzen Menschen.

Die Frage, ob es ADHS als "Krankheit" gibt, ist schon umstritten genug: der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther behauptet aufgrund von Forschungen, dass ADHS eine Sammlung von Symptomen aufgrund mangelnder Sozialisierung ist.
Womit überdeutlich ist, dass hier Medikamente gar keine Rolle spielen dürften, sondern vielmehr eine gezielte Psychotherapie, zusätzlich zu kindlichem Entspannungstraining mit Biofeedback.
http://www.psychologische-adhs-therapie.ch/ADHS_Konsensus.htm

Schwendi
01
1.12.2011, 19:39
bin ein wenig verwirrt??

Auf der einen Seite sagts du, dass Medikamente nur die Symptome bekämpfen, aber nicht heilen.
Auf der anderen Seite sagts du, dass ADHS keine Krankheit ist ,die "geheilt" werden kann, sondern eine Sammlung von Symptomen.
Ergo können also Medikamente als "Symptombekämper" nützlich gegen die "Sammlung an Symptomen" eingesetzt werden, oder??

Nee-Chee
01
2.12.2011, 09:43
neiin keine

Logik. Davon bekommt man doch Kopfweh, und wäre das dann ein Symptom? Und wie könnte man das heilen?

Transalpin2
02
1.12.2011, 14:13
... net alles durcheinander!

1) Johannes Thome ist Biopsychiater und kein Spezialist in Epidemiologie.
2) Die Veröffentlichung in Mol Psychiat geht nur um den gestörten Tagesrhythmus bei Erwachsenen-ADHD
3) Die zitierten 3 bis 5% Prävalenz stehen in dieser Arbeit als 3.4% drinnen!
4) Die grösste bisher durchgeführte Meta-Analyse zu Adult ADHD ist diese: Simon et al. Br J Psychiatry. 2009 Mar;194(3):204-11. Prevalence and correlates of adult attention-deficit hyperactivity disorder: meta-analysis
Hier steht als Schätzung: 2,5% (CI 2.1-3.1) .
**********************************
Achtung: Diese Meta-Analyse hat in Italien 1.0%, in Spanien aber knapp 5% berichtet. Alles beruht aber auf Selbstauskunft der Befragten mit Symptomlisten. ...
Soweit die FAKTEN.

Trollblume
00
1.12.2011, 13:47
Hiulfe, wir brauchen nicht noch mehr Medikamente!

Betty Swollocks
12
1.12.2011, 15:33
Du vielleicht nicht.

aber lass das die Betroffenen gefälligst selber entscheiden. Danke.

Trollblume
25
1.12.2011, 18:30
Haha, aber gerne - die Betroffenen !?

Schulkinder bekommen das - Ritalin - in den USA einfach so verabreicht - und zwar OHNE Einwilligung der Eltern!

Nee-Chee
03
2.12.2011, 09:52
In dem Artikel

den ich da oben gelesen habe, ging es um Erwachsene.

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