Mahmud al-Shinnawi stellte sich und wird von seinen Kollegen einvernommen - 60 Demonstranten mit Augenverletzungen im Spital
Kairo - Ein ägyptischer Polizist, der gezielt auf die Augen von
Demonstranten geschossen haben soll, hat sich am Mittwoch gestellt. Wie die
Polizei in der Hauptstadt Kairo mitteilte, soll der Mann befragt werden.
Aufgrund von Augenzeugenberichten hatte die Staatsanwaltschaft die Festnahme Mahmud al-Shinnawis wegen Verstümmelung von Demonstranten und versuchten Mordes
gefordert. Er soll vergangene Woche in Kairo mit Gummigeschoßen gezielt auf die
Augen von Demonstranten gefeuert haben, die gegen den herrschenden Militärrat
protestierten.
Laut einer ägyptischen Menschenrechtsorganisation wurden allein in ein
Krankenhaus 60 Menschen mit Augenverletzungen eingeliefert. Im Internet ist ein
Handy-Film zu sehen, auf dem ein Polizist auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf die
Augen von Demonstranten zielt. Als er einen Protestierenden mit einem Gummigeschoß trifft, ist auf der Tonspur zu hören, wie sein Vorgesetzter ihm gratuliert. Auf dem Tahrir-Platz kursieren Flugblätter und Plakate, die für Hinweise auf Shinnawis Verbleib ein Kopfgeld von 5.000 ägyptischen Pfund (620 Euro) versprechen.
Bei den Protesten in Kairo und anderen Städten
waren seit dem 19. November mindestens 42 Menschen getötet worden. Der
31-jährige Zahnarzt Ahmed Harara wurde bekannt, weil er bei den Demonstrationen
gegen den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak im Februar ein Auge verloren hatte
und das zweite bei den Protesten in der vergangenen Woche. (APA)