Rekord

Nach 535 Tagen hat Belgien eine neue Regierung

1. Dezember 2011, 07:33
  • Artikelbild
    foto: reuters/francois lenoir

    Sozialist Elio Di Rupo aus dem wallonischen Teil Belgiens wird neuer Ministerpräsident.

Wallonischer Sozialist Di Rupo soll Ministerpräsident werden - Druck der Finanzmärkte hat Einigung beschleunigt

Brüssel - Eineinhalb Jahre (535 Tage) nach den Parlamentswahlen hat Belgien nun endlich eine neue Regierung. Sozialisten, Christdemokraten und Liberale aus den beiden zerstrittenen Landesteilen Flandern und Wallonie einigten sich am Mittwochabend in Brüssel auf eine Koalition unter dem französischsprachigen Sozialisten Elio Di Rupo (60). Der Durchbruch gelang vor allem wegen der Euro-Krise, die auch das hoch verschuldete Belgien zu erfassen droht. In den vergangenen Tagen waren die Aufschläge auf belgische Staatsanleihen massiv gestiegen.

Mit Di Rupo wird erstmals seit 1974 wieder ein wallonischer Politiker an der Spitze der belgischen Regierung stehen. In den vergangenen drei Jahrzehnten war das Amt des belgischen Ministerpräsidenten fest in den Händen des bevölkerungsreicheren und wohlhabenderen Landesteils Flandern gewesen. Die Besetzung des neuen Kabinetts ist noch offen, es soll aber höchstens 15 Minister geben, meldete die Nachrichtenagentur Belga.

Di Rupo wird den flämischen Christdemokraten Yves Leterme ablösen, der in den vergangenen eineinhalb Jahren eine geschäftsführende Regierung leitete. Kein Land in der Welt brauchte länger für die Regierungsbildung als das Königreich im Herzen Europas mit gut 10 Millionen Bürgern.

Ein Kompromisstext der Parteien mit 185 Seiten soll heute (Donnerstag) noch einmal gemeinsam überprüft werden. Am Wochenende sind die Parteien aufgefordert, der Koalition zuzustimmen. Zum Beginn der kommenden Woche könnte die neue Regierung vereidigt werden - dann ist auch die Vertrauensabstimmung im Parlament geplant.

Status flämischer Gemeinden als Streitpunkt

Der Streit zwischen den frankophonen Wallonen des Südens und den Niederländisch sprechenden Flamen im Norden Belgiens hatte nach den Wahlen vom Juni 2010 eine Regierungsbildung lange blockiert. Dabei ging es vor allem um eine Staatsreform, mit der der Status von flämischen Gemeinden im Umland der Hauptstadt Brüssel mit einem hohen Anteil von frankophonen Belgiern geregelt werden musste. Der flämische Nationalistenführer und Wahlsieger von 2010, Bart De Wever, verwarf im Sommer ein ausführliches Kompromisspapier Di Rupos komplett und nahm sich damit aus dem Spiel. Der Chef der Neuflämischen Allianz (N-VA) dürfte laut politischen Beobachtern der neuen Koalition künftig das Leben schwermachen. Die N-VA tritt offen für das Ende des belgischen Bundesstaates ein.

Zuletzt verständigten sich die künftigen Regierungsparteien auf ein Sparbudget 2012. Für Tempo bei den Budgetverhandlungen sorgte die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Kreditwürdigkeit Belgiens um eine Note von "AA+" auf "AA" zu senken. Belgien steht auch unter Druck der Europäischen Union, Sparzusagen einzuhalten und das Budget zu sanieren. EU-Währungskommissar Olli Rehn hatte dem Land bereits mit Sanktionen gedroht. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
1 2
s. maierhofer oder doch lieber stefan m.
00
1.12.2011, 18:00

das da am bild ist der grasser in 20 jahren!

bratak
00
1.12.2011, 15:46

ein schöner film, der die politische struktur in belgien zusammenfasst:
http://www.youtube.com/watch?v=Ceg6NQKHd70

Erika Rothen
08
1.12.2011, 15:37
Wenn die Belgier nicht mehr miteinander können

dann sollen sie sich aufspalten: die Flamen können sich den Niederlanden anschließen und die Wallonen Frankreich.

Wäre auch für Österreich eine Lösung:
Vorarlberg zu Liechtenstein,
Tirol, Salzburg, Oberösterreich zu Bayern,
Niederösterreich und Wien zu Böhmen und Slowakei,
Burgenland zu Ungarn und Kroatien,
Steiermark zu Slowenien
Kärnten zu Somalia

christoph hofbaur
00
1.12.2011, 17:34

das problem ist, dass weder die hollaender die flamen, noch die franzosen wallonien, noch die somalier die kaertner wollen.

Erika Rothen
00
1.12.2011, 18:28
Haha, ja leider...

es wäre sonst so eine elegante Lösung ;)

flohimpelz
13
1.12.2011, 14:05
In Österreich warten wir seit 1955.

kamelchen mag herumhupfen
03
1.12.2011, 13:33

535 tage ohne diese spinner? man koennte glatt neidig werden.

imir
01
1.12.2011, 13:00

Armes Belgien.

Mostbluzza
01
1.12.2011, 12:54
unsere ist es leider nicht,

die schnarchnasen haben wir immer noch und werden sie auch nicht los. das einzig positive ist, dass sie den platz warm halten, also kein anderer (grün,blau) noch mehr mist bauen kann.

Kohlhaas1
13
1.12.2011, 12:52
Jetzt erst wird´s den Belgiern übel ergehen. Politiker sind wieder am Werk !

grosser laaschatza
00
1.12.2011, 12:51
Nicht ganz korrekt

Das mit den flaemischen Nationalisten ist nicht ganz korrekt: Laut einem urteil des obersten Gerichtes, musste wntweder der Wahlsprengel (Bruessel+Umland) oder alle anderen Wahlsprengel neu geregelt werden. Die flaemischen Nationalisten haben auf die Einmhaltung dieses Urteils bestanden.

Lukas Käfer
01
1.12.2011, 12:51
finanzmärkte

und wieder mal bestimmen die finanzmärkte das politische geschehen, statt umgekehrt...

Osman Mert
00
1.12.2011, 12:35

Wie soll der Euro vertrauen geben, wenn es ein Euro-Land wie Belgien gibt, dass es noch nicht einmal schafft eine Regierung zu bilden?

Der dicke Jokkl
02
1.12.2011, 12:39

Ich find es spricht eher für die Stabilität eines Landes, wenn es Ewigkeiten keine Regierung hat und trotzdem alles normal abläuft.

Redwraithvienna
00
1.12.2011, 13:25
Zum einen - ja

zum anderen : Politik ist ja dafür da Dinge zu ändern und zu gestalten. Und die Verwaltung des Stillstandes wie es ihn in Belgien gab ist jetzt nicht so umwerfend wenn ich ehrlich bin.

Laughing Magician
00
1.12.2011, 12:27

ohne regierung kann nicht viel schlechter sein als unsere regierung. da hab ich auch manchmal den eindruck, wir hätten niemanden regiert, nur politiker die auf den eigenen vorteil bedacht sind...

imir
00
1.12.2011, 14:08

Auch die Cholera ändert etwas. Ob sie dadurch wünschenswerter wird, bleibt dem Betrachter überlassen

Marquis
03
1.12.2011, 12:13
Ohne Regierung ging es doch besser

Die Belgier hätten gleich ihre Regierung abschaffen sollen, dann würden sie sich den ganzen politischen Hick-Hack samt Profilierungssucht und Penisneid ersparen.

Eine Expertenregierung beschließt die Umsetzung der Gesetze die die Eu vorgibt. Die Verwaltung setzt es um. Politische Partein werden nur gebraucht, wenn es eine Wahl gibt. Einmal gewählt muss jeder Experte seine Parteizugehörigkeit abgeben.

Anti-Joke Chicken
00
1.12.2011, 12:26

und wer ist in der Lage ein so schönes System zu beschließen?

genau!

sanginius
10
1.12.2011, 11:38

wie lange wird die Regierung halten?

6 Monate?

mika33
10
1.12.2011, 10:54
Ist doch schön!

Top spin
05
1.12.2011, 10:28

aber was hat das alles mit günther netzer zu tun?

Zinsenfeger
00
1.12.2011, 11:14

Im Match Flandern gegen Wallonie steht es derzeit 1:1

Andronikos
01
1.12.2011, 09:59
Die wirklich entscheidende Frage

ist nicht die Reaktion der Finanzmärkte, sondern ob di Rupo als Premierminister auch von Mascherl zu Krawatte wechseln wird wie weiland Wolfgang Schüssel.

der schwitzbär der schwitzt sehr
01
1.12.2011, 09:58
Rechtzeitig zum Untergang

bekommt das Kapitän einen Schiff ... äh, umgekehrt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.