Aufschmelzen könnte vergleichbare Menge freisetzen wie die weltweite Abholzung
London - Inwieweit die schmelzenden Permafrostböden den Klimawandel beschleunigen können, ist seit längerem Gegenstand von Diskussionen. Nach einer neuen Berechnung könnten sie bis zum Ende des Jahrhunderts ähnlich viel Kohlenstoff freisetzen wie die weltweite Abholzung. Die Auswirkungen auf unser Klima wären wegen der hohen Methankonzentration jedoch zweieinhalb Mal größer.
Zu diesem Schluss kommen Edward Schuur, Benjamin Abbott und 39 weitere internationale Experten des "Permafrost Carbon Research Network", die ihre neuen Berechnungen in einem Kommentar der Zeitschrift "Nature" veröffentlichen. Das Treibhausgas Methan heizt die Atmosphäre wesentlich stärker auf als Kohlendioxid. Schuur, Abbott und Kollegen haben anhand neuer Modelle ermittelt, wie viel Permafrost auftauen wird, wie viel Kohlenstoff dies freisetzt und wie viel davon in Form von Kohlendioxid und von Methan in die Luft gelangen könnte.
Die Permafrostböden enthalten etwa 1.700 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff, also Überreste ehemaliger Pflanzen und Tieren. Das sei dreimal mehr als angenommen, schreiben die Forscher - und etwa doppelt so viel, wie momentan in der Atmosphäre enthalten sei. In dem sich erwärmenden arktischen und antarktischen Boden zersetzen Mikroben diesen alten Kohlenstoff und geben CO2 und Methan in die Atmosphäre ab. Riesige Tundrenfeuer und Methan, das aus arktischen Seen blubbert, legten bereits Zeugnis von diesem Erwärmungsprozess ab. (APA/red)