Österreichs Schulen entscheiden selbst über Gebetspraxis

30. November 2011, 19:13
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Streitigkeiten über muslimische Schüler, die beten, sind nicht bekannt

Wien - 1100 Schüler besuchen das Brigittenauer Gymnasium in Wien, etwa ein Drittel sind muslimisch. Beten in der Schule ist hier, im Gegensatz zu Deutschland (siehe Artikel) trotzdem kein Thema: "Ich habe noch nie einen Schüler hier beten gesehen, wenn sie es machen, dann privat und unbemerkt", sagt eine Lehrerin.

Seit in den 1950er Jahren in Österreich das verpflichtende Schulgebet abgeschafft wurde, gibt es keine gesetzliche Regelung mehr. "Jede Schule kann selbst entscheiden, ob in der Stunde gebetet wird", sagt Josef Galley, Sprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Was Schüler in den Pausen tun, sei ihre Privatsache.

Er kenne keine Fälle, in denen es wegen eines Gebets zu einem Konflikt gekommen sei: "Wo vernünftige Menschen miteinander zu tun haben, gibt es diese Probleme nicht. Die entstehen nur, wo Extremisten aneinander geraten." Es würde sich sicher an jeder Schule bei Bedarf ein diskreter Ort zum Beten finden.

"In manchen Schulen gibt es Andachtsräume, in denen Christen und Muslime beten können", sagt Zekirija Sejdini, Sprecher der islamischen Glaubensgemeinschaft. Auch er weiß von keinen Streitigkeiten. Generell gebe es in Österreich weniger Konflikte zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen als in Deutschland - auch, weil der Islam hier schon seit 1912 als Religionsgemeinschaft anerkannt ist. (tob, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.12.2011)

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