Zu viele schwarze Schafe

Kommentar30. November 2011, 18:53
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Jetzt hat es also auch Österreichs Handel begriffen. Frauen bekommen Kinder und handeln sich damit finanzielle Nachteile ein

Jetzt hat es also auch Österreichs Handel begriffen. Frauen bekommen Kinder und handeln sich damit finanzielle Nachteile ein. Ihnen die Anrechnung von Karenzmonaten als Berufszeit weiter zu verwehren, wäre ein Schlag in die Gesichter der überwiegend weiblichen Beschäftigten gewesen - und ein Affront gegenüber den Kundinnen.

Die Kollektivvertragserhöhung von durchschnittlich 3,6 Prozent ist für die Mitarbeiter nicht das Gelbe vom Ei, angesichts der gestiegenen Teuerungsrate und schmalen Margen der Konzerne aber annehmbar. Die Alternative wären Kampfmaßnahmen vor Weihnachten gewesen, wofür Konsumenten dann meist weniger Verständnis aufbringen.

Der ohne gröbere Turbulenzen über die Bühne gebrachte Gehaltsabschluss in allen Ehren - aber der schönste Kollektivvertrag nutzt nichts, wenn ihn die Arbeitgeber in der Praxis unterlaufen, stetig auf der Suche nach Lücken. Es brauchte erst ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, mit dem tausenden Angestellten attestiert wurde, dass ihnen systematisch zu wenig bezahlt wurde. Dabei ist die Branche ob nicht abgegoltener Mehrarbeit und intransparenter Pauschalverträge ohnehin in Verruf. Die von Händlern vielgepriesene Teilzeitarbeit zwingt viele Frauen in Zweit- und Drittjobs, für die sie oft auf Abruf bereitstehen müssen.

Der Handel ist gut beraten, Regeln nicht nur auf dem Papier festzuschreiben. Bekommt er seine großen schwarzen Schafe nicht in den Griff, bleiben fähige Mitarbeiter aus. (DER STANDARD, Print-Ausgabe; 1.12.2011)

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