Das private Schlösschen des Klagenfurter Vizebürgermeisters

30. November 2011, 18:52
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FPK-Politiker lukrierte zur Errichtung eines Gemeindezentrums Steuergeld für eigene Firma

Klagenfurt - Ein Arbeitsprozess gegen die Betreiber des Hörtendorfer Gemeindezentrums "Castellino" brachte zutage, worüber in Klagenfurt schon längst Gras gewachsen war. Eine Mitarbeiterin hatte die A&D Gastro Veranstaltungsges.m.b.H. geklagt. Die krebskranke, geringfügig beschäftigte Reinigungskraft war nach ihrer Krankmeldung ohne ihr Wissen gekündigt worden und musste einige Zeit mit ihrem zehnjährigen Sohn von 125,44 Euro Krankengeld leben. Der Prozess endete vorerst mit einem Vergleichsangebot und wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Offenbar aus gutem Grund:

Denn Geschäftsführer der A&D Gastro ist der Klagenfurter FPK-Vizebürgermeister, Finanz- und Wirtschafts- und Kulturreferent Albert Gunzer. Gesellschafter: Gunzer und sein Unternehmen, die Farben Gunzer Ges.m.b.H.

200.000 Euro Subvention

Mit seiner Privatfirma A&D betreibt Gunzer offenbar das Castellino. Dieses besteht aus einem Café und Veranstaltungsräumen und wird auch als Gemeindezentrum genutzt. Letzteres war die Voraussetzung dafür, dass Gunzer für sein Castellino 200.000 Euro Subvention von der Stadt Klagenfurt bekam. Kurz vor der Gemeinderatswahl 2009 (noch unter VP-Bürgermeister Harald Scheucher) wurde das stadteigene Grundstück günstig an die A&D Gastro verkauft. Der zunächst heftig umstrittene Fördervertrag wurde einstimmig im Stadtsenat und im Gemeinderat abgesegnet. Da der Stadtsenat für den Politiker Gunzer wohl kaum 200.000 Euro Steuergeld lockergemacht hätte, wurde im Förderantrag festgehalten: "Hier handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Herrn Albert Gunzer, Firmeninhaber der Farben Gunzer Ges.m.b.H. - in diesem Fall Komplementär der Gesellschaft - sowie Herrn Drago Kulis, Gesellschafter der Steiner Bau Ges.m.b.H."

Kulis schied nach der städtischen Finanzspritze wieder aus, Gunzer blieb Alleingesellschafter. Er beteuerte immer wieder, das Gemeindezentrum sei dringend nötig gewesen. Er habe es in Privatinitiative errichtet und rund eine Millionen Euro investiert. Die 200.000 Euro seien somit im öffentlichen Interesse gewesen. Das meint auch Gunzers Parteikollege, Bürgermeister Christian Scheider. Im Übrigen habe das Land die 200.000 Euro als Sonderbedarfszuweisung refundiert.

Auch als Politiker zeigt sich Albert Gunzer immer wieder spendabel. Etwa bei einem Kulturprojekt zur Belebung des Lendhafens. Die Stadt übernahm auf seinen Antrag hin 145.000 Euro Baukosten für eine Spielstätte samt Gastronomie - und es gab 20.000 Euro aus Gunzers Kulturbudget. Dem Verein "Lendhauer" gehört auch einer seiner Söhne an. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)

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    Albert Gunzer ist Klagenfurter FPK-Vizebürgermeister, Finanz- und Wirtschafts- und Kulturreferent.

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