Russischer Fortschritt

Einserkastl30. November 2011, 19:44
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Von Stalin zu Putin ist ein himmelweiter Unterschied, zig Millionen Tote sind Vergangenheit

Als sich Stalins Tochter Swetlana, die jetzt in den USA gestorben ist, als Schülerin zum unbeschreiblichen Ärger des Vaters in den Schriftsteller Alexej Kapler verliebte, wurde der für fünf Jahre ins Lager geschickt. Geheimdienstchef Berija sagte ihm, "er müsse ihm für diese Gefälligkeit eigentlich dankbar sein, denn fünf Jahre Haft seien nach den Maßstäben des NKWD (Vorläufer des KGB) überhaupt keine Strafe" (Robert Conquest: Stalin).

Tatsächlich war die Erschießung nach vorheriger Folter die Normstrafe für "politische Verbrechen", wer einfach nach Stalins Meinung ins Lager gehörte - und das waren Abermillionen -, bekam 25 Jahre. Von den rund fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg kamen 3,3 Millionen in deutscher Hand zu Tode , der Rest wurde nach der Rückkehr wegen "Verrats" und "Ansteckung" ins Lager geschickt und starb dort auch.

Von Stalin zu Putin heute ist ein himmelweiter Unterschied, unliebsame Personen kommen zwar immer noch nach Sibirien und/oder sterben in der U-Haft, aber die zig Millionen Tote sind Vergangenheit. Dennoch ist der Blick auf das Russland von heute trüb. Putin zementiert sich zum Herrscher auf Lebenszeit ein. Allerdings: Als sich Putin kürzlich bei einem Boxkampf wieder zur Schau stellte, wurde er ausgepfiffen. Stalin hätte das ganze Stadion ins Lager geschickt. Putin tat, als ob er es nicht gehört hätte. Ein Fortschritt. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)

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    Lana Peters, eigentlich Svetlana Alliluyeva

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