Wien - Die vom Kartellgericht erzwungene Aufnahme der Westbahn-Züge in
ihre Fahrpläne kommt die ÖBB teuer. Bahn-Insider taxieren allein den
Aufwand für den Druck des Kursbuchs auf "jenseits von 100.000 Euro". Nun
müssen tausende Exemplare eingestampft und neue Bücher gedruckt werden.
Da die dicken Schwarten teils bereits ausgeliefert sind, könnte die
Einhaltung der einstweiligen Verfügung eine Herausforderung werden. "Der
Kunde profitiert nicht." Man werde zu Verschwendung gezwungen, hieß es
seitens der ÖBB, und für "rechtzeitige Kundeninformation" bestraft.
Überraschend kann die Niederlage nicht gekommen sein, denn die ÖBB
listet seit Jahren Fahrpläne von Privatbahnen wie Raaber- oder Wiener
Lokalbahn im Kursbuch auf. Die Westbahn (gehört Investoren rund um
Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner und der französischen Staatsbahn
SNCF) bremste sie aber aus.
Stichwort Bremse: Eine solche fordert nun auch ÖVP-Verkehrssprecher
Martin Bartenstein für das ÖBB-Bauprogramm, das laut Verkehrsministerin
Doris Bures (SPÖ) bis 2072 Budgetbelastungen im Volumen von 65
Milliarden Euro vorsieht. Bartenstein stellte keinen der umstrittenen
Milliardentunnels infrage, will aber Projekte evaluieren und die
jährlichen Zuschüsse um rund 500 Mio. senken. Unter Berufung auf nicht
genannte Verkehrsexperten bezifferte der frühere Wirtschaftsminister den
Anstieg der ÖBB-Schulden bis 2017 auf 30 Milliarden. Das sollte bei
jährlichen Investitionen von zwei Mrd. und aktuellem Schuldenstand von
18 Mrd. Euro binnen sechs Jahren nicht überraschen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe; 1.12.2011)