Rock 'n' Roll in Colorado

30. November 2011, 18:05
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Am Freitag steigt in Beaver Creek die zweite Weltcupabfahrt der Saison. Die Raubvogelpiste ist wesentlich anspruchsvoller als die Strecke in Lake Louise

Beaver Creek / Wien - "Als sie diese Abfahrt zum ersten Mal gesehen haben, haben sie große Augen gemacht." Sagt Andreas Evers, der die Birds of Prey, die Raubvogelpiste in Beaver Creek, natürlich schon oft gesehen hat. Schließlich ist der Flachauer seit 1995 Trainer im Österreichischen Skiverband, ab 2007 leitete er die Gruppe Speed. Kreiert wurde die Strecke von Bernhard Russi für die WM 1999 in Vail, auf ihr gewann damals der Flachauer Hermann Maier zeitgleich mit Lasse Kjus den Super-G und ganz allein die Abfahrt. Der Start liegt auf 3483 Meter Seehöhe, das Ziel 757 Meter darunter.

Große Augen also machten in Colorado die Nachwuchsläufer Bernhard Graf (23), Matthias Mayer (21, Sohn des ehemaligen Rennläufers Helmut Mayer), Otmar Striedinger (20) und Johannes Kröll (20), der Großneffe des Routiniers Klaus Kröll (31). Sie sind zum ersten Mal hier. Max Franz (21), Cousin des ehemaligen Rennläufers Werner Franz, sowie Manuel Kramer (21) hatten schon im Vorjahr die Gelegenheit, die Piste im Training zu beschnuppern. Und alle machten sie heuer mit beim Sommertraining im chilenischen Winter.

Kampfansage der Jungen

Zum Auftakt in Lake Louise, Kanada, zeigten die Jungen auf. Nicht nur Joachim Puchner (24) mit TopTen-Plätzen in Abfahrt und Super-G, in dem Mayer Achter wurde und auch andere nicht viel länger unterwegs waren als der große norwegische Sieger Aksel Lund Svindal. "Lassen wir die Kirche im Dorf", sagt Evers dazu. "Es werden noch einige Lehrjahre kommen. Ich bin am Ende der Saison mit jedem zufrieden, der es unter die Top 30 der Rangliste geschafft hat. Die Strecke in Lake Louise ist gut dazu geeignet, Speed aufzunehmen. Aber das hier in Beaver Creek ist Rock 'n' Roll. Es gibt viele Gelegenheiten, Fehler zu machen. Hier musst du oft gefahren sein, um eine Chance zu haben, das Gelände in- und auswendig kennen."

Und das tut natürlich der Schweizer Didier Cuche (37), der aber auch auf der vergleichsweise leichten Abfahrt in Lake Louise nicht zu schlagen war, seinen fünften Sieg im Abfahrtsweltcup anstrebt und sich im Super-G nur Svindal (28) beugen musste. Der Norweger war in Beaver Creek vor vier Jahren im Training schwer gestürzt, zog sich dramatische Verletzungen zu und musste ein Jahr pausieren.

Dass das erste Training nach einem Einwand von Athletensprecher Bode Miller, der auf zwei gefährliche Wellen im Steilhang hingewiesen hatte, von der Jury abgesagt wurde, findet Evers zwar in Ordnung. "Doch unsere Jungs wären gefahren." Und Klaus Kröll merkte an: "Wir sind ja hier nicht beim Kindercup." Fis-Renndirektor Günter Hujara deutete an, dass man nach dieser Premiere auch in Zukunft auf den Athletensprecher, der die Meinung der Mehrheit der Rennfahrer zu vertreten hat, hören werde. "Niemand würde mich verteidigen, sollte ich eine Entscheidung gegen die Mehrheit der Läufer treffen."

Der Abfahrt am Freitag folgen am Samstag ein Super-G und am Sonntag ein Riesenslalom. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Pritnausgabe 1.12.2011)

  • Die Raubvogelpiste verlangt den Läufern alles ab.
    foto: epa/ralph lauer

    Die Raubvogelpiste verlangt den Läufern alles ab.

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