Deutsche Grüne fordern Plastiksackerlverbot

30. November 2011, 17:43
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Vom Spitzenverbraucher zum Plastik-Asketen: In Italien ist das Verbot bereits erfolgreich umgesetzt worden

Berlin/Mailand - Plastiksackerl sollen in Deutschland notfalls per Verbot abgeschafft werden. Das fordern zumindest die Grünen, die am vergangenen Samstag einen entsprechenden Beschluss auf ihrem Parteitag in Kiel gefasst haben. Als erster Schritt solle eine Umweltabgabe von 22 Cent für jedes Sackerl eingeführt werden, beschloss der Parteitag.

Dass der Ausstieg aus dem Gebrauch der aus fossilen Rohstoffen hergestellten Sackerln möglich ist, zeigt das Beispiel Italien: Innerhalb eines Jahres haben sich die Italiener von Europas Spitzenverbrauchern an Plastiksackerln zu Umweltfetischisten bei Verpackungen gewandelt. Das seit Jahresanfang geltende Verbot zur Herstellung und Aushändigung von Plastiksackerln hat entgegen allen Vorhersagen funktioniert.

Verbrauch gesunken

Der Verbrauch von einst 25 Milliarden der umweltschädlichen Nylonsackerln hat sich - laut Schätzungen des Verbands der Kunststoffhersteller - auf vier bis fünf Milliarden Beutel reduziert. In Super- und Großmärkten sind die weißen Plastiksäckchen gänzlich von der Oberfläche verschwunden. Einzig auf den Straßenmärkten und in Greißlereien, insbesondere in Süditalien, werden sie noch vertrieben.

Das 2006 erlassene und 2011 in Kraft getretene Gesetz hat Herstellern wie Verbrauchern genügend Zeit zur Umstellung gewährt. Italien war nicht nur der Spitzenverbraucher in Europa, mit rund 20 Mrd. Säckchen war es auch der größte Hersteller. Der Handelsverband Confcommercio führt den unerwarteten Erfolg auf das wachsende Umweltbewusstsein sowie auf die durch die Müllberge in Neapel entstandene Aversion gegen Umweltverschmutzung jeder Art zurück. Zwar sind die Kosten für die biologisch abbaubaren Säckchen vier bis fünfmal so hoch, die Industrie hat sich jedoch nach anfänglichem Murren dank kräftiger Zuschüsse umgestellt.

Die Verbraucher haben inzwischen Alternativen zu den Wegwerfbeuteln gefunden. Laut einer Befragung haben bereits 73 Prozent die biologisch abbaubaren Säckchen akzeptiert beziehungsweise Alternativverpackungen in Form von Stoff- oder Papiertaschen gefunden. (tsk, frei, DER STANDARD Printausgabe, 1.12.2011)

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    Die Italiener haben sich innerhalb eines Jahres von Europas Spitzenverbrauchern an Plastiksackerln zu Umweltfetischisten bei Verpackungen gewandelt, so die deutschen Grünen.

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