Kanada erwägt angeblich Kyoto-Ausstieg

30. November 2011, 17:40
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Kolportierte Pläne lösen empörte Reaktionen aus

Durban - Angebliche Pläne Kanadas, aus der Klima-Vereinbarung von Kyoto auszusteigen, sind auf dem UN-Gipfel in Durban heftig kritisiert worden. Kanada wäre der erste Staat, der das Protokoll ratifiziert hat und trotzdem vorzeitig aussteigen würde.

Kanadische Medien hatten berichtet, dass das Land in wenigen Wochen plane, den Rückzug vom Kyoto-Protokoll bekanntzugeben. Kanadas Umweltminister Peter Kent dementierte südafrikanischen Fernsehberichten zufolge diese Absicht nicht. Er habe lediglich gemeint, es sei jetzt die falsche Zeit, Entscheidungen zu verkünden. Die Regierung des konservativen Premierministers Stephen Harper hat sich bereits deutlich gegen eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls ausgesprochen.

Reaktionen

Wenn Kanada tatsächlich das Kyoto-Protokoll verlassen würde, "wäre das eine traurige Sache", sagte der EU-Verhandlungschef Artur Runge-Metzger. Auch die Afrika-Gruppe auf dem UN-Forum, der südafrikanische Ex-Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu sowie zahlreiche Umweltschutzorganisationen kritisierten Ottawa scharf. Der Sprecher der Gruppe der 54 afrikanischen Länder auf der Konferenz, Seyni Nafo, bemängelte, dass sich ausgerechnet ein Staat, der "eine historische Verantwortung für das Problem" der Klimaerwärmung habe, nun offenbar ausschere. "Wie können wir Indien und China fragen, mehr zu tun, wenn Kanada sagt, wir steigen aus dem Kyoto-Protokoll aus?"

Klima-Experten in Durban verwiesen darauf, dass Kanada mit einem Ausstieg eine Strafzahlung vermeiden würde, weil das Land die im Kyoto-Papier vereinbarten Ziele absehbar nicht erreichen könne. Es bekam im Kyoto-Protokoll eine Reduktionsverpflichtung von sechs Prozent von 1990 bis 2012 auferlegt, steht nach jüngsten Zahlen aber bei plus 17 Prozent. Kanadas Regierung hatte bereits betont, dass eine zweite Verpflichtungsperiode ohnehin nicht infrage käme, weil die größten CO2-Produzenten, China und die USA, keine internationale bindende Vereinbarung unterzeichnen würden.

Kanada habe einen großen Ruf in Sachen Menschenrechte und Umweltschutz gehabt, sagte Tutu in einer gemeinsamen Stellungnahme mit anderen afrikanischen Prominenten. Heute sei Kanada verantwortlich für umweltverschmutzende Industrien und "das Anheizen der gefährlichen Effekte des Klimawandels". (APA/red)

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