EU will mehr Geld in die Forschung pumpen

30. November 2011, 17:29
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"Horizon 2020": Zwischen 2014 und 2020 sollen 80 Milliarden Euro fließen - mehr Geld auch für Stammzellenforschung

Wien - Die Europäische Kommission hat am Mittwoch ihren Vorschlag zur Zukunft der Förderung der Forschung, Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit - "Horizon 2020" - in Brüssel präsentiert. Insgesamt sollen zwischen 2014 und 2020 80 Milliarden Euro in diesen Bereich investiert werden, um fast die Hälfte mehr als im 2013 auslaufenden 7. Forschungs-Rahmenprogramm. Bei einem Pressegespräch in Wien waren sich österreichische Experten einig, dass mit dem Fokus auf den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu marktreifen Produkten sowie administrativen Vereinfachungen ein vielversprechender Weg eingeschlagen wurde.

Drei Säulen

Das neue EU-Programm zur Forschungsförderung beruhe auf drei Säulen, wie Wolfgang Burtscher von der Europäischen Kommission ausführte. Für die erste, primär die Grundlagenforschung betreffende Säule "Exzellente Forschung" sind insgesamt etwas mehr als 24,5 Mrd. Euro vorgesehen. Die Themen sollen direkt aus der Wissenschaft kommen, wie der Vorarlberger betonte. Deutlich erhöht werden soll hier das Budget des Europäischen Forschungsrats (ERC), der zur Unterstützung von wissenschaftlicher "Pionierarbeit" mit 13 Mrd. Euro um 77 Prozent mehr als derzeit erhalten soll.

In der zweiten Säule ("Marktführerschaft") sollen die Themen vermehrt aus der Wirtschaft kommen. Der Schwerpunkt soll hier auf strategischen Investitionen in Schlüsselbereiche wie Nano-, Bio- und Informationstechnologie sowie Werkstoff- oder Raumfahrtforschung liegen. Ziel sei, in diesen Bereichen Risikokapital im Bereich Forschung und Entwicklung für Industrie, kleine- und mittlere Betriebe (KMU) bereitzustellen, um die Entwicklung innovativer Produkte zu forcieren. Dafür sind etwa 18 Mrd. Euro vorgesehen.

Die dritte Säule soll wichtige "Gesellschaftliche Herausforderungen" abdecken. Hier gehe es darum, sich mit Themen auseinanderzusetzen, "die alle berühren", so Burtscher. Als Beispiel nannte er die notwendige Reduktion der Treibhausgase oder die Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. In diesem mit fast 32 Mrd. Euro dotierten Bereich soll vor allem interdisziplinäre Forschung gefördert und die Geistes- und Sozialwissenschaften eingebunden werden. Auch hier sieht man seitens der Kommission großes Potenzial für Maßnahmen, die zur Markteinführung von Produkten führen können.

Stichwort Vereinfachung

Den häufigen Forderungen nach Vereinfachungen bei der Administration der EU-Förderprogramme will die Kommission bei Horizon 2020 mit einem "akzeptablen Standard an bürokratischem Aufwand" Rechnung tragen, so Burtscher. Vorgesehen sind ein einheitliches Regelwerk für alle Komponenten des Programms, einheitliche Fördersätze und vereinfachte Bewertungsregeln für Projekte.

Die Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Henrietta Egerth, sieht in den Vorschlägen gute Ansätze für die geforderten Vereinfachungen. Österreich habe sich im 7. Rahmenprogramm sehr gut positioniert, so Egerth, die darauf verwies, dass "man nicht immer Nettoempfänger war". Mittlerweile sei Österreich ein "Best-Practice-Beispiel" geworden.

Die FFG sehe sich als Brücke zwischen den Förderprogrammen der EU und der heimischen Forschung, Industrie und den KMUs. Als nationale Kontaktstelle bündle die FFG die Beratungskompetenz für alle europäischen Formate unter einem Dach. Hier ginge es vor allem darum, zu vermeiden, dass "der Kunde durch die falsche Tür geht", also bei den falschen Töpfen um Förderungen ansucht. Europa habe insgesamt "Probleme bei der Umsetzung von Forschung in Produkte", daher begrüßt die FFG-Chefin den starken Fokus auf Innovationen und marktfähige Produkte.

Stichwort Stammzellenforschung

Die EU-Kommission will die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei Stammzellen im nächsten Haushalt um mehr als ein Drittel steigern. Die Vorschläge benötigen allerdings die Zustimmung von Europaparlament und EU-Staaten, und in Teilen des Europaparlaments stoßen die Regelungen zur Stammzellforschung auf Widerstand.

Zwar ist laut EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn auch weiterhin kein Geld vorgesehen für Projekte, bei der befruchtete weibliche Eizellen zerstört werden. Es soll aber den EU-Ländern selbst überlassen bleiben, wie strikt sie solche Forschung reglementieren. (APA/red)

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