Gibt's nicht mehr ...

  • Vermisst: Bio-Carnaroli- oder Arborio-Risottoreis in der Kilopackung.
    foto: derstandard.at/schersch

    Vermisst: Bio-Carnaroli- oder Arborio-Risottoreis in der Kilopackung.

  • Ein Grund weniger, sich über den Winter zu freuen - das Aida-Haselnuss-Soufflé gehört der Vergangenheit an.
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    Ein Grund weniger, sich über den Winter zu freuen - das Aida-Haselnuss-Soufflé gehört der Vergangenheit an.

Jahrelang kauft man bestimmte Produkte im Supermarkt ein, um dann eines Tages erstaunt vor einem umgeräumten Regal zu stehen - Ein Nachruf

Viele Jahre lang war einer der Fixpunkte am Ende des Italienurlaubs der Großeinkauf im Supermarkt. Dinge, die es bei uns überhaupt nicht gab, die sehr selten oder sehr teuer waren, wanderten dort als einfache Supermarktware ins Einkaufswagerl.

Dementsprechend wurde kiloweise Carnarolireis, Safran (zugegeben, in dem Fall waren es keine Kilogramm), Parmesan im Stück, Cannelloni und Amaretti für zuhause eingekauft. Mit dem Beitritt zur EU wandelte sich das Angebot in den heimischen Supermärkten. Plötzlich waren die Spezialitäten nicht mehr nur im Delikatessenladen zu finden, sondern eroberten die großen Lebensmittelketten.

Grundnahrungsmittel Risottoreis

Nun hat offenbar die Gegenbewegung eingesetzt und diese geht in Richtung Einheitsbrei: Die Kilopackung Bio-Risottoreis (Carnaroli oder Arborio) ist in den Merkur-Regalen plötzlich nicht mehr zu finden. Sowohl dort als auch bei Spar gibt es nur noch 500g-Packungen derselben Marke, und nicht mehr in Bioqualität. Der Preis ist umgelegt auf den Kilo-Preis höher. Statt verschiedener Reissorten finden sich - ganz zeitgemäß - nun unzählige "Fertigrisotti" in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Dass die Lieblingskekse von Mulino Bianco schon des längeren nicht mehr im Regal stehen, war ja noch verschmerzbar, beim Risottoreis ist es allerdings nicht so einfach. Schließlich ist der im heimischen Haushalt quasi ein Grundnahrungsmittel wie Mehl, und wenn so etwas einfach ausgelistet wird, ergibt das eine kleine Krise. 

An den Dijonsenf von Maillé aus dem Supermarkt - überhaupt in der Variante Honig - hatten wir uns auch schon gewöhnt. Mittlerweile muss man wieder im Urlaub zuschlagen.

Puddingpulver in Himbeere

Es sind natürlich nicht nur südliche Spezialitäten, die wir vermissen, sondern auch Lebensmittel, die den Geschmack unserer Kindheit prägten. Puddingpulver - ja, das zum Selberkochen - gab es seit den 1970er-Jahren in den Sorten Himbeere, Haselnuss, Cappuccino, Tiramisu - und von einem der teureren Puddingpulverproduzenten sogar in Pistazie.

Heute ist das Puddingpulverregal von gut einem Meter Länge auf etwa 40 Zentimeter geschrumpft, beherbergt es doch nur noch die Sorten Vanille und Schoko. Apropos Aromen der 1970er-Jahre: Erinnert sich jemand an Benco mit Bananengeschmack?

Vermisst: Das Haselnuss-Soufflé

Nicht nur Großhandel und Industrie stoppen Produkte, die anscheinend nicht (mehr) gefragt sind, sondern auch Kleinproduzenten. Besonders schmerzlich: Aida hat uns vor etwa zwei Jahren das Haselnuss-Soufflé geraubt. Das luftige Haselnussbaiser-Törtchen mit Schlagobers-Nussfülle und der ganzen Nuss oben drauf wurde nur in der Wintersaison gebacken, weshalb man sich jedes Jahr ab dem Frühling wieder darauf freuen konnte.

Nun gibt es noch einen Grund weniger, am Winter etwas Gutes zu finden. Deshalb hätten wir so dringend das Rezept gebraucht. Auf unsere Anfrage bei Aida hieß es, es könne nicht an uns weitergegeben werden, da die Produkte nach Nachfrage wechselten. Ein Hoffnungsschimmer für das Haselnuss-Soufflé?

Kleine Krisen der Kindheit

Solche kleinen und größeren Krisen begleiten uns ja schon seit der Kindheit: Das blaue Stieleis, das eine so wunderbar blaue Zunge erzeugte, wurde schon nach kurzer Zeit eingestellt, während das Pistazienpaiper zumindest einige Sommer lang den Schwimmbadbesuch zusätzlich versüßte. Cornetto Marille dürfte auch nicht der große Renner gewesen sein. Gut, dass es unsere erste Berührung mit Alkohol noch zu kaufen gibt: das Rumfass von Schöller.

Eine Spontanumfrage innerhalb der derStandard.at-Redaktion nach einst heiß geliebten und heute sehr vermissten Produkten bringt Erstaunliches zutage. Erstens: Männer dürften kaum Produkte vermissen, denn nur ein einziger Kollege antwortete auf unsere Umfrage. Was möglicherweise an Auffälligkeit Nummer zwei liegt: Es finden sich überproportional häufig Süßigkeiten, und hier wieder besonders viele Eissorten, auf der Liste der Dinge, deren Auslistung schmerzt. (tin/ped, derStandard.at, 8.2.2012)

Was der derStandard.at-Redaktion fehlt:

  • Eiskonfekt mit Pumucklbildern
  • Maronicreme - bei Interspar aus dem Sortiment entfernt
  • Richtig große Gläser mit Cashewmus vom Naturkostladen
  • Pfefferminzsirup
  • Fanfare Haselnussröllchen
  • Plattfußeis, Tschisi-Eis und Magnum Yogurt Fresh
  • Farmertoast bei Hofer
  • Bio-Fencheltee von Zielpunkt
  • Nypon-Soppa bei Ikea
  • Die alte FRU-FRU-Verpackung
  • Gegrillte Bio-Hühnerbrust bei SPAR 
  • "Negerbrot"- "nicht den Namen, aber das Produkt, meint Kollegin B."
  • Pinkfarbenes Spülmittel

Welches Produkt vermissen Sie schmerzlich?

Geht's noch? / Geht doch! gibt auf subjektive Art und Weise Freud und Leid im Alltag der Lifestyle-Redaktion beim Essen, Trinken & Einkaufen wieder.

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