Budget-"Optimierung"

Die Bundestheater beugen sich dem Diktat

30. November 2011, 17:17
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    foto: redbull.at

    Flying Bach, die von Red Bull gesponserte Fusion von Breakdance und Klassik.

Leeren Kassen und ein Maßnahmenkatalog zwingen die staatlichen Bühnen zum Kompromiss: Das Opernmuseum wird geschlossen, die Burg tageweise an Red Bull vermietet

Wien - Seit 20 Jahren steht Georg Springer zunächst als Generalsekretär, nun als Geschäftsführer der Holding an der Spitze der Bundestheater. Am 20. August feierte der Jurist seinen 65. Geburtstag. In Pension wird er aber so bald nicht gehen: Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) verlängerte seinen Vertrag ein weiteres Mal - nun bis Ende 2014.

Springers Freude hält sich aber in Grenzen. Hat er doch das Ergebnis der Evaluierung umzusetzen. Der Maßnahmenkatalog beziffert die "Optimierungspotenziale" bis zum Sommer 2015 im Burgtheater mit 3,6 Millionen Euro, in der Staatsoper mit 6,7 Millionen, in der Volksoper mit 1,5 Millionen und in der Theaterservice GmbH, die von Josef Kirchberger bereits jetzt äußerst effizient geführt wird, mit 0,6 Millionen.

"Optimierung" bedeutet aber nicht, dass diese Summen eingespart werden müssen; das Ergebnis wird auch erreicht, wenn die Einnahmen um die genannten Beträge steigen. Der Katalog sieht z. B. in der Staatsoper Einnahmen aus der unter Ioan Holender abgeschafften Garderobengebühr in der Höhe von 250.000 Euro vor. Es soll aber auch künftig keine eingehoben werden. Also muss man die Summe anderswo erwirtschaften. Sicher ist, dass das - ebenfalls unter Holender - im Hanuschhof etablierte Opernmuseum aufgegeben wird. Die Bestände dürften dem nahegelegenen Theatermuseum überantwortet werden. Die Staatsoper erspart sich die Betriebskosten, und die Räumlichkeiten können gewinnbringend fremdvermietet werden.

Sicher ist auch, dass die Kartenpreise erneut angehoben werden. Dennoch müsse es, so Springer, eine Anhebung der Basissubvention um mehrere Millionen Euro geben. Denn um allein die Bezugserhöhungen finanzieren zu können, müssten die Kartenpreise jährlich um zumindest zehn Prozent angehoben werden. Und das sei definitiv unzumutbar.

Die Situation ist schon jetzt bedenklich. Im November mietete Red Bull für vier Tage das Burgtheater an - für sechs Vorstellungen der Fusion von Breakdance und klassischer Musik unter dem Titel Flying Bach. Anfang 2012 überlässt Direktor Matthias Hartmann das Haus zwei weitere Tage lang dem Getränkehersteller.

"Keine Eventbude"

"Das ist das Diktat der leeren Kassen", sagt Springer. "Der Subventionsgeber zwingt uns dazu. Denn mittlerweile können wir nur mit solchen Einnahmen den regulären Spielbetrieb finanzieren." Und er beteuert: "Wir bekommen von Red Bull viel Geld. Das konnten wir einfach nicht ablehnen."

Hartmann ergänzt: "Das Burgtheater verkauft sich nicht zu billig. Schmerzgrenzen werden nicht unterschritten. Wir werden sicher keine Eventbude für Billigkunst." Vermietungen seien zwar nicht in seinem Interesse, er tröstet sich aber damit, dass Flying Bach ein anderes Publikum hat, das normalerweise nie ins Burgtheater geht.

Hartmann wünscht sich, dass es, wie in Zürich, wo er zuvor Direktor war, eine automatische Inflationsabgeltung gibt. Dann sei man zu solchen Maßnahmen nicht gezwungen. Und Georg Springer gerät ins Grübeln: "Wo kommen wir hin, wenn wir irgendwann jedem Veranstalter, der legal operiert, in die Arme fallen müssen?" Diese Frage würde er gern breit und öffentlich diskutiert wissen.  (Thomas Trenkler  / DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)

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19 Postings
NoneSolo
01
2.12.2011, 14:02
Um Bezugsehöhung zu finanzieren +10% bei Kartenpreisen

Dann läuft da wohl etwas sehr schief. In allen anderen Bereichen gilt es zu feilschen, damit die Bezüge um 2, 3 % pro Jahr angehoben werden.

Aber der Herr Springer bei seinem mageren Einkommen muss natürlich 10 % dazubekommen, sonst verhungert er womöglich noch.

Giovanni Lick
00
1.12.2011, 17:22
pro:log samt Dramaturgen abschaffen

Einsparungspotential bietet nicht nur die Selbstbejubelungs-Hauspostille pro:log, sondern die beiden Dramaturgen, die zu zweit jene Arbeit erledigen (im doppelten Wortsinn), die früher einer machte. Wetten, daß sie zusammen mehr verdienen als früher der einzige Dramaturg? Und das, obwohl die Qualität nicht verdoppelt, sondern halbiert wurde ...

Wickinger
00
2.12.2011, 11:06

Die beiden Dramaturgen in der Staatsoper bewältigen ein Arbeitspensum, das beeindruckend ist; unvorstellbar, wie das von einer einzigen Person erledigt werden könnte. Auch ohne Prolog.

p-hammer
00
1.12.2011, 10:07
Red Bull bitte nicht zum Satan stilisieren

Also vorweg: des Saftl is ned zum Trinkn.

Aber in bestimmten Sektoren (Extremsport, Breakdance, etc.) haben die einen Ruf, der es ihnen praktisch verbietet, Schrott zu produzieren. Was da gezeigt wird hat in seinem Bereich sehr hohes Niveau. Das kann man auch als klassischer Theaterbesucher durchaus mal "riskieren". Und wenn der Bund zuwenig Geld hat, soll's mir recht sein - besser als sie müssen selbst künstlerische Abstriche machen.

Aber richtig: die Gefahr, irgendwann von wirklichem Schund abhängig zu sein, ist evident.
Wobei hier die Einmieter im Musikverein und Konzerthaus - ja, andere Eigentümerstruktur - (oft) um vieles schlimmer sind als die hier angesprochene Show.

mutsen drajom
00
1.12.2011, 08:26

hubert von goisern will mit dem boot die donau runterfahren und es fehlt ihm das geld. also ruft er den herrn red bull an und bittet um hilfe. als er die wunschsumme nennt sagt herr red bull: "was so wenig, da geb ich ihnen mehr damits was gscheits wird". tolle sache draus geworden ohne dass stiere dabei waren. also vielleicht gar nicht so schlecht auch fürs burgtheater.

lästermaul
00
1.12.2011, 01:17
dem burgtheater werden flügel verpaßt,

mit denen es in den olymp der werbe/wirtschaft fliegen kann. bestimmt mateschitz auch gleich den spielplan?

Keikobad
02
30.11.2011, 20:29
Schande

Das Opernmuseum zu schließen, wäre eine Schande für die Musikstadt Wien. Gerade hat die Oper von Neapel eines eröffnet, die Mailänder Scala ist stolz auf ihr Opernmusuem, und Wien, die Stadt der Oper, gibt etwas auf, was herovrragend ankommt. Ich habe es schon mehrmals besucht und bin immer wieder begeistert. Wenn man sich das Buch durchliest, in dem sich Besucher eintragen können, schwärmen die Leute. Da sollte die Frau Minister ein Machtwort reden. Es gäbe andere Möglichkeiten, Geld einzusparen, etwa beim pro:log, dem Magazin der Staatsoper, der sehr langweilig gemacht ist.

p-hammer
01
1.12.2011, 09:59
Warum keine sinnvolle Fusion?

Eine Zusammenlegung mit dem Theatermuseum (ist im Übrigen praktisch ums Eck angesiedelt) könnte durchaus Sinn machen. Immerhin haben dessen Ausstellungen immer wieder einen starken, mitunter sogar reinen Opernbezug.

Auch könnte man überlegen, einen Teil des Opernmuseums - eigentlich ja eine Art Betriebsmuseum der Staatsoper (das ist nicht abwertend gemeint) - im Hauptgebäude anzusiedeln.

Wenn die StO diese Räumlichkeiten gewinnbringend vermieten kann - damit mehr Geld für den künstlerischen Betrieb lukriert - und die Ausstellung weiterhin öffentlich zugänglich ist, spricht für mich nichts gegen die Auflassung des Museums in der heutigen Form.

Andi Arroganti
00
4.12.2011, 20:58

Das Problem ist das Theatermuseum, das ja derzeit zum KHM gehört, aber ein Teil der Bestände des Museums wiederum der ÖNB gehören. das ist an und für sich schon sehr hatschert, wenn dann noch das opernmuseum dorthin wandert, stellt sich die frage: Depot? Schenkung? alles recht mühsam zu handeln.

IchbinIch5
20
30.11.2011, 22:21

Um Himmels Willen was denken sie, was ein Magazin wie prolog im Gegensatz zum Betrieb eines Museums kostet?

Keikobad
00
30.11.2011, 23:40

Sehr viel mehr. Der pro:log wird außerdem komplett verschenkt, aber im Museum wird Eintritt verlangt, finanziert sich somit zu einem Teil wieder. Das Museum zu schließen ist reine Augenauswischerei. Die ganze Evaluierueng ist fragwürdiug. Angeblich hatd as dieselbe Firma durchgeührt, die den Osterfestspielen knapp vor Auffliegen des Skandals noch bescheinigte, es sei alles in Ordnung. Wenn man argumentiert, das Geld muss für den Kernbereich verwendet werden, also fürs Theaterspielen, dann gilt das auch für den pro:log. Die Oper braucht keine eigene Zeitung.

IchbinIch5
21
1.12.2011, 07:51

Ich bin eigentlich bei Ihnen . die Evaluierung ist kompletter Unsinn. Vor allem weil die Frage ist: Zählt eine Bank (für die ja enorm Geld da ist!) in diesem Land wirklich mehr als Kultur und Kunst? Aber: Eine Zeitung ist vom Geld her egal, die ist relativ billig. Aber: Sie liefert Auseinandersetzung, Information und Diskussion (wenn auch schlecht gemacht, wie beim pro:log) - wenn man der Kunst das nimmt, wird sie (was sie im fall der Oper ohnehin immer zu werden droht) einfach Unterhaltung für die Eliten. Und dann steht wenig zwischen der Oper und der Subventionskürzung, weil die Legitimation fehlt.

Die Aufklärung
 
14
30.11.2011, 18:10
Entlarvend

Die Profanierung der Bühnen in Richtung RED BULL EVENTS ist entlarvend für die Ungeistigkeit der herrschenden Regierung.

Nicht einmal in den Notzeiten nach 1945/1955 hat man sich nicht entböldet, aus den Theater Rummelbuden zu machen um "Zaster" (nach den Worten der Frau Mikl-Leitner) einzubaggern.

donna corleona
13
30.11.2011, 21:37

Theater sind keine Tempel, und gerade für große und mittlere Häuser sollte professionelles Kunstsponsoring - zusätzlich zu den Subventionen - kein Fremdwort sein.

Zur Vermietung: Vor zwei Jahren hat ein renommiertes Wochenmagazin bei mehreren Theatern angefragt, ob es möglich ist, gegen entsprechende Mietgebühr im August ein einwöchiges Symposium abzuhalten. Es gab ausschließlich Absagen (wegen "Theaterferien, Personalmangel, Sanierungsarbeiten" etc.).
Ich denke, es wäre den Theatern zumutbar, gerade während der langen Schließzeiten ihre Räumlichkeiten für interessante Veranstaltungen, Künstler aus dem Ausland etc. zur Verfügung zu stellen.

IchbinIch5
13
30.11.2011, 22:24

Ein guter Vorschlag - aber wo kommen die Techniker her, die diese Veranstaltungen betreuen? Die können ja nicht wirklich von Außen kommen, da zu wenig vertraut mit der Technik vor Ort. Wo kommt Publikumsdienst her? Und und und ... Dieses Service will man in der Regel dabei haben, wenn man ein Haus anmietet. Wenn diese Stellen aber alle von den Theatern gestellt werden, wo soll das Personal herkommen? (Denn der Sommer dient ja auch dem gesetzlichen Urlaubsanspruch). Also: Mehr Leute einstellen? Aber: Überwiegen die Mieteinnahmen dann noch die steigenden Personalkosten? Ich bezweifle es! Also: Zuerst mal durchrechnen, dann posten!

NoneSolo
01
2.12.2011, 13:59
Sommer dient gesetzlichem Urlaubsanspruch

Wieso, haben die Bediensteten der diversen Theater / Opernhäuser Urlaubsansprüche in Lehrerausmaßen ?

Die Staatsoper hat z.B. 9 Wochen geschlossen. Heißt das, alle Bediensteten dort haben mindestens 9 Wochen Urlaub pro Jahr? Wenn nein, wäre auch Zeit für Fremdveranstaltungen in dieser Zeit, wenn ja, dann wäre hier auch Einsparungsbedarf gegeben.

LiPe
11
3.12.2011, 16:20
@nonesolo

haben sie denn wirklich die glauben, dass 9 wochen hindurch im sommer absolut niemand im theater- oder operhaus arbeitet ...?!
der sommer dient am theater neben dem wohlverdienten urlaub vor allem auch zum abbau zahlreicher überstunden (zeitausgleich), die während sich der saison angehäuft haben.
nur weil in diesem zeitraum keine produktionen gezeigt werden, heißt es noch lange nicht, dass alle auf urlaub sind ... stichwort: (wiederaufnahme-)proben, dramaturgie & spielplanplanung, instandhaltungsarbeiten und reparaturen, die während der saison aufgrund des spielbetriebs nicht zu bewältigen sind etc.

LiPe
00
3.12.2011, 16:52
korrektur

"den glauben", nicht "die glauben" ... *vertippt*

IchbinIch5
22
1.12.2011, 07:51

Hmmm ... roter Strich aber keine Antwort, auch eine form der Auseinandersetzung!

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