Leeren Kassen und ein Maßnahmenkatalog zwingen die staatlichen Bühnen zum Kompromiss: Das Opernmuseum wird geschlossen, die Burg tageweise an Red Bull vermietet
Wien - Seit 20 Jahren steht Georg Springer zunächst als Generalsekretär,
nun als Geschäftsführer der Holding an der Spitze der Bundestheater. Am
20. August feierte der Jurist seinen 65. Geburtstag. In Pension wird er
aber so bald nicht gehen: Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ)
verlängerte seinen Vertrag ein weiteres Mal - nun bis Ende 2014.
Springers Freude hält sich aber in Grenzen. Hat er doch das Ergebnis der
Evaluierung umzusetzen. Der Maßnahmenkatalog beziffert die
"Optimierungspotenziale" bis zum Sommer 2015 im Burgtheater mit 3,6
Millionen Euro, in der Staatsoper mit 6,7 Millionen, in der Volksoper
mit 1,5 Millionen und in der Theaterservice GmbH, die von Josef
Kirchberger bereits jetzt äußerst effizient geführt wird, mit 0,6
Millionen.
"Optimierung" bedeutet aber nicht, dass diese Summen eingespart werden
müssen; das Ergebnis wird auch erreicht, wenn die Einnahmen um die
genannten Beträge steigen. Der Katalog sieht z. B. in der Staatsoper
Einnahmen aus der unter Ioan Holender abgeschafften Garderobengebühr in
der Höhe von 250.000 Euro vor. Es soll aber auch künftig keine
eingehoben werden. Also muss man die Summe anderswo erwirtschaften.
Sicher ist, dass das - ebenfalls unter Holender - im Hanuschhof
etablierte Opernmuseum aufgegeben wird. Die Bestände dürften dem
nahegelegenen Theatermuseum überantwortet werden. Die Staatsoper erspart
sich die Betriebskosten, und die Räumlichkeiten können gewinnbringend
fremdvermietet werden.
Sicher ist auch, dass die Kartenpreise erneut angehoben werden. Dennoch
müsse es, so Springer, eine Anhebung der Basissubvention um mehrere
Millionen Euro geben. Denn um allein die Bezugserhöhungen finanzieren zu
können, müssten die Kartenpreise jährlich um zumindest zehn Prozent
angehoben werden. Und das sei definitiv unzumutbar.
Die Situation ist schon jetzt bedenklich. Im November mietete Red Bull
für vier Tage das Burgtheater an - für sechs Vorstellungen der Fusion
von Breakdance und klassischer Musik unter dem Titel Flying Bach. Anfang
2012 überlässt Direktor Matthias Hartmann das Haus zwei weitere Tage
lang dem Getränkehersteller.
"Keine Eventbude"
"Das ist das Diktat der leeren Kassen", sagt Springer. "Der
Subventionsgeber zwingt uns dazu. Denn mittlerweile können wir nur mit
solchen Einnahmen den regulären Spielbetrieb finanzieren." Und er
beteuert: "Wir bekommen von Red Bull viel Geld. Das konnten wir einfach
nicht ablehnen."
Hartmann ergänzt: "Das Burgtheater verkauft sich nicht zu billig.
Schmerzgrenzen werden nicht unterschritten. Wir werden sicher keine
Eventbude für Billigkunst." Vermietungen seien zwar nicht in seinem
Interesse, er tröstet sich aber damit, dass Flying Bach ein anderes
Publikum hat, das normalerweise nie ins Burgtheater geht.
Hartmann wünscht sich, dass es, wie in Zürich, wo er zuvor Direktor war,
eine automatische Inflationsabgeltung gibt. Dann sei man zu solchen
Maßnahmen nicht gezwungen. Und Georg Springer gerät ins Grübeln: "Wo
kommen wir hin, wenn wir irgendwann jedem Veranstalter, der legal
operiert, in die Arme fallen müssen?" Diese Frage würde er gern breit
und öffentlich diskutiert wissen. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)