Vor der Fotografie

30. November 2011, 19:46
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Silber, Kupfer und ein Spiegel: Der Wiener Künstler Michael Part entschleunigt in seiner Ausstellung den digital geprägten Blick auf das Medium Fotografie

Wien - Es gibt wohl kaum jemanden, der die Ausstellung von Michael Part betritt, ohne ein Mobiltelefon mit Fotofunktion in der Tasche zu haben. Längst sind damit alle zu Fotografen geworden, auch wenn das Bildmotiv meist ähnlich simpel wie die technische Handhabung ist.

Dass die technische Seite den Inhalt von Fotos stets mitdefiniert, wird in der Ausstellung von Michael Part in der Galerie Andreas Huber auf sehr reduzierte, experimentelle Weise vermittelt. Seit Jahren beschäftigt sich der 1979 in Wien geborene Künstler mit dem Medium Fotografie - oder besser: mit den einzelnen Elementen, die für fotografische Abbilder verantwortlich sind.

Bei der "fotografischen" Bildgenerierung macht es sich Part jedoch keineswegs leicht: Davon erzählt zum einen die lange chemische Formel, die seine Ausstellung betitelt; dies lassen zum anderen auch die unterschiedlich großen Messing- und Kupferplatten erahnen, die man dort sieht.

Wesentliches Mittel seiner experimentellen Bildfindung ist eine Silbergelatin-Lösung, die beim Entwickeln von Fotografien abfällt. In einem Prozess, den Chemiker mit der titelgebenden Formel beschreiben, dienen Part die Metallplatten dazu, das Silber wieder zu binden. Dadurch entsteht an der Oberfläche der Platten ein abstraktes Muster. Parts chemische Experimente verweisen damit einerseits auf die "Vorgeschichte" der Fotografie - gleichzeitig repräsentieren die Bilder auch den Prozess ihrer Herstellung und reihen sich mit ihren feinen Nuancen in die Geschichte der abstrakten Kunst ein.

Dass sich der Künstler insgesamt weniger für den Abbildcharakter des Mediums Fotografie als für dessen technische und ästhetische Qualität interessiert, untermauert auch eine Serie von Dias. Sie zeigt mit Aufnahmen einer Schlucht in Vorarlberg (Steinen, Wäldern und Bäumen) zumindest vorgeblich das Gegenteil seiner ansonsten eher abstrakten Bildexperimente (u. a. hat er das Silber aus einem Spiegel extrahiert). Part legte aber auch hier den Fokus nicht auf das inszenierte Motiv, sondern auf die feinen und detailreichen Abstufungen und Kontraste. Mit diesen Details führt er das "realitätsfremde", weil im Gegensatz zum menschlichen Auge viel zu präzise "Sehen" mittels einer fotografischen Technik vor. (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)

Bis 14. 1., Galerie Andreas Huber, Schleifmühlgasse 6-8, 1040 Wien

 

  • Die von Michael Part mit Silbergelatin-Lösung behandelten Metallplatten zeigen sich verändernde abstrakte Muster.
    foto: galerie huber

    Die von Michael Part mit Silbergelatin-Lösung behandelten Metallplatten zeigen sich verändernde abstrakte Muster.

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