Klinik-Alltag und die Last der Prognose "lebenslang"

Reportage | 1. Dezember 2011, 06:15
  • Noch immer kämpfen die Ärzte mit Vorurteilen gegen die Therapie: 
dass sie Durchfälle auslöst oder die gefürchtete Lipoatrophie.
    foto: apa/jens kalaene

    Noch immer kämpfen die Ärzte mit Vorurteilen gegen die Therapie: dass sie Durchfälle auslöst oder die gefürchtete Lipoatrophie.

  • Mitarbeiter und Besucher bei der Eröffnung der HIV-Ambulanz am AKH "4 süd" (im Bild vorne Ärztin Veronique Touzeau).
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    foto: ap/hans punz

    Mitarbeiter und Besucher bei der Eröffnung der HIV-Ambulanz am AKH "4 süd" (im Bild vorne Ärztin Veronique Touzeau).

Die HIV-Ambulanz im Wiener AKH betreut 1100 Patienten. "Bei uns hier geht es sehr familiär zu", sagt einer von ihnen. Gemeinsam halten Ärzte, Pflegende und HIV-Infizierte das Virus in Schach

Die Schlange am Empfangsschalter ist am Mittwoch um acht Uhr früh keine zehn Mann lang. Weil es draußen nebelig kalt ist, haben alle ihre Mützen noch tief ins Gesicht gezogen. "Guten Morgen. Wollen Sie zu einem bestimmten Arzt", wird die freundliche Dame hinter dem Schalter gleich fragen. "Ist egal", hört sie.

"Ich komme immer eine gute halbe Stunde vor dem Termin, dann geht sich zeitlich alles wunderbar aus", erklärt ein zirka 50-Jähriger in Pudelhaube einem wesentlich Jüngerem hinter ihm. Der ist offenbar neu, wirkt gehetzt und bleibt es auch beim Warten im sonnig gelb gestrichenen Wartesaal. Die HIV-Ambulanz ist erst vor einem knappen halben Jahr nach "4süd" übersiedelt. 1100 Patienten kommen drei- bis viermal jährlich hierher zur Kontrolle. Krank sieht keiner der Männer heute aus.

"Wie geht es Ihnen", wird Florian Breitenecker jeden Einzelnen von ihnen fragen, sich beim lockeren Smalltalk die Patientendaten auf den Bildschirm holen und die Krankengeschichte durchlesen, während Pfleger Alex Riegler Blut abnimmt und in Röhrchen mit grünen, lila und roten Deckeln abfüllt. "Mir ist vom Atripla immer total schwindlig geworden, wie ein Vollrausch", wird ein schmaler 50-Jähriger erzählen, mit der neuen Therapie sei das aber weg. An seine durch eine Leukenzephalopathie (PML) verursachten Sehstörungen habe er sich gewöhnt, "das Hirn kompensiert diese Defizite, das ist erfreulich", antwortet Breitenecker. Hier wird ganz nüchtern und unaufgeregt über das HI-Virus und seine Folgen gesprochen. Die Patienten wissen Bescheid, kennen ihre Problematik, diskutieren Optionen. Zum Abschluss geht es um die zwei wichtigsten Parameter für HIV-Infizierte. Die Viruslast - "unter der Nachweisgrenze, das heißt, dass die neue Therapie bei ihnen wirkt", sagt Breitenecker - und auch der CD4-Wert, der über den Status des Immunsystems Auskunft gibt, sei "schön".

Messwerte kennen

Genau das ist beim nächsten Patienten nicht der Fall. "Mit CD4-Werten unter 350 empfehlen wir eine Therapie, Sie wären bereit, Ihr Wert liegt bei 200", eröffnet er einem 30-jährigen Mann mit silbernen Adidas-Flügelschuhen. So wie bei vielen steht MSM in der Patientenakte, "Men having sex with men" bedeutet es, und dieser junge Dunkelhaarige ist gekommen, um die notwendige Therapie zu besprechen. Breitenecker holt eine Box, um die Optionen zu demonstrieren: "Die praktischste Variante ist einmal täglich eine Tablette, nicht alle vertragen sie, eine Alternative ist einmal täglich drei oder vier Tabletten. "Wie lange muss ich die Tabletten schlucken", fragt der junge Flügelbeschuhte und wird beim Wort "lebenslang" erschrecken.

Noch immer kämpfen die Ärzte hier mit Vorurteilen gegen die Therapie: dass sie Durchfälle auslöst oder die gefürchtete Lipoatrophie, die HIV-Infizierte schnell wie den zerfurchten Iggy Pop aussehen lässt. "Das war früher, ist aber bei den neuen Therapien nicht mehr der Fall", erklären die HIV-Ärzte fast täglich. Am Ende jedes Gesprächs geht es hier auf einer HIV-Ambulanz immer um Sex: "Ja, nie ohne Kondome, weiß ich", und weg ist er. Er soll noch vor Weihnachten wiederkommen, um mit der Therapie zu starten

Im Zimmer gegenüber arbeitet Veronique Touzeau, die vor allem HIV-positive Frauen betreut. Heute ist eine junge Nigerianerin da. Sie wohnt im Frauenhaus, hat durch die HIV-Infektion eine schwere Enzephalitis, spricht nur schwer auf Medikamente an. "Sie ist eine besondere Patientin", sagt Touzeau mit französischem Akzent. "Do you want babys", wird sie sie mehrmals fragen, um jedwedes Risiko auszuschließen. Im vergangenen Jahr hat Touzeau 30 Schwangere betreut, rund die Hälfte aus ethnisch gemischten Beziehungen. "Die größten Dramen finden bei uns statt, wenn schwangere Frauen hier erfahren, dass ihre Partner bisexuell sind", erzählt sie. Auch ein MSM-Patient berichtet aus der Szene: "Am schlimmsten führen sich die bisexuellen Pseudo-Heteros auf, die nehmen keine Kondome."

Schlechtes Gewissen

Da stürzt eine junge Ärztin ins Behandlungszimmer, holt Breitenecker zu einem Patienten, der unbedingt eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP) will, weil er am Vortag mit einer Prosituierten geschlafen hat, die eine kleine Wunde am Finger hatte und möglicherweise damit seinen Penis berührt hat. "Das haben wir oft, es ist schlechtes Gewissen", sagt Breitenecker und geht, Indikation für PEP ist diese Situation jedenfalls nicht, sind sich alle in der Ambulanz einig.

Plötzlich wird es hektisch. Auf Zimmer zwei ist eine verzweifelte Frau zusammengebrochen. "Ich kann nicht mehr, meine CD4-Werte passen, aber ich bin psychisch am Ende", weint die 50-Jährige, die seit 20 Jahren mit einem Mann aus Ruanda verheiratet ist. Er ist schwer krank, sie pflegt ihn. "Alles ist so negativ, ich halt es nicht mehr aus." Ärzte und Pfleger hören ihr zu, sie bekommt die Zuweisung für eine psychologische Beratung, muss darauf allerdings noch zwei Wochen warten.

"Junken Sie eigentlich noch?", fragt Breitenecker den nächsten Patienten. "Nein, seit fünf Jahren bin ich auf Methadon", sagt er. Er ist mit seiner Freundin da. "Wir nehmen immer Kondome", bestätigen beide. Trotz ihrer Fahrigkeit vermitteln beide den Eindruck, recht genau zu wissen, worum es geht. Aktuell laborieren sie an einer Hepatitis, und fürs Blutabnehmen wollen sie den Pfleger Alex, weil "er kriegt sogar bei unsern hinigen Gefäßen noch Blut raus".

In 4süd geht es irgendwie partnerschaftlich zu. "Er hat es gerne, wenn man ihm alle Befunde ausdruckt", weiß Breitenecker, einige Patienten sind Kontrollfreaks, was ihre Körperwerte betrifft. Die, die nicht reden wollen, werden in Ruhe gelassen. "Es ist familiär bei uns", sagt einer, dessen Diagnose bereits elf Jahre zurückliegt. Der nächste Patient ist 80 Jahre, hat HIV über eine Bluttransfusion bekommen. Diagnose 1993. Auf die Frage: "Wie geht's?" sagt er nur: "Was soll ich in dem Alter denn noch erwarten, aber es geht schon." Er ist das beste Beispiel, dass aus einer tödlichen Erkrankung eine chronische geworden ist, in der westlichen Welt.

Die 1100 Patienten am AKH 4süd werden von drei Ärzten betreut. Angestellt ist nur der junge Assistenzarzt, die erfahrenen HIV-Spezialisten sind über Geld aus der Pharmaindustrie finanziert. Beunruhigend daran: Je besser die Erkankung beherrschbar wird, umso weniger werden die Studien und dadurch die Drittmittel werden, langfristig ist die Betreuung nicht sichergestellt. "Heilung gibt's nicht?", fragt ein HIV-Positiver beim Kontrolltermin, der dank seines guten Immunsystems noch keine Therapie braucht. "Experimentell ist es gelungen, das HI-Virus auszuschleusen, aber es ist fraglich, ob wir so ein Medikament noch erleben", sagt Breintenecker.

Dann muss er weg, eine Frau im Nebenzimmer, die zu einer Hautuntersuchung da ist, blutet stark nach der Punktion. "Wir sehen uns in vier Monaten wieder und vergessen Sie nicht: Sie sind ansteckend. Kein Sex ohne Kondome." (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2011)

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mich würde interessieren, wieviele von den "oba geh, des aids gibts ja net, des is a erfindung von der pharmaindustrie" - heinis im falle einer erkrankung eine medikamentöse therapie verweigern würden.

*house of numbers*

Prävention!

Therapie ist gut - jedoch muss es vorallem darum gehen, dass sich NICHT NOCH MEHR MENSCHEN infizieren.

eigene erfahrung

die ärzte dort sind sehr sehr nett und kompetent,

mein mann ist HIV positiv und unter erfolgreicher therapie, nach längeren gesprächen mit ärzten bin ich (HIV negativ) nun schwanger (natürliche empfängnis) und immer noch negativ. die therapie hat sich sehr gut entwickelt, so dass es eben heutzutage sogar möglich ist ein kind auf natürlichem weg zu zeugen da die wahrscheinlichkeit der ansteckung bei 6 Monaten "viren unter der nachweisbargrenze" auf 0,000000001 (oder so ähnlich ) sinkt! ich verstehe nicht warum jemand keine therapie haben möchte...aber das muss ja jeder für sich entscheiden

Ich hoffe mal dass hier nur Trolle posten?

na, zumindest sind ein paar feste dep*en dabei.

Ich hoffe mal dass hier nur Trolle posten?

wie kann man sich mit dem HIV Virus infizieren wenn man ihn nicht einmal nachweisen kann?

Auch hier rate ich zum Selbsttest!
Lassen Sie sich Blut spritzen, dass "angeblich" mit "angeblichen" HI-Viren infiziert ist.

Hmm. Das war jetzt vielleicht etwas populistisch. Vielleicht verraten Sie erstmal, warum die ganzen Profis falsch liegen und Sie Recht haben!

In der Schweiz hat man die Empfehlung

Kondome zu verwenden für therapierte HiV-Positive aufgehoben.

hat man nicht.

haben die leicht Nachwuchssorgen ?

Die Lösung

Tut euch gut, hört Musik, spielt mit Puppen und verwendet Kondome!
http://www.youtube.com/watch?v=dpTrt34LoFA

Man nehme eine Krankheit deren Ursache noch unbekannt ist
Man isoliere aus dem erkrankten Gewebe einen Virus (mittels PCR)
Man entwickle einen Antikörpertest und verbreite ihn epidemieartig in der Population
Man erkläre jeden, der positiv auf de AK reagiert, zum chronischen Virusträger und ermittle seinen Viruslast
Man erkläre die noch fehlende klinische Erkranung mittels einer variablen Inkubationszeit
Und die Erkrankten beweisen die Hypothese

So weit völlig richtig! Sie haben nur zwei Punkte vergessen:
1. Man hat das Virus sequenziert und die Pathobiochemie entschlüsselt. Man weiß also wie da Virus genau diese Erkrankung, oder besser: dieses Syndrom auslöst.
2. Die epidemiologischen Daten sind klar.

Man gehe zum Psychiater.

Lasse seine Paranoia diagnostizieren.
Lasse sich ein Medikament dagegen verschreiben.
Gehe in die Apotheke und hole sich die Medikamente.
Man setze sie nach der verordneten Weise ein.
Und schon macht man sich in Internetforen nicht mehr zum Trottel.

Wollen Sie diese Hypothese beweisen?

awesome :D

gott sei dank gibts noch anonymität im internet also wieso sollts mich jucken was sie da meinen zu glauben oder wieso sollt ich mich angegriffen fühlen, die mainstreammeinung vertreten und substanzlose beschimpfungen schreiben ist auch sehr einfach! gratuliere zu dieser geistigen errungenschaft

die mainstreammeinung vertreten und substanzlose beschimpfungen schreiben ist auch sehr einfach!

Unter dem Schutze der Anonymität Verschwörungstheorien nachplappern ist natürlich viel schwieriger.

der unterschied ist, dass ich mich tatsächlich mit dem thema auseinander gesetzt habe, und nicht nur publikationen gelesen habe, die das virus erfolgreich gefunden haben und es als ursache der AIDS erkrankung erklären.
ich habe nur ein paar fakten von unterschiedichen fachärzten bzw ökonomen zusammengetragen!
und da ergeben sich schon viele schöne dinge, die sich nicht alle in einem post ausgehen, allerdings steht jedem frei selbst zu recherchieren!
dass man teilweise halt bisschen polemisch schreibt, ergibt sich eben genau aus diesem!
bin kein verschwörungstheoretiker, im gegenteil, privat bzw beruflich bin ich da sogar involviert!
aber es gibt zu denken, dass man nichtmal was anderes meinen kann ohne dass die leute einen beschimpfen

Nennen Sie doch mal ihre Quellen! Sagen Sie doch mal welche Fakten Sie meinen! Benennen Sie doch mal die "vielen schönen Dinge"! Inwiefern sind Sie denn involviert?

Sie benutzen viele Worte ohne irgendwas zu sagen.

der unterschied ist, dass ich mich tatsächlich mit dem thema auseinander gesetzt habe

Wenn Sie dann zu diesem Schluss gekommen sind, ist das sehr bedenklich. Was genau lässt Sie denn denken, dass einige wenige Leugner gegenüber dem Großteil der Fachwelt, unterstützt von Unmengen an Evidenz, im Recht sind?

Dafür, dass Sie sich so gut informiert....

...haben klingt Ihr Geschreibsel aber verdammt nach unreflektiertem Lanka- und Hamer-Gelaber. Aber bitte soll sich der Leser ein Bild machen.

awesome :D

gott sei dank gibts noch anonymität im internet also wieso sollts mich jucken was sie da meinen zu glauben oder wieso sollt ich mich angegriffen fühlen, die mainstreammeinung vertreten und substanzlose beschimpfungen schreiben ist auch sehr einfach! gratuliere zu dieser geistigen errungenschaft

Man isoliere aus dem erkrankten Gewebe einen Virus (mittels PCR)

Isolierung: 1984
Entwicklung der PCR: 1996

Diese HIV-Entdecker müssen Zeitreisende sein!

1996? woher haben sie den diese zahl :D

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